Konsum

„Wir gehören zum Viertel“ - Vom Lebenstraum einer Buchhändlerin

20.12.2016

Doris Siegle führt seit 32 Jahren die Markus-Buchhandlung im Stuttgarter Süden. Digitalisierung und Internet bewirken den Wandel in der Buchbranche, doch Siegles Kunden besuchen bewusst den charmanten Buchladen im Lehenviertel.

Die Markus-Buchhandlung in der Filderstraße 29 im Stuttgarter Süden|Quelle: Anuscha Höhn, Munira Bekit

Doris Siegles Buchhandlung ist ein Ort, den man im Großstadtdschungel selten zu Gesicht bekommt. Beim Eintreten läuten Glocken über der alten Holztür und man befindet sich unmittelbar im Herzen des kleinen Geschäfts. Der typische Geruch von bedrucktem Papier liegt in der Luft und die Dielen knarzen bei jedem Schritt. Siegles Buchhandlung lädt zum Verweilen und Schmökern ein. Nur die Geräusche der Autos, die durch die Altbaufenster dringen, erinnern den Besucher daran, wo er sich befindet.

Der kleine Buchladen im Lehenviertel ist nun schon seit über 30 Jahren in Siegles Besitz und war ein Wunschtraum, den sie sich im Alter von 40 Jahren erfüllte. Wenn Siegle zurückblickt, erinnert sie sich an die anfänglichen Schwierigkeiten und die junge Naivität mit der sie die Buchhandlung übernahm.

Mit zwei Halbzeitkräften führt sie heute erfolgreich die Markus-Buchhandlung und lässt sich nicht von eBooks und Onlineanbietern verunsichern. Die individuelle und ausführliche Beratung, sowie den persönlichen Kontakt, kann das Internet nicht bieten, so Siegle. Dass sie ihr Hobby zum Beruf machte, zeichnet den Laden aus und so sicherte sie sich eine treue Stammkundschaft in der Umgebung. Durch Digitalisierung und Internet hat sich der Buchhandel zwar gewandelt, aber Siegles Kundschaft entscheidet sich bewusst und konsequent für den Besuch im Laden. Manchmal um ein Buch zu kaufen, manchmal um eines zu lesen, manchmal um einen Plausch zu halten und manchmal um zu sehen, ob bei Siegle alles in Ordnung ist. Natürlich kann der kleine Laden nicht mit dem breitgefächerten Angebot großer Buchhandelsketten mithalten, jedoch sind Werke aus jedem Genre vertreten und können innerhalb von 24 Stunden geliefert werden.

Der Einkauf in ihrem Laden steht im Kontrast zur schnelllebigen Abfertigung im Netz. Trotzdem leiden viele Buchhändler unter der Digitalisierung der Buchbranche und müssen um ihre Existenz bangen. Auch Siegle ist in stetigem Kampf mit ihrem Bankkonto – eine Familie ernähren, könnte sie nicht. Aber sie fühlt sich wohl und behütet in ihrem Viertel und würde alles wieder so machen.

Doris Siegle gibt uns einen Einblick in ihr Leben als Buchhändlerin.

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Über die Autoren

Anuscha Höhn

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016

Munira Bekit

Crossmedia - Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016