Interview

„Ich fahre total gerne mit dem Auto“

08.02.2017

Seit über 8 Jahren arbeitet Liane für das Deutsche Rote Kreuz. Sie sitzt aber nicht am Steuer eines Krankenwagens sondern erfüllt eine andere wichtige Aufgabe. Hausnotrufgeräte für ältere Menschen anbringen. Klingt simpel, ist es vor allem emotional aber nicht. Als ich sie treffe erzählt sie mir von ihrem Beruf, warum sie ihn lieben gelernt hat und auf keinen Fall missen möchte.

Der nahe Kontakt zu Menschen ist Liane besonders wichtig. |Foto: Vivian Kuhn

Du hilfst also gerne.

Soweit es in meiner Kraft steht.

Was schätzt du an deinem Beruf genau, was sind die Vorteile?

Vor allem das selbstständige Arbeiten und der Kontakt mit älteren Menschen gefallen mir sehr gut.

Der menschliche Kontakt ist dir also sehr wichtig.

Ja. Ich hab früher auch schon immer gern mit Menschen zusammen gearbeitet. Das gefällt mir einfach weil das nicht so steril ist wie beispielsweise die Arbeit mit Maschinen. Ich finde es auch immer interessant, den älteren Menschen zuzuhören.

Du bist Hausnotrufbeauftragte von Beruf, was genau machst du da?

Ich bringe bei älteren Menschen ein Haunotruf-Gerät an. Diese sind mit einem Handsender ausgestattet und den sollten sie dann immer bei sich tragen, damit sie dann im Notfall auf den drücken können. Da sind sie dann verbunden mit der Leitstelle und die kommen dann sofort mit dem Krankenwagen, das heißt wir müssen auch einen Schlüssel in der jeweiligen Rettungswache deponieren, damit die dann im Notfall eben auch reinkommen.

Und wie bist du genau auf diesen Beruf gekommen?

Dadurch, dass ich dann auch zwei Kinder bekommen habe wollte ich erst einmal nicht mehr voll in den Beruf einsteigen sondern nur auf 450-Euro Basis arbeiten. Eine Bekannte, die diesen Beruf bei den Maltesern gemacht hatte, die hat mir das erzählt und das fand ich total interessant. Und dann habe ich gehört, dass sie beim Roten Kreuz auch jemanden suchen. Dann habe ich mich dort beworben und wurde auch direkt genommen.

Würdest du diese Arbeit anderen Leuten weiter empfehlen?

Ja schon, auf jeden Fall! Weil man total flexibel ist und nicht immer einen direkten Chef neben sich hat. Ich finde es halt auch toll, dass man so viel mit dem Auto unterwegs ist. Ich fahre total gerne mit dem Auto.

Wo wir wieder beim selbstständigen Arbeiten wären.

Genau. Du kannst dir die Zeit selbst einteilen, wie du es gern möchtest. Die alten Leutchen haben ja schon meistens Zeit. Du bist halt echt richtig flexibel dann in deinem Job.

Gibt es manchmal auch Momente, in denen dir dein Beruf gar keinen Spaß mehr macht?

Das eigentlich nicht. Aber es gibt natürlich traurige Momente, nämlich dann wenn einer meiner Teilnehmer verstirbt oder ins Pflegeheim muss. Oder wenn ich sehe, die Menschen sind ganz allein ohne irgendwelche Angehörige Zuhause und sind deswegen eben auch dringend auf das Hausnotrufgerät angewiesen. Das macht mich dann schon manchmal sehr traurig.

Fällt dir da ein konkreter Fall ein?

Da habe ich eine Teilnehmerin, bei der ist der Mann schon vor längerer Zeit gestorben. Vor kurzem ist dann auch noch ihre einzige Tochter gestorben, zu der sie eine gute Beziehung hatte und die sie auch immer am Wochenende besucht hat.

Sie hat also keine direkten Angehörigen mehr.

Nein.

Das sind dann so Menschen, die man nicht vergisst oder?

Ja das stimmt.

Und dann gibt es doch sicherlich auch mal besonders schöne Momente?

Ja natürlich! Besonders schöne Momente sind dann, wenn die Menschen sich so freuen, dass man kommt. Und dass man manchmal auf einen Kaffee eingeladen wird oder einfach die Gespräche mit denen.

Über was genau redet ihr dann da?

Das ist ganz unterschiedlich. Oftmals erzählen sie von dem Tod des Mannes und dass das traurig ist. Am meisten erzählen sie natürlich von ihren Krankheiten.

Also nur traurige Sachen.

Nein. Es gibt ja auch ältere Leute die noch total fit sind, ihr Leben genießen und auch noch viel unternehmen. Und viel Kontakt mit ihren Kindern haben. Dann erzählen sie auch von den Enkelkindern. Das ist schon auch sehr schön.

Hat man da auch mal was zu lachen?

Das eigentlich eher selten.

Du arbeitest nun wieder Teilzeit in deinem alten Beruf als Kosmetikerin.

Stimmt. Ich hab jetzt gemerkt, vor allem seit dem die Kinder aus dem Haus sind, dass ich einfach noch eine andere Beschäftigung und Aufgabe haben möchte und deswegen bin ich wieder in meinen alten Beruf zurück gekehrt und da habe ich ja auch den Kontakt mit Menschen. Das macht mir auch richtig Spaß.

So kannst du dann auch wieder etwas machen, was dir schon immer Spaß gemacht hat oder?

Genau, ich habe aber auch gedacht ein bisschen mehr Geld wäre auch schön.

Hat Geld schon immer eine wichtige Rolle gespielt in deinem Berufsleben?

Eher nicht so. Aber jetzt ist es halt doch schön wenn man ein bisschen mehr hat weil auch einfach alles immer teurer wird.

Man möchte sich ja auch mal wieder etwas leisten.

Richtig. Und es gibt einem dann auch die Bestätigung, wenn man in seinem Beruf gut ist, Trinkgeld kriegt und ein gutes Feedback von den Leuten bekommt.

Wäre es für dich auch eine Möglichkeit diesen Beruf wieder Vollzeit auszuüben und deinen Job beim Hausnotruf zu kündigen?

Also das ist keine Option für mich. Ich möchte das auf jeden Fall beibehalten weil mir das wirklich richtig Spaß macht.

Sie haben dann sozusagen ihren zweiten Traumberuf gefunden.

Könnte man so sagen, ja.

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Über den Autor

Vivian Kuhn

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/2016