Veganer Tropfen

Alte Reben, neuer Wein

13.11.2014

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – und veganer Wein. Hermann Schmalzried, der erste Öko-Winzer Baden-Württembergs, ging diesen Weg. Und er geht ihn noch immer. Der Familienbetrieb im württembergischen Korb setzt auf ökologisch-dynamischen Weinbau. Und auf Salzkuchen mit neuem Wein.

„Was welled er drenge? E Milch, en Saft – derf mer Alkohol scho obiete?"

Ein Herr in voller Winzermontur, ein freundlich schnüffelnder Hund, ein sonniger Herbsttag – Idylle pur: Wir sind beim Weingut Schmalzried angekommen.

Besagter Winzer ist der Gründer, Hermann Schmalzried. Mit seinem grünen Arbeitskittel, dem grau melierten, leicht zerzausten, Haar und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, ist er ein richtiger Naturbursche. Er begrüßt uns, und zwar sehr herzlich. Auf dem Trockenen will er uns nicht sitzen lassen: ein Winzer durch und durch. Einige Minuten später stehen zwei Gläser voll neuem Wein vor uns.

Wir haben einen Termin mit Helen, seiner Tochter. Sie erzählt uns, was hinter dem Begriff „ökologisch-dynamisch" steckt.

100 Jahre Weingeschichte

1911 wurde das familienbetriebene Weingut gegründet – und besteht heute in der dritten Generation. Anfang der Siebzigerjahre übernimmt Hermann Schmalzried kleine Flächen von seinem Vater und vergrößert diese. Das geschieht, nachdem er seine Ausbildung zum Weinbautechniker in Weinsberg abschließt. „Der jüngste aller Zeiten, mit 18 Jahren!", erzählt er.

Zunächst wird das Gut konventionell bewirtschaftet: mit Herbizid- und Pestizideinsatz. Doch unter dem Einsatz dieser Chemikalien leidet die Gesundheit. Hermann Schmalzried wird mit einer Spritzmittelvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert – so kann es nicht weitergehen. Dem Traditionsbetrieb droht das Ende; eine Alternative muss her, Pionierarbeit muss geleistet werden: Zu dieser Zeit wird „bio" noch belächelt. 1975 trotzt der Weinbauer den Konventionen und den schrägen Blicken seiner Kollegen und stellt auf kontrolliert-ökologischen Anbau um. Er wird zum Mitgründer des EcoVin-Verbands.

„Die Umstellung war für meinen Vater und seine Weinberge der richtige Weg", sagt Helen Schmalzried.

Diesen Weg geht auch Sohn Benedikt: Mit seiner jungen Linie führt er seit 2011 ein Weingut im Weingut.

Ökologisch-dynamischer Anbau: Nützlinge statt Schädlinge

Es geht nicht nur um die Rebe, sondern auch um den Boden. Die Rebe zieht sich das Wasser und die Nährstoffe aus dem Boden. Ist dieser völlig verdichtet, fällt es der Rebe schwer, sich daraus zu ernähren. Um einer Bodenverdichtung entgegenzuwirken, werden die genutzten Flächen regelmäßig begrünt. Unter den Reben wachsen hier Brennnesseln und wilder Rosmarin, Unkraut gibt es nicht. Ähnlich geht man mit Schädlingen um: Es gibt genügend Nützlinge, die Schädlinge im Schach halten.

Helen Schmalzried will protektiv für die Pflanzen arbeiten und tut das auch: „Für die Rebe soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem diese sich selbstständig vor Krankheiten schützen und entwickeln kann."

Bis zu 60 Jahre alte Trollinger-Reben wachsen in den Weinbergen der Familie. Das soll auch noch lange so bleiben: Beim Rebschnitt werden zu lange Triebe gestutzt; die Schnittstellen werden beispielsweise mit Baldrian behandelt. So soll der Pflanze ein beruhigendes Signal übermittelt werden.

Während die Tochter erzählt, kommt die Dame des Hauses aus der Stube und stellt sich vor – mit zwei Tellern in der Hand:

„Hallo, gude Tag! Anordnung vom Chef: Jeder kriegt ’n Stück Salzkuchen."

Geben und Nehmen

2010 stellt Hermann Schmalzried erneut um: vom kontrolliert-ökologischen zum biologisch-dynamischen Weinbau, und das mit demeter-Zertifizierung. Es geht darum, sich mit der Natur auseinanderzusetzen und bewusst auf sie einzugehen: „Alles ist ein Kreislauf; der Kosmos, der Mensch, das Tier, der Boden – alles ist voneinander abhängig und jeder sorgt für den anderen. Dem Boden wird etwas genommen, also wird eine Ausgleichsfläche geschaffen, in der der Natur freien Lauf gelassen wird", erklärt uns Helen. Im Jungfeld Merlot ist das besonders gut zu beobachten: Unzählige Blumen wachsen hier zwischen den Reben, Insekten und Kleintiere finden ein Zuhause – ein Geben und Nehmen.

Nach diesem Prinzip hält der Betrieb auch Hühner. Diese stammen aus Legebatterien und werden bewusst auf dem Hof gehalten.

Veganer Vino

Der Wein wird in natürlicher Sedimentation hergestellt – ohne Zugabe von Gelatine. So entsteht veganer Wein. Wird auf die Gelatine verzichtet, dauert der Sedimentationsvorgang länger, dafür ist das Endprodukt aromatischer. Und nicht nur das kommt dem Aroma zugute: Die alten Reben, kühl gepresst, sorgen für Geschmack.

Außerdem müssen sowohl Inhalt als auch Verpackung stimmen. Das Etikett auf der Flasche und der Leim sind frei von tierischen Nebenprodukten. Den veganen Lebensstil vertritt auch das Restaurant Coox & Candy, welches unter anderem vom Weingut Schmalzried beliefert wird.

„Auf Wein-Messen ist ein steigendes Interesse an veganem Wein zu verzeichnen", erzählt uns Helen Schmalzried, „der Mensch merkt, dass er Gutes zurückbekommt, wenn er seinem Körper Gutes gibt."

In diesem Sinne:

„Aber zum Middagesse bleibet er no?"

Das Weingut Schmalzried in Zahlen

Das Öko-Weingut Schmalzried stellt sich vor

„Ein virtueller Rundgang durch das Weingut Schmalzried"

Das vegane Restaurant Coox & Candy in Stuttgart, Bad-Cannstatt

Im Coox & Candy wird der Wein der Schmalzrieds ausgeschenkt und verkauft. Uta Späth erzählt von ihrem Betrieb und vom „Trend" vegan zu sein.

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Über die Autoren

Patricia Schaller

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SoSe 2014

Cassandra Schneider

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
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