Mehrweg im Trend

„reCIRCLE“ statt Einweg

01.06.2017

Gekauft, verzehrt, beseitigt. Das Essen to go ist zwar schnell und praktisch, dafür jedoch eine extreme Zumutung für die Abfalleimer – und für unsere Umwelt. Doch das soll sich nun ändern: Eine junge Initiative zeigt, wie es auch ohne Styropor, Aluminium, Plastik und Co. gehen kann.

Stabil, dicht und schadstofffrei – die umweltfreundlichen Behälter sind den Einwegverpackungen um einiges voraus. |Foto: Selina Spieß

Um dem Verpackungsmüll den Kampf anzusagen, haben Mitglieder der Stuttgarter Regionalgruppe des Cradle-to-Cradle e.V. zusammen mit dem Greenpeace Arbeitskreis „Meere" das Mehrweg-Projekt ,,reCIRCLE‘‘ entwickelt. Dabei kann der Kunde wählen, ob er sein Essen und Getränk in den kommerziellen Einwegverpackungen oder wahlweise in wiederverwendbaren Boxen und Bechern mitnehmen möchte.

Alternativer Genuss

Die umweltfreundlichen „reBOXEN" und „reBECHER" können hungrige Stuttgarter ab Juni in bislang acht ausgewählten Gastronomiebetrieben testen. Das Pfandgeld von 10 Euro wird bei Rückgabe des Geschirrs unkompliziert erstattet.

,,Unser Ziel ist, die Einwegverpackungen für Take-Away-Gerichte zu verringern und so Umwelt und Ressourcen zu schonen", berichtet Cradle-to-Cradle-Mitglied Diana Bereczky. „Laut der Stuttgarter Zeitung mussten dieses Jahr bereits 7 Millionen Euro für die Entsorgung des Mülls investiert werden." Schaue man samstagmittags auf die Straßen, seien die meisten Abfalleimer in den Fußgängerzonen bereits überfüllt.

In welchen Restaurants Ihr eine „reBOX" oder einen „reBECHER" erhalten könnt, seht Ihr auf dieser Karte. Hier gibt es eine Übersicht aller teilnehmenden Gastronomien. |Quelle: Selina Spieß via Google Maps

„Anfangs haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, unseren Konsum nachhaltiger zu gestalten. Dann sind wir auf einen Verein in der Schweiz aufmerksam geworden, der das Mehrweggeschirr designt und bereits seit 2016 erfolgreich in Gastronomien eingeführt hat." In Kooperation mit dem Schweizer Mutterprojekt soll der Mehrweggedanke nun endlich nach Stuttgart gebracht werden. Der Beginn des Pilotprojekts war schon für Anfang April geplant, aber das stellte sich als nicht so einfach heraus. „Es ist viel Arbeit gewesen, die finanziellen Mittel für den Bezug der Behälter aufzutreiben und die rechtliche Situation für deren Verkauf abzuklären", erzählt die 31-Jährige.

Verpackungsmüll ade – hallo Zukunft!

Die sogenannten „reBOXEN" und „reBECHER" bestehen aus schadstofffreiem Kunststoff und können mindestens 100-mal zum Einsatz kommen, bevor sie zurück in die Schweiz gesendet, geschreddert und wiederaufbereitet werden. Das ist für die meisten Produkte heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Für den gemeinnützigen Cradle-to-Cradle e.V. jedoch ein wichtiger Grundgedanke. Demnach sollen Waren so konzipiert werden, dass sie nach dem Gebrauch wieder zu 100 Prozent einsetzbar sind. „Die meisten Dinge werden dafür designt, dass sie irgendwann weggeschmissen werden. Nach unserem Cradle-to-Cradle-Prinzip müssen Produkte kreislauffähig sein", betont Stefan Holtkämper, ebenfalls Mitglied der Stuttgarter Regionalgruppe.

Den müllfreien Take-Away-Genuss findet man unter anderem bereits bei dem Schnellimbiss Dean and David in der Calwer Passage. „Ich habe das selber mal ausprobieren wollen", berichtet Diana, „aber sie hatten leider schon alle Behälter an ihre Kunden abgegeben. Es scheint also zu funktionieren!"

Nach sechs Monaten wird ausgewertet, wie der alternative Genuss bei den Stuttgartern ankommt. Wenn alles gut läuft, soll das Projekt nahtlos weitergeführt werden. „Es wird schön sein, die Leute unsere Boxen verwenden zu sehen. Ein richtiges Erfolgserlebnis", freut sich Diana Bereczky.

Cradle-to-Cradle e.V.
Die Nachhaltigkeitsinitiative Cradle-to-Cradle e.V. wurde 2012 in Berlin gegründet und umfasst 36 Regionalgruppen mit mehr als 400 Aktiven. Cradle-to-Cradle bedeutet übersetzt „von der Wiege zur Wiege" und steht für ein Konzept, in dem Materialien kontinuierlich in Kreisläufen zirkulieren. Diese sind dabei so konzipiert, dass erst gar kein Müll im herkömmlichen Sinn entstehen kann. Weitere Informationen erhaltet ihr in diesem Video.

Total votes: 44
 

Über den Autor

Selina Spieß

CR/PR
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17