Rap-Künstler Bobby Sayyar

„Wenn der Beat stimmt, ist es egal woher du kommst!“

13.05.2015

Der Stuttgarter Rapper Bobby Sayyar ist als Kind aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Im Interview spricht er über seine Vergangenheit und inwieweit sich diese auf seine Musik auswirkt.

„Ich versuche, in meiner Musik immer so zu sein, wie ich auch bin", sagt der Rapper Bobby Sayyar. Fotoquelle: www.fotonoid.com

Was hat dich dazu bewegt, Rapper zu werden?

Ich kann mich noch daran erinnern, als einer der „großen Jungs" aus meiner Nachbarschaft mir mal ein Ice-T-Tape in die Hand drückte. Das war halt wirklich noch eine Kassette (lacht). Von da an ging es eigentlich ziemlich flott. Ich saugte alles auf, das ansatzweise was mit Rap zu tun hatte und rappte in falschem Englisch die Texte der Amis mit (grinst). Als dann aber die Hamburger Jungs wie Dynamite Deluxe, Absolute Beginner und Co. so um 2001 am Start waren, war ich überrascht wie gut das auch auf Deutsch klappte. Es dauerte dann nicht mehr lange, und ich fing an meine ersten Texte auf Deutsch zu schreiben.

Wie hat sich der deutsche Hip Hop deiner Meinung nach entwickelt oder verändert, seit dem du ihn für dich entdeckt hast?

Ich finde es gut, dass es so facettenreich geworden ist. Es ist wirklich für jeden was dabei und die verschiedenen Acts können auch nebeneinander existieren, ohne sich Konkurrenz zu machen.

Was ist neben der Rap-Musik wichtig für dich?

Ich mag es, Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen. Mit ihnen zu feiern, lachen und die gute Zeit zu nutzen.

Warum mussten deine Familie und du aus dem Iran fliehen? Wie habt ihr es geschafft, sicher in Deutschland anzukommen?

Mein Vater hatte auf seiner damaligen Arbeitsstelle am Flughafen Teherans Probleme mit den religiösen Führern des Landes. Die mischten sich nämlich überall ein, auch in den wirtschaftlichen Betrieben. Mein Vater weigerte sich am vorgeschriebenen muslimischen Freitagsgebet teilzunehmen – einfach aus dem Grund weil wir ja gar keine Moslems sind. In einer Diktatur, wie sie im Iran mittlerweile herrscht, geht so etwas ja gar nicht und kann lebensgefährlich enden. Bevor die Situation eskaliert ist, entschieden meine Eltern sich in einer Nacht und Nebelaktion zu fliehen. Ich war damals 3 Monate alt, also füllten sie einen ganzen Koffer nur mit Pampers für mich (lacht). Ein guter Freund und Arbeitskollege meines Vaters war Deutscher und arbeitete vorübergehend am Teheraner Flughafen. Er bekam Wind von der gefährlichen Situation, in der wir uns befanden und schleuste uns an der Flughafenkontrolle vorbei direkt in einen deutschen Flieger.

Wie war es für dich in Deutschland groß zu werden?

Es war sehr spannend für mich. Wir sind oft umgezogen, und dadurch habe ich die verschiedenen Teile Deutschlands sehen können. Als ich noch zur Grundschule ging, lebten wir zum Beispiel auf dem Land in einem Dorf in Norddeutschland. Das war wie ein riesiges Abenteuerland in der Natur. Daran erinnere ich mich gerne zurück.

Hast du eine enge Verbindung zu deinem Herkunftsland?

Nein, leider nicht so. Klar kenne ich einen Teil der persischen Kultur durch die schöne Sprache, das leckere Essen und einige bedeutende Gedichte, aber im Endeffekt bin ich mit dem Sandmann, Gebrüder Grimm-Märchen und Erich Kästner groß geworden. Wenn ich Heimweh bekomme, sehne ich mich nach Stuttgart und wenn ich träume, dann tu ich das auf Deutsch.

Haben deine iranischen Wurzeln deine Musik geprägt?

(lacht) Vielleicht unbewusst. Die persische Sprache ist sehr blumig. Wenn die zum Beispiel sagen wollen, dass sie etwas vergessen haben, sagen die nicht: „Ich hab’s vergessen", sondern „es hat meine Gedanken nicht erreicht". Wow, schon sehr poetisch, oder? Kann gut sein, dass davon was bei mir hängengeblieben ist.

Bobby Sayyar - Ich tu’s für dich

Bobbys erstes Video von der „KESSEL" EP Quelle: Aus dem YouTube-Kanal von Benzin Musik

Glaubst du, dass der deutsche Hip Hop dabei hilft, verschiedene Kulturen zusammenzuführen?

Ich denke, Musik ist generell ein gutes Werkzeug dafür. Wenn der Beat stimmt, ist es egal woher du kommst. Lasst uns feiern!

Worum geht es in deinen Texten?

Um alles was mich beschäftigt. Liebe, Freundschaft, die Zeit, in der wir leben. Es kann aber auch sein, dass ich einfach rumalbere und über etwas Belangloses schreibe. Ich versuche, in meiner Musik immer so zu sein, wie ich auch bin.

Seit wann bist du in Stuttgart, und was magst du an Stuttgart am liebsten?

Seitdem ich 12 oder 13 bin. Am meisten gefällt mir das gemütliche Flair. Hier ist alles relativ zentral und nicht so verstreut. Es gibt aber trotzdem immer neue versteckte Ecken zu entdecken. Die Architektur begeistert mich auch immer aufs Neue.

Hörst du neben Hip Hop auch andere Musik gerne?

Ja sehr sogar. Ich mag zum Beispiel Indie Musik jeglicher Art. Ich mag den Gedanken, dass man mit wenigen Mitteln etwas Großartiges schaffen möchte.

Wo in Stuttgart gehst du am liebsten feiern?

Das „Freund und Kupferstecher" bietet immer ein sehr cooles Programm. Sonst mag ich die Atmosphäre in den Bars rund um den Hans im Glück Brunnen. Vor allem im Sommer.

Was hast du für die Zukunft geplant? Wann ist dein nächster Auftritt?

Als nächstes kommt hoffentlich meine neuste EP, die ich zusammen mit meinem besten Freund Manny produziert habe. Rund um das Hip Hop Open im Juli wird es einige Partys geben. Auf der einen oder anderen werde ich performen, darauf freue ich mich schon.

Rap-Künstler Bobby Sayyar

Bobby Sayyar im Portrait, bei einem Auftritt in Stuttgart und bei der Arbeit in seinem Musikstudio.

Mehr Infos:

https://www.facebook.com/ellyvaueh. http://www.benzin-musik.de. https://twitter.com/deinjungebobby.

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Über den Autor

Tobias Jansen

Crossmedia Redaktion/PR
Eingeschrieben seit: Wintersemester 14/15