Ein „Zweitsinn“ für Sperrmüll

Alten Möbeln wird neues Leben eingehaucht

08.01.2015

Ob modern oder im Vintage-Look: Das Recycling von Möbeln schont nicht nur die Umwelt, sondern kann auch sehr stylisch sein. Dabei ist es durchaus zulässig, einem Möbelstück eine komplett neue Bestimmung zu geben. Welche Teile sich zum Recyceln eignen und wie genau der Shabby-Look umgesetzt wird, seht ihr im folgenden Beitrag.

Wir Deutschen entsorgen pro Jahr rund sieben Millionen Tonnen Möbel. Davon sind in der Regel 10% unbeschädigt und können noch weiterverwendet werden. Dass Trends, bei denen altes Mobiliar recycelt wird, da nicht lange auf sich warten lassen, war absehbar. Mit deren Hilfe kann man den ansteigenden Müllbergen auf eine angesagte Art und Weise entgegenwirken. Eine Plattform für genau solche Recyclingmöbel aus Designerhand bietet die Initiative „Zweitsinn". Neben modernen und ausgefallenen Designs umfasst das Angebot auch Vintage- und Retromöbel. Insgesamt 20 Künstler stellen hier ihre recycelten Schmuckstücke zum Kauf zur Verfügung. Lutz Hannebor ist einer von ihnen. Er hat mit uns über seine Arbeit im „Werkhof Hagen" gesprochen.

Ressourcen schonen und Designs schaffen

In Hagen entstand 1998 das Sozialkaufhaus „Möbel und Mehr", das unter der Anleitung Hannebors von Sozialhilfeempfängern und Langzeitarbeitslosen betrieben wird. Die Aufbereitung alter Möbel in der hauseigenen Schreinerei bestand anfangs nur darin, alte Schränke mit Airbrush zu verschönern. Mit steigender Kreativität entwickelten sich über Jahre hinweg viele neue Ideen, die mittlerweile auf 4.500 Quadratmeter Verkaufsfläche zu finden sind. Zu bestaunen ist nicht nur Aufbereitetes, sondern auch Exponate, die zu neuen Möbelstücken umfunktioniert wurden. Nicht selten handelt es sich hierbei um Unikate. „Aus einer Waschmaschinentrommel haben wir zum Beispiel schon einmal einen Tisch gebaut", erklärt Hannebor. Eine weitere Besonderheit sind die Tische, Regale und Bänke, die aus Europaletten entstehen und nur mit umweltschonenden Lacken behandelt werden. Auch für ausgediente Babybetten findet der Designer einen neuen Sinn in kleineren Möbelstücken. Seine Altmaterialien bezieht Hannebor hauptsächlich aus Haushaltsauflösungen und Spenden von Privatpersonen. Der umweltschonende Umgang mit Holz liegt ihm besonders am Herzen. Altes kann wiederverwendet und Neues muss für die Produktion nicht gerodet werden. Für seine nachhaltige Arbeit erhielten Hannebor und sein Team im Februar 2012 schließlich den „Recycling Designpreis".

Shabby Chic

Neben dem Recyceln von Möbelstücken, bei dem die Teile nach der Bearbeitung makellos und meistens wieder zeitgemäß erscheinen, gibt es einen weiteren Trend: Der Shabby Chic Stil. Shabby Chic bedeutet aus dem Englischen übersetzt „schäbiger Schick". Aber wie kann ein Einrichtungsstil „schäbig" und gleichzeitig „schick" aussehen? Katja Starijacki erklärt im Video, wie genau die Möbelrestaurierung im Shabby-Look erfolgt und welche Tipps man beachten muss, damit das Wohnaccessoire nach der Aufbereitung im Vintage-Look erstrahlt. Zentraler Punkt des Designs sind nämlich die Gebrauchsspuren, die gezielt angebracht werden. Möbeln aus Großmutters Zeiten neues Leben einzuhauchen, ist großer Bestandteil des Designs. Katja Starijacki will der Wegwerfkultur entgegenwirken und den antiken Charme erhalten. Recycling hat also nicht immer etwas mit Müllverwertung zu tun. Manchmal sind es auch einfach nur die Dinge aus der Vergangenheit, die bewahrt und modernisiert werden sollten. Probiert es doch selbst einmal aus!

Alten Möbeln wird neues Leben eingehaucht

Fotos: Julia Winning und Lisa Grosch. Wir begleiten einen Tisch auf Reisen von der verstaubten Garage bis hin zum Schmuckstück im Shabby Chic Stil. Katja Starijacki erzählt uns in der Audio-Slideshow die Tipps und Tricks des Vintage-Looks.

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Über die Autoren

Julia Winning

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2014

Lisa Grosch

Crossmedia-redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: SoSe 2014