Freiwilligenagentur Stuttgart

Über den Tellerrand schauen – Ehrenamt hilft

01.06.2017

Wer Arbeit sucht, wendet sich an die Agentur für Arbeit. Aber wer hilft eigentlich bei der Suche nach einem Ehrenamt? Die Berater der Freiwilligenagentur Stuttgart zeigen die vielfältigen Möglichkeiten. Auf ihrer Online-Freiwilligenbörse finden Interessierte über 600 Angebote von Gartenarbeit über Hausaufgabenbetreuung bis hin zur Flüchtlingshilfe.

Blick über den Tellerrand: Nicht nur sich selbst wahrnehmen – auch andere. |Foto: Nadja Maur

Die Freiwilligenagentur bietet ein großes Netzwerk aus Stiftungen, Institutionen und Vereinen und funktioniert als Schlüsselstelle zwischen diesen und den Bürgern. Neben Teilen der Volkshochschule und einer Abteilung des Stuttgarter Rathauses bildet die Agentur die dritte große Säule des Ehrenamts der Stadt. Die Idee dahinter erklärt der ehrenamtliche Berater Walter Schüler so: „Wir sind eine Anlaufstelle für jemanden, der sich einbringen möchte. Wir beraten hier Leute, die ein Ehrenamt wollen, aber keinerlei Vorstellungen haben." Seine Kollegin Lore Tress ergänzt die Vernetzung der ehrenamtlichen Institutionen untereinander. Die beiden sind schon seit vielen Jahren Berater in der Agentur. Gemeinsam mit ihren Kollegen vertreten sie die Freiwilligenagentur bei Messen und Veranstaltungen, führen Beratungsgespräche und verwalten die Online-Freiwilligenbörse.

Fakten
Die Freiwilligenagentur entstand 2004 aus einem Zusammenschluss mehrerer ehrenamtlicher Institutionen im Raum Stuttgart. Seit 2009 steht sie unter der Leitung von Ilona Liedel. Zurzeit arbeiten zwölf Berater im Büro der Kronprinzenstraße – alle ehrenamtlich. Zu Beginn nimmt jeder von ihnen an Seminaren teil, die ihn für seine Tätigkeit in der Freiwilligenagentur qualifizieren. Eine solche Ausbildung gehört zu den Kriterien, die für eine Zertifizierung durch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Freiwilligenagenturen (bagfa) e.V. erfüllt werden müssen. Seit 2007 erhält die Freiwilligenagentur diese Zertifizierung regelmäßig.

Online und persönlich – zwei Wege der Beratung

Die Online-Börse funktioniert wie eine Suchmaschine. Hier grenzt man mit wenigen Klicks unter anderem ein, welchen Aufgabenbereich man sucht, mit welcher Zielgruppe man arbeiten möchte und in welchem Stadtteil das Ehrenamt sein soll. Die Annoncen werden von suchenden Institutionen selbst eingestellt. Tress, Schüler und ihre Kollegen überprüfen diese dann vor der Freischaltung, um unangemessene Angebote wie beispielsweise Schwarzarbeit direkt zu löschen. Neben der Online-Börse bietet die Freiwilligenagentur von Montag bis Donnerstag persönliche Beratungsgespräche an. In ihrem Büro empfangen die Berater die Bürger in herzlicher Atmosphäre. Im persönlichen Gespräch zeigt sich meist schnell, wo die Interessen und Stärken des Besuchers liegen. Für viele ist der persönliche Kontakt zusätzlich zum Online-Angebot wichtig, um ein besseres Bild der einzelnen Annoncen zu bekommen. Die Berater besuchen ihre Partnerinstitutionen regelmäßig und können so von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Im Anschluss bekommt der Interessierte zwei bis drei auf ihn zugeschnittene Angebote. Jetzt liegt es an ihm, selbst die Initiative zu ergreifen und Kontakt zu den Institutionen aufzunehmen. „Dieser Schritt ist besonders wichtig, denn in ein Ehrenamt muss man auch reinwachsen. Es muss passen, damit sowohl der Freiwillige als auch die Institution profitieren", so Tress.

„Egal welche Wünsche man hat, sie können erfüllt werden" – Lore Tress

Die Angebote sind dabei so vielseitig wie die Besucher selbst. Viele junge Leute und auch Studenten seien dabei, vor allem auch solche, die neu in der Stadt sind und außerhalb des Berufs oder der Uni Anschluss suchen. „Einmal kamen zwei junge Männer aus Chile, die hier in Stuttgart gestrandet sind und was tun wollten", erzählt Tress. Mit Hilfe der Agentur haben sie die Jugendfarm in Raitelsberg gefunden und dort ein paar Wochen mit angepackt.

„Die Flüchtlingskrise ist ein wichtiges Thema, aber nicht das Einzige."

Im Zuge der Flüchtlingskrise erhielt die Freiwilligenagentur großen Zulauf. Dabei war es wichtig, eine Balance zu finden und nicht alle Besucher nur auf diesen Bereich zu verteilen, um die anderen 600 Stellen nicht im Stich zu lassen. Auch das gezielte Interesse in der Weihnachtszeit sei bei Institutionen nicht unbedingt gern gesehen. In einer so sensiblen Zeit sei es wichtig, dass bereits vorher eine persönliche Bindung aufgebaut werde, die langfristig anhält. Darum sagt Tress: „Wenn man sich für ein Ehrenamt entscheidet, sollte man nicht nach vier Wochen im Altersheim das Handtuch werfen. Die persönlichen Bindungen dort sind etwas Kostbares."

Raus aus der Isolation

Gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation der Gesellschaft und der drohenden Spaltung in konträre Einzelgesellschaften kann das Ehrenamt ein Weg der Annäherung und Versöhnung sein. Tress sagt: „Es ist ganz wichtig, dass man auch den anderen in seinen Bedürfnissen wahrnimmt. Die Menschen bewegen sich immer nur in ihrem Kreis und wie wichtig ist es da, dass man über den Tellerrand hinaussieht."

Studenten der Hochschule der Medien machen’s vor – wie und wo sie sich engagieren, hört Ihr hier! |Quelle: Nadja Maur

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Über den Autor

Nadja Maur

Crossmedia Redaktion und Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/ 2017