Menschenrechtsverletzung

„Eritrea- das Nordkorea Afrikas“?!

06.07.2015

„Human Rights Watch“ zufolge befinden sich mehr als fünf Prozent der eritreischen Bevölkerung außerhalb des Landes. Der Grund warum Präsident Isayas Afewerki seine Landsleute vor der Flucht nicht aufhalten kann war lange Zeit ein Geheimnis. Nun schockiert ein aktueller UN- Report.

Allgemeine Fakten über den ostafrikanischen Staat (Quelle: Afriwhere; Auswärtiges Amt) Erstellt von: Isabelle Hirsch

In Genf wurde am 08.Juni ein 64 Seiten langer Bericht der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen veröffentlicht, welcher die Menschenrechtslage in Eritrea beschreibt. Dieser beruht sich auf im Exil lebende anonyme Eritreer und weitere schriftliche Zeugnisse, da den Ermittlern der Zugang nach Eritrea verweigert wurde. Der Bericht war Anlass genug im deutschen Bundestag eine Aktuelle Stunde zum Thema Menschenrechtsverletzung in Eritrea einzuberufen.

„Ja, Aufsehen erregen, es deutlich machen, schockieren"

Das war das Anliegen von Frank Heinrich der CDU/CSU als Antwort auf die Frage, was man tun könnte. Misshandlung, systematische Folter, unsägliche Haftbedingungen, unbefristeter militärischer Zwangsdienst, willkürliche Hinrichtung, dies sind nur fünf Punkte einer langen Liste, mit welcher der Report schockiert und den Bundestag debattieren lies. Die Täter sind nicht selten von staatlichen Stellen des seit 1993 unabhängigen Landes. Gabriele Heinrich der SPD bezeichnete die Regierung von Präsident Afewerki auch als „systematische Folterpolitik" und Frank Heinrich geht noch ein Schritt weiter und betitelt die Regierung als „mitleidlose Diktatur".

Eritrea ist ein Einparteienstaat in dem es die letzte Parlamentssitzung 2001 gab. Der Präsident gehört der einzigen Partei des Landes an, der „People’s Front for Democracy and Justice (PFDJ)". Isayas Afewerki versucht mit allen Mitteln sich und die Unabhängigkeit des Landes zu schützen, was wohl dazu führt, solch drastische Mittel anzuwenden. Er beendete in diesem Zusammenhang 2008 auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit.

„In Eritrea herrscht nicht das Recht, sondern die Angst"

Monatlich sind etwa 5 000 Menschen auf der Flucht vor der Regierung und somit vor ihrem Präsidenten Isayas Afewerki. Sie fliehen aus Angst vor Sklaverei, Folter und Vergewaltigung. Eine Rede- oder Meinungsfreiheit genauso wie eine Versammlungs- und Religionsfreiheit existiert nicht oder nur sehr gering. Und auch die Pressefreiheit „existiert in Eritrea nicht", so Bernd Fabritius der CDU/CSU. Eritrea nimmt in dem von „Reporter ohne Grenzen" veröffentlichten „World Press Freedom Index" auch dieses Jahr, wie auch schon die Jahre zuvor den letzten Platz ein. Damit liegt das kleine ostafrikanische Land noch hinter Syrien und dem Irak.

Interaktive Weltkarte der Pressefreiheit Land für Land und eine Liste der in Eritrea inhaftierten Journalisten (Quelle: Reporter ohne Grenzen) Erstellt von: Isabelle Hirsch

So genannte Foltermethoden wie der Helicopter, Almaz oder Torch gehören in der Gefangenschaft zum Alltag. Sexuelle Sklaverei und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen, sowie oftmals auch an jungen Männern sind in den sogenannten Trainingscamps keine Seltenheit. Niema Movassat der Linken erklärte, dass sich der „Bericht wie ein Horrorbuch liest". Das ist der Grund, warum immer mehr junge Eritreer dem totalitäre Staat und seinen menschenunwürdigen Methoden entfliehen.

Bilder der Foltermethoden (Quelle: United Nations Human Rights) Erstellt von: Isabelle Hirsch

„Niemand von uns kann sich vorstellen, wie furchtbar ein Leben sein muss, um diesen Weg zu gehen"

Bis heute sind ca. 360 000 Flüchtlinge aus Eritrea in Europa registriert, allein in Deutschland beantragten 2014 mehr als 13 000 Eritreer Asyl. Somit steht Eritrea auf Platz drei der Herkunftsländer von Flüchtlingen im vergangenen Jahr. Jedoch bergen sich auch auf der Flucht viele Gefahren. Von 2009–2013 wurden mehr als 25 000 Menschen Opfer von Menschenhandel. Davon schätzt man waren 90% Eritreer. Der gefährliche Weg auf den Sinai wirft schon seit Jahren die Befürchtung auf, dass mit menschlichen Organen gehandelt wird. Es gibt Hinweise, dass Angehörige bis zu 50 000 Dollar zahlen um ihre Lieben freizukaufen. Jedoch werden die „Freigekauften" sofort festgenommen, sobald sie zurück nach Eritrea kommen. Das Leid welches sie dort erleben, ist dem Bericht zu folge nicht geringer. Aber auch der Weg mit den illegalen Schleppern ist nicht ungefährlich. Nicht selten erreicht uns die Nachricht, dass vor den Toren Italiens ein Boot kentert, was vielen Menschen ihr Leben kostet.

„Perverses Spiel und zynische Erpressung"

Das ist es in den Augen von Omid Nouripour von den Grünen, wenn man versucht dem Land zu helfen und die EU Eritrea Geld zukommen lassen will. Da es die Regierung ist, die dafür verantwortlich ist, dass tausende ihre Heimat verlassen, wird das Geld womöglich nicht nur eingesetzt, wofür es wichtig wäre. Dies sieht man auch daran, dass im Ausland lebende Eritreer monatlich eine zwei Prozent Steuer an ihre Heimat zahlen müssen. Tun sie das nicht leiden ihre zurückgebliebenen Verwandten. Daran erkennt man, dass die Unterstützung vermutlich nicht in den richtigen Händen landen würde. Vielmehr sollte man versuchen Brücken mit den im Exil lebenden Eritreern zu bauen. Und auch durch den UN-Bericht ist ein erster wichtiger Schritt getan, um erst mal Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Problematik deutlich zu machen.

Geschichte Eritreas

-1881 besetzen italienische Truppen Küstenbereiche

-ab 1890 italienisches Dekret

-1941 eroberten britische Truppen das Land

-1945-1952 britisches Treuhandgebiet

-1952 schlossen die Briten Eritrea an das äthiopische Kaiserreich an

-1960er Jahren Freiheitskriege zwischen Eritrea und Äthiopien

-1987 wurde Eritrea zur autonomen Region erklärt

-1993 Unabhängigkeitserklärung

Die Geschichte Eritreas symbolisiert in Flaggen von Yasmin Nasrudin

Wichtige Links zum Artikel

Auswärtiges Amt - um allgemeine Informationen zu erhalten

afriwhere - Informationen rund um Eritrea

United Nations Human Rights - alle Quellen zu dem veröffentlichten Bericht

Yasmin Nasrudin - Online-Bloggerin die sich mit kritischen Themen beschäftigt

Reporter ohne Grenzen - alle Informationen zu journalistischen Hintergründen

Organisation für eritreische Flüchtlinge in Frankfurt

Total votes: 635
 

Über den Autor

Isabelle Hirsch

Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015