Paranormale Aktivitäten

„Geister sind auch nur Menschen“

28.06.2016

Gegenstände, die sich wie durch Geisterhand bewegen, Stimmen aus dem Jenseits, unerklärliche Schritte auf dem Dachboden – beliebte Szenarien aus Film und Fernsehen, die uns zum Schauern bringen. Passiert so ein Spuk in der Realität, spricht man von paranormalen Phänomenen. Betroffene werden meist für verrückt erklärt und sind einem enormen Leidensdruck ausgesetzt. Doch sind paranormale Erlebnisse wirklich so abnormal?

Eingangsbereich der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg | Foto: Natalie Weißer

Reporterin Jacqueline Haller auf der Suche nach Antworten. |Video: Ernst, Haller, Weißer

Was also tun, wenn es spukt?

Walter von Lucadou rät, zunächst einmal zu prüfen, ob die Ursache nicht vielleicht in einem technischen oder natürlichen Problem liegt. Schritte auf dem Dachboden könnten beispielsweise durch einen Marder ausgelöst werden. Lässt sich das alles ausschließen, ist ein Anruf bei der Parapsychologischen Beratungsstelle ein möglicher nächster Schritt. Manchmal kann es dann Jahre dauern, bis allein die Ursache für einen rätselhaften Spuk herausgefunden werden kann – die Mitarbeiter der Beratungsstelle müssen sich dabei mit jeglichen Facetten der Alltagsphysik auskennen und diese untersuchen. Wird die Ursache gefunden und geheilt, hört im Normalfall auch der Spuk wieder auf.

Können Lucadou und sein Team keine physikalischen Gründe für den Spuk finden, ziehen sie eine psychische Erkrankung des Betroffenen in Betracht. Die Beratungsstelle arbeitet hierfür in engem Kontakt mit Psychotherapeuten, welche die Erkrankung der Betroffenen behandeln können.

Heilpraktiker: Nicht nur Scharlatane

Zudem können Betroffene Hilfe bei einem Heilpraktiker suchen. Walter von Lucadou steht solchen Methoden nicht grundsätzlich abgeneigt gegenüber, warnt aber vor Scharlatanen und Abzockern auf diesem Gebiet. Doch Lucadou betont: „In erster Linie zählt, was hilft."

Ein Heilpraktiker, der sein Handwerk versteht und anderen Menschen damit helfen kann, ist Harald Baumeister*. Ähnlich wie Lucadou spricht er bei paranormalen Phänomenen (zunächst) nicht von Geistern. Zerspringende Glühbirnen oder ein ständiges, nicht verortbares Murmeln in der Wohnung haben für ihn andere Ursachen. Laut Baumeister kann negative Energie, die sich an einem Ort sammelt für solch ein Phänomen verantwortlich sein.

Wie erkenne ich einen Scharlatan?
¿ Fixierung auf die Person: „Nur ich kann dir helfen!"
¿ Universalanspruch: „Ich kann jede Krankheit heilen!"
¿ Zurschaustellung von Erfolgen: „Dankesschreiben aus aller Welt!"
¿ Bekämpfung anderer Verfahren: „Glaube anderen nicht! Die Schulmedizin ist schlecht!"
¿ Isolierung: „Familienangehörige und Freunde stören die Heilung!"
¿ Therapiedauer kann nicht abgeschätzt werden: „Ich werde dein Begleiter sein!"
¿ Angstmachen: „Ich sehe eine dunkle Macht!"
¿ Schweigegelübde: „Sprich mit niemandem darüber!"
¿ Überhöhte Preise: „Barzahlungen ohne Quittung"
Weitere Informationen unter: Parapsychologische Beratungsstelle

Alternative zur kopflastigen Wissenschaft

Mit traditionellem schamanischen Räucherwerk, guten Gedanken und Gebeten – so säubert Baumeister Räume von negativen Energien. Mit dieser Technik hat er, anders als Lucadou, eine eher spirituelle Herangehensweise an das Problem. Beide teilen jedoch die selbe Mission: Betroffenen helfen. Baumeister erreicht vor allem Menschen, die von der „Kopflastigkeit der Wissenschaft" nicht überzeugt sind oder eine Alternativbehandlung suchen. Für ihn ist klar, dass es viele Bürger gibt, die mit Energie und Spiritualität nichts anfangen können. „Aber das ist doch in Ordnung", sagt Baumeister. Trotzdem hat sich gezeigt, dass Betroffene nach einer Reinigung wieder ohne Ängste in ihrem Zuhause leben konnten. Auch wenn diese seine Praktiken zunächst für Spinnerei hielten.

Paranormal – ganz normal

Lucadou und Baumeister zeigen, dass paranormale Erlebnisse etwas Alltägliches und Natürliches sind. Betroffene müssen sich davor nicht fürchten. Fast alle Erfahrungen lassen sich auf bestimmte Ursachen zurückführen. Dies können die Physik des Alltags oder negative Energien sein. Das größte Problem in Bezug auf paranormale Phänomene ist nach Lucadou und Baumeister dagegen, dass sich viele Menschen nicht offen auf das Thema einlassen. So werden Betroffene oftmals nicht ernst genommen und ihre Erlebnisse als Einbildung abgetan. Menschen wie Lucadou oder Baumeister, die Hilfestellung geben möchten, werden haltlos kritisiert. Dabei zeigen beide Beispiele, dass den Betroffenen durch ihre Arbeit geholfen wird – auf welche Weise ist umstritten. Schlussendlich sorgen wir selbst für Spuk und Aufruhr oder wie Lucadou sagt: „Geister sind auch nur Menschen."

* Name von der Redaktion geändert

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Über die Autoren

Sarina Ernst

Unternehmenskommunikation
Eingeschrieben seit: Wintersemester 15/16

Jacqueline Haller

Mediemanagement
Eingeschrieben seit: Wintersemester 15/16

Natalie Weißer

Unternehmenskommunikation
Eingeschrieben seit: Wintersemester 13/14