Musiker Daniel Hughes

„Just do it!“

29.01.2016

Daniel Hughes ist ein Musiker und Aktivist aus Bissingen an der Teck. Wir haben mit ihm über sich und seine Berufung gesprochen und darüber was ihn bewegt, die Welt zu verändern.

Von Tobias Jansen

„Die Leute, die die größte Veränderung in der Gesellschaft bewirkt haben, waren immer die, die am wenigsten angepasst waren", sagt Daniel. Fotoquelle: Daniel Hughes

Was ist Deine Berufung?

Ich habe mich immer als Musiker berufen gefühlt, aber in den letzten Jahren gemerkt, dass meine Berufung genauso darin liegt, meine Ideale mit der Gesellschaft zu teilen.

Was sind Deine Ideale und wie versuchst Du sie mit der Gesellschaft zu teilen?

2012 habe ich begonnen mich vegan zu ernähren. Das hat in meiner persönlichen Entwicklung einen riesen Schritt ausgemacht. Ich habe dann bald angefangen mich ehrenamtlich zu engagieren. 2013 habe ich einen veganen Verein gegründet, in dem wir Informationsarbeit leisten, zum Thema Ernährung und Konsum und welche Auswirkungen das auf die Umwelt und die Gesellschaft hat. Außerdem rette ich Lebensmittel über Foodsharing und helfe in Flüchtlingsheimen.

Fühlt man sich in einer kleinen Stadt wie Bissingen mit so großen Idealen nicht etwas verloren?

Ja, definitiv. Die letzten Jahre haben meine Familie und ich uns schon sehr verloren gefühlt. Gerade wenn man seine Kinder großzieht und sich komplett vegan ernährt. Du kommst Dir immer vor wie ein Alien. Du findest ganz schlecht rein. Du findest ganz schlecht Freunde, weil es überall normal ist, dass es dann Würstchen gibt und Dieses und Jenes, was es bei uns einfach nicht gibt. Das hört sich vielleicht banal an, ist es aber nicht. Es ist ein großes Ding. Es war nicht immer einfach, das ist richtig. Aber jetzt, wo wir zwei, drei Jahre dabei sind trägt es definitiv Früchte. Große Früchte!

Du bist Musiker, hast eine eigene Band. Was ist das für eine Band und was macht ihr für Musik?

Meine Hauptband ist das Swing Boheme Orchestra und ich kann behaupten, dass wir die einzige Elektro-Swing-Band Süddeutschlands sind. Außerdem habe ich auch ein Solo-Projekt, das seit ein paar Jahren vor sich hin gärt und jetzt kurz vorm Explodieren ist.

Was möchtest Du mit Deiner Musik bewirken?

Ich möchte mit meiner Musik vor allem bewirken, dass sie Leuten gefällt und dass sie Leute zum Tanzen anregt. Im nächsten Jahr werde ich eine Solo-Platte herausbringen und die wird dann eher in Richtung Liedermacher gehen, vom Stil und vom Aktivismus her. Dort spreche ich in meinen Songs Themen an, die in Richtung Nachhaltigkeit und Soziales gehen.

Daniel Hughes - Wir sind hier

„‘Wir sind hier‘ hat sich als meine Hymne entpuppt, weil viele Menschen das Lied für sehr wichtig halten", erklärt Daniel.

Was hörst Du selber gerne für Musik?

Ich bin Beatles-verrückt, seit ich denken kann. Die haben mich immer am meisten geprägt, wenn es um Songwriting geht. Vor allem jetzt höre ich sie oft, weil meine Tochter so darauf steht. Sie möchte es immer wieder hören. Ansonsten bin ich absolut im Folk verankert. Also dieser typisch amerikanische Folk. Insbesondere Pete Seeger, der die Musik extrem geprägt hat und der mein großes Idol ist. Aber ich möchte mich da auch gar nicht festlegen. Bis auf Techno und Death Metal, höre ich in allen Musikrichtungen ziemlich viel. Im Moment höre ich zum Beispiel viel Marteria.

Du hast erzählt, Du engagierst Dich viel ehrenamtlich. Was war für Dich der ausschlaggebende Punkt, an dem Du gesagt hast, in der Welt muss sich was ändern oder ich muss mich verändern?

