Digitale Langzeitarchivierung

„Konserviert und archiviert, ich hab’s gespeichert“

08.01.2015

Alles ist vergänglich - das weiß nicht nur Sido. Auch den Büchern in der legendären Bibliothek von Alexandria wurde dies schmerzlich bewusst. Haben Brände die Papyrusrollen zerstört oder sind sie schlicht zerfallen? Heute kann man Informationen besser sichern. Ständige Neuerungen bei der elektronischen Datenverarbeitung stellen insbesondere Bibliotheken dennoch vor Herausforderungen. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

Auch an Büchern nagt der Zahn der Zeit. Jedes Blättern setzt den Materialien zu, Druckfarben verblassen und säurehaltige Buchseiten zerfallen. Feuchtigkeit, Wärme und Licht beschleunigen den Alterungsprozess. Wichtige kulturelle Schätze drohen deshalb verloren zu gehen. Eine Lösung um deren Inhalte zu bewahren, ist es die Printerzeugnisse zu digitalisieren und langfristig zu speichern. Auf diese Weise wird ermöglicht, dass Kulturgüter und Informationen auch für nächste Generationen noch zugänglich sind.

Bücher werden digitalisiert

Bibliotheken gelangen auf zweierlei Wegen zu den digitalen Versionen von Büchern und Zeitschriften. Bei Buchneuerscheinungen muss lediglich die Printdatei angefordert werden, welche bei den modernen Produktionsprozessen ohnehin entsteht. Bei älteren Printerzeugnissen ist jedoch eine nachträgliche Digitalisierung notwendig - noch bevor diese zerfallen.

Diese Digitalisierung geschieht unter anderen in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Hier werden große Buchscanner verwendet. Das aufgeschlagene Buch wird unter eine Glasplatte bereitgelegt und doppelseitig eingescannt. Es gibt jedoch einige alte Werke, die nicht mehr vollständig aufgeschlagen werden können. Dieses Problem wird durch den Grazer Buchtisch gelöst.

Der Grazer Buchtisch im Einsatz. Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg

Bei dieser Vorrichtung kann der Öffnungswinkel des Buches kleiner als 140 Grad sein, was den Buchrücken und das Material schont. Nach der manuellen Einlage fotografiert eine fixierte Kamera die gewünschten Seiten. Die Bilder im RAW-Format werden dann beispielsweise in das Archivierungsformat TIFF konvertiert.

Archivierungssysteme gewährleisten Verfügbarkeit

Die Digitalisierung von Büchern ist sehr zeitaufwendig. Da möglichst alle Werke digitalisiert werden sollen, wird die Zeit knapp. Immer wieder muss die Entscheidung getroffen werden, welche Inhalte es überhaupt Wert sind archiviert zu werden und vor allem zu welchem Zeitpunkt. Um das „Wie?" kümmern sich derzeit bundesweite Arbeitsgruppen, wie beispielsweise der Kooperationsverbund NESTOR. Dort wird an einem optimalen Archivierungssystem gearbeitet, das eine dauerhafte Verfügbarkeit der Inhalte gewährleisten soll.

Ein solches System, das OAIS -Open Archival Information System-, ist von der Internationalen Organisation für Standardisierung (ISO) als Referenzmodell anerkannt. In diesem Verfahren werden die digitalen Dateien der Buchinhalte gemeinsam mit den Metadaten in einem virtuellen Päckchen gespeichert. Zu den Metadaten gehören Informationen wie der Titel, Verlag, Umfang oder auch Schlagwörter die eine Suche erleichtern. Diese Päckchen werden archiviert und können nach Bedarf angefordert werden.

Auch digitalisierte Informationen sind vergänglich

Aber auch Informationen in digitaler Form sind nicht unbedingt länger „haltbar" als im analogen Zustand. Denn ebenso wie Bücher altern auch Datenträger. Neben den Gebrauch beschleunigen Wärme, Feuchtigkeit und Licht den Alterungsprozess der Materialien. Herstellerangaben über die Haltbarkeit der Speichermedien gelten oft nur, wenn diese kaum genutzt und unter optimalen Bedingungen gelagert werden. Laut einem Artikel der Zeitschrift PC-Magazin bedeutet dies: „bei optischen Medien wie CD, DVD und Blu-ray im Klartext: optimale Temperaturen, kein Licht, keine Kratzer, keine Aufkleber, keine Fingerabdrücke."

Quelle: Eigene Darstellung nach Informationen auf PC-Magazin.de

Ein weiteres Problem stellen Weiterentwicklungen von Datenformaten und Softwareprogrammen dar. Durch den ständigen Medien- und Systemwandel und daraus resultierende unterschiedliche Datenformate ist eine Lesbarkeit langfristig nicht garantiert.

Damit archivierte Informationen auch dauerhaft auslesbar bleiben, müssen Vorkehrungen getroffen werden. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Die Dateien im neuen Format abspeichern oder Softwareumgebungen erstellen, die alte Formate weiterhin verarbeiten können.

Ob nun als Buch, auf einem USB-Stick oder auf einer Festplatte, Informationsverluste können nicht vollständig vermieden werden. Zwar bleibt die Frage ungeklärt, welche Umstände den Papyrusrollen in der Alexandrischen Bibliothek zum Verhängnis wurden. Doch lässt das wachsende Bewusstsein um die Vergänglichkeit der Daten und die fortschreitende Technik darauf hoffen, dass ein solcher Verlust zukünftig ausbleibt.

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Über den Autor

Laura Theiß

CR/PR
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