Fasten an Ramadan

18 Stunden und 51 Minuten

08.07.2015

Den ganzen Tag nichts essen und vor allem nichts trinken. Den Fastenmonat Ramadan begehen die Muslime einmal im Jahr. Auch hier in Deutschland wird der Ramadan gefeiert, wenn auch etwas anders als in den arabischen Ländern.

Einmal im Jahr, im Monat Ramadan, fasten die Muslime weltweit. Während dieser Fastenzeit dürfen die Moslems von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken: Am Donnerstag, den 19. Juni, waren das 18 Stunden und 51 Minuten. Auch Rauchen und Geschlechtsverkehr sind in dieser Zeit untersagt. Jedes Jahr findet der Fastenmonat zu einem anderen Zeitpunkt statt, da er sich nach dem islamischen Mondkalender richtet, welcher nur 354 Tage im Jahr hat. In diesem Jahr begann der Ramadan so am 18. Juni und endet mit dem Fastenbrechfest am 17. bis 19. Juli. Wenn die Sonne an Ramadan untergegangen und das Abendgebet „maghrib" gesprochen ist, dürfen die Muslime auf der ganzen Welt Fastenbrechen. Das bedeutet, sie dürfen ganz normal essen und trinken. Wobei ganz normal so nicht stimmt. Denn beim Fastenbrechen gibt es alle möglichen Leckereien und spezielle Speisen. Allen voran: Die Datteln, die traditionell am Anfang des Fastenbrechens verzehrt werden.

Nur der Religion zu Liebe fasten? Von wegen!

„Und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt! Hierauf haltet das Fasten durch bis zur Nacht!" (Sure 2, Vers 187, Koran). Diese Sure ist Gebot für alle gläubigen Muslime, die aus rein religiösen Gründen fasten. Für sie ist der Ramadan die Zeit, in der Gott zu den Menschen spricht. Man sagt sich nämlich, dass im Monat Ramadan, der Koran dem Propheten Mohammed offenbart und den Menschen herab gesandt wurde. Das Fasten gehört deshalb mit dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der Pilgerfahrt nach Mekka und der Almosengabe zu den fünf Säulen des Islams. Auch Ahmed Adouma fastet. Er ist Muslim, kommt aus dem Sudan und ist seit 6 Jahren hier in Deutschland. Er erzählt, dass er nicht nur aus religiösen Gründen fastet. Für ihn sei es einfach selbstverständlich, er könne überhaupt nicht anders. Schließlich macht er das schon seit 31 Jahren. Das Fasten ist ein Bestandteil seiner Kultur, seiner Tradition. Außerdem soll der Ramadan einem das Bewusstsein für Armut und Hunger auf der Welt zurück geben. Muslime in aller Welt helfen an Ramadan mit Essens- oder Geldspenden. Im Ramadan ist auch das Gefühl der Gemeinschaft besonders intensiv. Das ist insbesondere der Fall, wenn man am Abend gemeinsam das Fasten bricht.

Am Tisch statt auf der Straße

Hier in Deutschland wird der Ramadan auch ein bisschen anders gefeiert als in arabischen Ländern, wie zum Beispiel dem Sudan, aus dem Ahmed Adouma kommt. Er erzählt, dass dort die Familien mit dem Essen auf die Straße gehen und gemeinsam feiern. Jeder der vorbei kommt, ist eingeladen mit zu essen. Um dieses Gemeinschaftsgefühl auch hier in Deutschland zu haben, feiern die Muslime den Ramadan gemeinsam mit Familie und Freunden am gedeckten Tisch. So auch Ahmed Adouma. Sein Freund Zakaria mit seiner Frau Doris, dem 16-jährigen Sohn Debby und seinem Neffen Lukas kommen heute zum Fastenbrechen vorbei.

18 Stunden und 51 Minuten

Fasten muss nicht immer Glaubenssache sein. Und nicht jeder Muslim ist automatisch ein Türke. Ahmed Adouma kommt aus dem Sudan und erzählt, warum er den Ramadan feiert.

Fasten – ist das denn gesund?

Gemeinschaft, Kultur oder Religion, was es auch sei, bei Ernährungswissenschaftlern ist der Ramadan ein umstrittenes Thema, denn aus rein ernährungsphysiologischer Sicht ist das Fasten nicht „ideal". Der von uns befragte Ernährungswissenschaftler (Name liegt der Redaktion vor) erklärt: „Gerade im Sommer mit hohen Temperaturen, ist es für den Körper wichtig regelmäßig Flüssigkeit zu sich zu nehmen und den Körper mit Nährstoffen zu versorgen." Darüber sind sich zwar viele Muslime bewusst, dennoch fasten sie. Es gibt allerdings einige Tipps von der ernährungswissenschaftlichen Seite, wie man den Ramadan möglichst gesund verbringen kann. So sollte man zum Beispiel beim Fastenbrechen am Abend, eher leichte Mahlzeiten zu sich nehmen. Man sollte nicht mit „Schweinshaxe, Sauerkraut und Kartoffelpüree anfangen, sondern mit Suppen beginnen, die dann immer fester werden, bevor man dann wieder normal isst", so der Ernährungsexperte.

Hier ist man frei – in anderen Ländern nicht

Für Kinder, Schwangere und kranke Menschen wie etwa Diabetiker bringt das Fasten trotzdem echte Risiken mit sich. Hier sind, laut Ernährungswissenschaftler, regelmäßige Mahlzeiten unerlässlich. Eigentlich sind diese Menschen laut Koran vom Fasten befreit, in Deutschland ist das auch kein Problem. In streng gläubigen Ländern sorgt der öffentliche Druck jedoch dafür, dass besonders Schwangere trotzdem mitfasten. Manchmal sorgen auch Gesetze für eine Fastenpflicht. In Saudi-Arabien geht das so weit, dass zum Beispiel Nicht-Muslime bestraft werden, wenn sie in der Fastenzeit in der Öffentlichkeit essen oder trinken. In Marokko gab es vor zwei Jahren aus diesem Grund sogar Verhaftungen.

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Corinne Schwager

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