Kebab-Restaurant-Besitzer klärt auf

„Jeder isst doch mal ’nen Döner“

27.05.2015

Das traditionell türkische Gericht hat sich in Deutschland etabliert. Jeder kennt und isst Döner. Doch es gibt immer noch Konflikte zwischen der deutschen und der türkischen Kultur. Kann durch den Döner eine Art Dialog entstehen?

Jeder iss doch mal ’nen Döner - Umfrage

Wann und wie oft essen junge Leute das beliebte Gericht Döner? Und ist der Döner eigentlich türkisch oder deutsch? Eine Umfrage unter Studenten aus Stuttgart.

„In Deutschland ist der Döner im Brot definitiv am beliebtesten", sagt Bülent Demircan. Bülent leitet mit seiner Familie ein türkisches Restaurant in der Stadtmitte Stuttgarts. Er ist Geschäftsführer des „World of Kebap" und hat sich mit seinem Unternehmen vor allem auf den Kebab, oder wie die meisten ihn nennen: Döner, spezialisiert. Und das aus gutem Grund. Döner Kebab ist bei den Deutschen sehr beliebt. Nach Angaben des „Verbandes des türkischen Döner Produzenten in Europa" sind die Deutschen die größten Kebab-Konsumenten. Pro Jahr werden in Deutschland 400 Millionen Döner gegessen. Das bedeutet im Jahr durchschnittlich fünf Döner pro Kopf. Aber laut Bülent ist Döner nicht gleich Döner: „In der Türkei wird zum Döner Reis und Salat gegessen. Inzwischen gibt es zwar viele Variationen, aber viele Kebab kann man nicht mit einem richtigen Döner vergleichen. Ich bin doch Türke, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, wenn jemand Kraut oder Mais in den Döner tut." Auch der Döner im Brot sei nur in Deutschland so populär. „Wenn man in der Türkei in einen richtigen Dönerladen geht und ein Döner im Brot bestellt, wird man schräg angeschaut."

Zählt der vegetarische Döner überhaupt als Döner?

Nicht nur bei Mais und Kraut, sondern auch in Bezug auf einen vegetarischen Döner wird Bülent skeptisch. Der Begriff „Döner Kebap" ist türkisch und bedeutet „(sich) drehendes Fleisch". Der vegetarische Döner widerspricht also schon seinem eigenen Namen. „Der Begriff des vegetarischen Döners hat sich in Deutschland eingebürgert", meint Bülent. „Naja, aber ehrlich gesagt ist es doch schon ein Witz, zum Dönerladen zu gehen und sich einen vegetarischen Döner zu bestellen. Letztens kam ein Veganer zu uns in das Restaurant. Da hab ich ihm gesagt: Da bist du ja gerade richtig im Dönerladen."

Döner nach der Oper

Dass auch Vegetarier zum Döner greifen, zeigt wie populär er inzwischen bei den Deutschen ist. Auch Bülent stimmt dem lachend zu: „Klar, jeder isst doch mal ’nen Döner! Einmal hatten wir einen Kunden, der gesagt hat, dass seine Mutter noch nie einen Döner gegessen hat. Wir haben sie zu uns in das Restaurant eingeladen. Sie kam tatsächlich und aß mit 62 Jahren ihren ersten Döner."

Döner kaufen die verschiedensten Leute, meint Bülent. Und dabei könnte man nicht nur zwischen türkisch-stämmiger und deutscher Kundschaft unterscheiden. „Zu uns kommen wirklich alle Arten von Menschen. Zum Beispiel habe ich hier mal einen türkischen, älteren Mann gesehen, der vielleicht vier oder fünf Wörter deutsch konnte. Er hat sich mit einem Mann mit Anzug und Fliege unterhalten, der gerade von der Oper kam. Sie saßen nebeneinander, der eine hat ‚guten Appetit‘ und der andere hat ‚afiyet olsun‘ gesagt und schon waren die beiden im Gespräch. Nicht mit Sprache, aber mit Handzeichen und Gesten". Und gerade diese kulturelle Vielfalt ihrer Kunden finden Bülent und seine Familie sehr wichtig: „Wir möchten hier nicht nur Döner verkaufen, sondern auch einen Dialog unter den Kunden schaffen."

Dialog zwischen verschiedenen Kulturen?

Das Verhältnis zwischen den Deutschen und den türkischen Migranten gilt oft als angespannt. Laut einer Studie des „Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen" sind türkische Migranten bei deutschen Jugendlichen ausgesprochen unbeliebt. In seinem Restaurant beobachtet Bülent jedoch das Gegenteil: „Während der muslimischen Fastenzeit sind hier abends meistens die Tische voll besetzt, da warten die Leute darauf, dass es dunkel wird. Einmal hat sich ein deutscher Kunde dazugesetzt und sich gewundert, warum alle anderen volle Teller vor sich haben, aber niemand isst. Dann hat der Fastenbruch begonnen und eine türkische Kundin hat ihm gesagt, dass er jetzt essen kann. Und dann haben sie sich über die verschiedenen Kulturen unterhalten."

Bülent stellt klar, dass dieser Dialog nicht der Verdienst des eigenen Unternehmens ist. „Wir persönlich hatten mit der Unterhaltung ja gar nichts zu tun, aber trotzdem haben wir unbewusst eine Art Plattform für Austausch geschaffen. Aber das sollte doch bei jedem ausländischen Restaurant so sein. Egal ob Chinese, Inder oder eben Türke: Wenn jeder Gastronom seinen Job gut macht, nehmen die Deutschen immer etwas von der anderen Kultur mit."

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Über den Autor

Jacqueline Bader

Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015