Es war schon immer so, dass ich versucht habe mich einzubringen aber der ausschlaggebende Punkt an dem ich ganz Bewusst gesagt habe, jetzt möchte ich Aktivist werden, war, nachdem ich einen Vortrag von Gary Yourofsky gesehen habe. Der ist Tierrechts-Aktivist, reist rum und hält Vorlesungen an Schulen und Universitäten weltweit. Ich habe ihn in Israel an der Universität in Tel Aviv reden gehört. Im Prinzip war das eine eineinhalb Stunden Rede zum Thema Veganismus. Und der bringt das so krass rüber, dass der eine extrem hohe Anzahl von Leuten hat, die nach seiner Vorlesung rausgehen und ihr Leben komplett umkrempeln. Der Typ hat es richtig drauf. Und das hat auch mich sehr bewegt. Ich war so beeindruckt, dass ich gesagt habe, jetzt muss ich was tun. Dann haben meine Frau und ich einen Stammtisch hier in Kirchheim gegründet und haben uns praktisch einen komplett neuen Freundeskreis geformt, mit Leuten, die sich auch engagiert haben.

Hat sich durch Dein Verhalten auch etwas um Dich herum verändert?

Auf jeden Fall! Meine Heimatstadt Kirchheim ist ein sehr interessanter Standort für unsere Aktivitäten. Ein Ort den ich schon immer sehr gemocht habe, weil ich gespürt habe, dass es ein großes Potential für alternatives Denken und alternatives Leben gibt. Aber ich denke es hat bis jetzt nicht existiert, weil Kirchheim kein Studentenleben hat. Kirchheim ist keine Studentenstadt. Und deshalb fehlt da ein Aspekt. Ein grüner Aspekt. Und durch unsere Aktionen die letzten Jahre hat sich da eine alternative Szene entwickelt. Es ist schön mit anzusehen, wie sich das langsam, Jahr für Jahr, weiter entwickelt und wie eben immer mehr interessierte Leute, allen Alters, hinzukommen. Auch Bekannte leben und ernähren sich inzwischen bewusster. Definitiv hat ein Wandel stattgefunden.

Fotoquelle: Daniel Hughes„Am besten gehst Du raus in die Welt und inspirierst Dich und dann kommst Du zurück und bringst ein Stückchen Inspiration mit und teilst es mit der Gesellschaft", sagt Daniel. Fotoquelle: Daniel Hughes

Hat Deine vegane Lebensweise auch Auswirkungen auf Deine Eltern und Geschwister?

Es gibt jetzt niemanden, der sich in meiner Familie zu 100 Prozent vegan durch mich ernährt. Aber sie sind alle sehr offen. Und wenn wir zum Geburtstag oder so kommen ist auch immer was für uns da.

Wurdest Du Anfangs von Deiner Familie schräg angeguckt wegen Deines Lebensstils?

Meine Eltern sind auch schon lange Zeit Vegetarier. insofern gab es da jetzt nicht so den Schock. Bei meiner Oma war es anders. Als wir uns entschlossen haben uns vegan zu ernähren, haben wir zufällig bei meiner Oma gewohnt, weil wir hier renoviert hatten und das war dann schon ein krasser Umbruch für sie. Da wurde man dann schon als Rabeneltern dargestellt, die den Kindern das Protein nicht zuführen wollen.

Was kannst Du den Menschen mit auf den Weg geben, die auch etwas verändern wollen?

Eigentlich ist es ganz einfach: Just Do It! Am besten gehst Du raus in die Welt und inspirierst Dich und dann kommst Du zurück und bringst ein Stückchen Inspiration mit und teilst es mit der Gesellschaft. Die Leute, die die größte Veränderung in der Gesellschaft bewirkt haben, waren immer die, die am wenigsten angepasst waren. Und auch wenn es nicht angenehm ist, vor allem die ersten Jahre, ist es auf jeden Fall sehr, sehr Dankbar wahrzunehmen, wie man einen positiven Einfluss auf seine Mitmenschen, sein Umfeld und seine Gesellschaft haben darf. Ich empfinde es als großes Geschenk.

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Über den Autor

Tobias Jansen

Crossmedia Redaktion/PR
Eingeschrieben seit: Wintersemester 14/15