Soziale Arbeit in Stuttgart

„Wir sind für die Jugendlichen da!“

24.01.2017

Seit 30 Jahren kümmern sich Sozialarbeiter in Stuttgart um Jugendliche, die in ihrem Alltag mit Problemen zu kämpfen haben, die sie alleine nicht lösen können. Die Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit ist Ansprechpartner, wenn die jungen Erwachsenen nicht mehr weiter wissen.

Sozialarbeiter Tobias Maucher bei seiner täglichen Arbeit auf der Straße.|Bild: Luiza Samarova

Donnerstag 14:55, die Sonne wirft ihre letzten Strahlen auf das blassrosane Gebäude im Stuttgarter Westen. Wenige Sekunden nach dem Klingeln am Haupttor, wird man mit offenen Armen und einem herzlichen Lächeln von den Mitarbeitern, Jenny Jarling und Tobias, empfangen.

Der große, gemütliche Aufenthaltsraum im zweiten Stock des Gebäudes, bietet viel Platz für Entspannung, Gruppentreffen und Kreativität. Das zeigt sich schon bei der Gestaltung des Raumes. An der Wand hängt ein Boxsack, an dem sich die Jugendlichen abreagieren oder einfach trainieren können. Bei Problemen aller Art finden die Jugendlichen immer ein offenes Ohr bei den Sozialarbeitern. „Die Jugendlichen dürfen jederzeit ins Büro kommen, wenn sie einfach mal über etwas reden möchten", erzählt Tobias.

Der Sozialarbeiter engagiert sich schon seit rund zehn Jahren bei der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart. Er ist einer von fünf hauptamtlichen Sozialarbeitern, die alle teilweise mobil auf den Straßen, gleichzeitig aber auch an Schulen tätig sind. Auch Projektmitarbeiter und reine Schulsozialarbeiter sind Teil des Teams.

Wie kommen die Jugendlichen in die Einrichtung?

„Ich bin da, wo die sind – auf der Straße, im Park, an der U-Bahnhaltestelle oder sogar in Kneipen", erzählt Tobias. Durch die Arbeit auf der Straße, das „Streetworking", finden Tobias und sein Team den Kontakt zu den Jugendlichen, die in Stuttgart Unterstützung benötigen. Seine heutige Tour durch die Straßen führt ihn zu einem Park, in dem er bekannte Gesichter trifft: Eine Gruppe von sechs Jungs im Alter von 22 bis 26 Jahren. Einer der jungen Erwachsenen erzählt wie er, dank der Hilfe von Tobias, eine Arbeitsstelle bekommen hat. Nach einem kurzen Gespräch geht die Tour weiter und führt den Streetworker zu zwei jungen Mädchen, die sich unterhalten. Eine von ihnen kennt er bereits. Sie hat schon vor einer Weile den Kontakt zu der Mobilen Jugendhilfe gesucht: „Eine Kollegin von Tobias hilft mir bei meinen Bewerbungen.", erzählt sie.

Arbeit auf verschiedenen Ebenen

Tobias Maucher erklärt wie die Beziehungsarbeit zwischen den Streetworkern und den Jugendlichen aufgebaut wird.

Die Mobile Jugendarbeit besteht aus vier Bausteinen. Zum einen gibt es das Streetworking. Die Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit kümmern sich um die Probleme, mit denen sich die Jugendlichen beschäftigen. „Wir bieten Einzelfallhilfe, wenn die Jugendlichen ins Büro kommen und ihre Sorgen teilen oder wenn sie einfach Unterstützung brauchen. Wie zum Beispiel bei der Arbeitssuche, Wohnungssuche, familiären Schwierigkeiten oder Ärger im Freundeskreis. Wir helfen und unterstützen direkt oder begleiten und vermitteln die jungen Menschen zu anderen Fachdiensten, Beratungsstellen oder auch zu Ämtern, Ärzten und Rechtsanwälten", erklärt Tobias.

Ein weiterer Baustein ist die Gemeinwesenarbeit. Das bedeutet, dass die Sozialarbeiter den Jugendlichen eine Stimme geben und ihre Interessen in verschiedenen Gremien vertreten und Netzwerkarbeit im Sozialraum, aber auch stadtteilübergreifend machen. Sie versuchen aber auch bei Spannungen im Stadtteil zu intervenieren. Wenn sich zum Beispiel Einwohner beschweren, dass die Jugendlichen immer Müll hinterlassen, suchen sie nach Lösungen und versuchen zwischen den verschiedenen Interessensgruppen zu vermitteln und zu schlichten.

Ein ganz anderer Aspekt wiederum ist die Gruppenarbeit, erklärt Tobias. „In der Clubarbeit geht es darum, bestehenden Gruppen das Angebot zu machen, dass sie sich bei uns treffen können. Wichtig ist hierbei die langfristige Arbeit mit den Jugendlichen. Aber auch, dass die Jugendlichen für das verantwortlich sind, was läuft. Das Programm wird von ihnen selbst gestaltet."

Inzwischen ist es dunkel geworden. Tobias Maucher zieht seine Mütze an und geht zum Auto. Um 17 Uhr wartet sein Club auf ihn: „Brain Bros" in Stuttgart Botnang - eine Clique von sechs Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren trifft sich hier wöchentlich. Mit einer Kiste voller Zutaten für Waffeln und einem Karton voller Geschenke, läuft er zu dem verabredeten Treffpunkt. Sie begrüßen sich mit ihrem persönlichen Handschlag und einer Umarmung. Die Atmosphäre ist sehr vertraut, fast schon familiär. „Tobias ist für mich wie ein Freund aber ich lerne viel von ihm. So wie bei einem Lehrer, bloß mit Spaß", erzählt ein zwölfjähriges Clubmitglied.

Die Gesichter der Jungs strahlen vor Freude, als sie die Kiste mit den Geschenken entdecken. Sie bereiten zusammen die Waffeln zu, unterhalten sich, spielen Spiele. Für Tobias ein angenehmer Ausklang eines anstrengenden Tages.

Ein Einblick in einen Tag der Mitarbeiter bei „Mobile Jugendarbeit" in Stuttgart West/Botnang.

Vier Bilder rund um die Mobile Jugendarbeit.|Bilder: Luiza Samarova

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Über den Autor

Luiza Samarova

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016