Individuelle Lernbegleitung

„Mehr als eine Nachhilfelehrerin!“

09.06.2015

Einfach nur Zusatzunterricht? Von wegen! Bei der individuellen Lernförderung der Stadt Stuttgart sind Ehrenamtliche auch eine Art Wegbegleiter für die Jugendlichen. Schwierigkeiten bei der Motivation? Keine Ahnung, was nach der Schule kommt? Mit der Lernbegleitung soll sich das ändern.

Die Lernförderung der Stadt Stuttgart wird an verschiedenen Werkreal- und Berufsschulen ab der achten Klasse angeboten. Das Angebot richtet sich zwar hauptsächlich an Kinder mit ausländischen Wurzeln, aber deutsche Kinder werden nicht ausgeschlossen. Der Unterricht ist umsonst, denn genau darum geht es hier: Nachhilfe ist teuer. Einige Familien können deshalb ihren Kindern eine außerschulische Unterstützung nicht ermöglichen und damit gehen nicht nur die Talente, sondern vor allem auch die Motivation der Schüler flöten.

„Kinder mit Migrationshintergrund sind strukturell benachteiligt"

Um die Kinder aus ausländischen oder sozial schwächeren Familien zu fördern, setzen sich am Anfang des Schuljahrs die Schullehrer zusammen und überlegen, welches Kind in welchem Fach Unterstützung benötigt. Und das ist vor allem an Werkrealschulen wichtig: 2014 ermittelte das statistische Landesamt Baden-Württemberg, dass 36% der Schüler an Werkrealschulen einen Migrationshintergrund haben. Es gibt zwar eine gute Nachricht, denn laut Bundesministerium für Bildung und Forschung holen die jungen Migranten und Migrantinnen bereits bei schulischen Abschlüssen und Noten auf. Aber trotzdem wird immer wieder betont: Die Unterschiede in den Bildungserfolgen sind noch immer enorm und noch immer besteht Handlungsbedarf. Bei Mergime Mahmutaj von der Stuttgarter Stadtabteilung für Integration laufen aktuell die Fäden der individuellen Lernbegleitung zusammen. Sie erklärt, wieso grade Kinder mit Migrationshintergrund solche Hilfestellungen benötigen und was das Besondere an dem Programm ist:

Individuelle Lernbegleitung

Egal, ob mit oder ohne ausländischem Hintergrund, alle Jugendlichen sollen mit der individuellen Lernförderung die gleichen Chancen für ihre Zukunft bekommen.

Die Jugend verstehen

Die Ehrenamtlichen sind bunt gemischt. Unter ihnen gibt es Studenten, Rentner, Hausfrauen oder auch Berufstätige. Eins haben aber alle gemeinsam: „Eine große Affinität zur Jugend", wie Frau Mahmutaj erklärt. Das ist auch wichtig, denn gegenseitiges Verständnis ist für den Lernerfolg entscheidend. Regelmäßig finden Reflexions-Treffen der Lernbegleiter statt. Hier tauschen sich die Ehrenamtlichen über ihre Erfahrungen aus. Außerdem können die Lernbegleiter Themen äußern, zu denen sie sich eine Schulung wünschen. Letztes Jahr zum Beispiel beschäftigten sie sich mit Facebook – was das überhaupt ist und was die Jugendlichen daran so toll finden.

Hier haben sich zwei gefunden. Aleyna und Ingrid Paulsen sind mittlerweile ein eingespieltes Lernteam.

Aus der Sicht einer Lernbegleiterin

Ingrid Paulsen ist eine der circa 50 Lernbegleiter und Lernbegleiterinnen. Ihre beiden Töchter brachten sie vor acht Jahren auf die Idee, ehrenamtlich zu unterrichten. Sie waren sich einig, dass ihre Mutter schon immer super erklären konnte. Ingrid Paulsen war von der Idee begeistert und für sie war klar: „Jawohl, da mach ich jetzt mit!". Ihr ist bewusst, wie teuer Nachhilfe sein kann und dass sich das nicht jede Familie leisten kann. Und wenn die Talente von allen Jugendlichen ausgeschöpft werden, diene das letztendlich auch der Allgemeinheit, so Ingrid Paulsen. Sie unterrichtet die Jugendlichen in Mathematik.

Ehrenamtlich Unterrichten

Strafen und Strenge führen zu besseren Noten? Nicht bei Ingrid Paulsen. Sie erzählt von ihrer ganz eigenen Sichtweise auf Nachhilfe-Unterricht.

Türkisch oder deutsch? Egal, hier geht es um Mathe!

Die Eltern der 16-jährigen Aleyna kommen aus der Türkei. Ob sie sich deutsch oder türkisch fühlt, kann sie gar nicht genau sagen. Und bei der Lernbegleitung spielt das so oder so keine Rolle. Aleynas große Schwäche war schon immer Mathe. Doch dann begleitete sie vor einem Jahr eine Freundin zur Lernförderung bei Ingrid Paulsen und beschloss schließlich, selbst die Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Darüber ist sie auch froh, denn Ingrid Paulsen und Aleyna haben eine ganz besondere Verbindung und die Mathe-Noten sind auch besser geworden.

Individuelle Lernbegleitung - aus der Sicht einer Schülerin

Ingrid Paulsen ist für Aleyna nicht nur eine Nachhilfe-Lehrerin. Die Schülerin erzählt, wie sehr ihr die Lernbegleitung geholfen hat und das nicht nur in Mathe.

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Über den Autor

Lena-Mara Pfaffl

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015