Konsum

Amazon – Hat Komfort seinen Preis?

21.11.2016

Für einen vollen Kühlschrank muss man nicht mehr zwingend in den Supermarkt um die Ecke gehen; ein Wocheneinkauf lässt sich inzwischen bequem via Amazon Prime Now direkt nach Hause bestellen. Doch alles hat seinen Preis. Drei Perspektiven sollen Licht in die Welt von Amazon und Co bringen.

Immer mehr Kunden nutzen den Service von Amazon Prime Now und lassen sich ihre Bestellung innerhalb weniger Stunden nachhause liefern. | Quelle: Marie Gonther

4.30 Uhr, Fridolinas Wecker klingelt, die Frühschicht bei Amazon steht an; dort ist sie über die Weihnachtszeit als Pickerin angestellt. Ihre Arbeit besteht darin, eine bestimmte Ware im Lager zu suchen, das Produkt einzuscannen und abschließend zu einer Sammelstation zu bringen. Alltag im Logistikzentrum.

Doch Amazon beschränkt sich mittlerweile nicht mehr nur auf den Verkauf über die Onlineplattform. In München wurde im August ein anderes Projekt des Konzerns gelaunched. Amazon Prime Now ist eine Versandart, die es dem Kunden ermöglicht, aus einem großen Produktkontingent auszuwählen und sich die Ware innerhalb von zwei Stunden kostenlos nach Hause liefern zu lassen. Stephan Eichenseher, Pressesprecher von Amazon Deutschland, zieht erste Bilanzen zum neuen Konzept:

„Es kommt gut bei den Kunden an. Wir versuchen in der Innenstadt hauptsächlich E-Bikes für die Auslieferung zu verwenden. Verkaufsschlager ist übrigens Toilettenpapier."

Bezüglich des Transports wirft er auch ein, dass natürlich Lieferwagen eingesetzt werden müssen, sobald die Strecken für E-Bikes zu groß werden. Jedoch werde momentan mit neuen Fahrzeugen experimentiert, damit ein umweltfreundlicherer Versand gewährleistet werden könne. Dazu wie viele Bestellungen am Tag eingehen und ob sich das Konzept in München überhaupt rentiert, wollte sich Eichenseher nicht äußern.

Was genau ist Amazon Prime Now? | Quelle: Marie Gonther via Piktochart

Auch Ver.di Sprecherin Melanie Rechkemmer sagt, dass Prime Now ein cleveres Konzept sei und außerdem ein Sicherungsgarant für die Arbeitsplätze in den Logistikzentren. Doch gerade in Punkto Logistikzentrum wird das Thema Amazon kritisch. Immer wieder ist der Konzern aufgrund der Streiks in den Schlagzeilen. Doch worum geht es dabei eigentlich genau?

Die Streikthematik im Visier

Generell wünschen sich die Mitarbeiter einen höheren Stundenlohn und damit einhergehende Tarifverträge. Laut Eichenseher sind allerdings grundsätzlich 80 Prozent der Verträge unbefristet. Er wirft auch ein, dass Verträge bei einer Neueinstellung immer befristet seien, insbesondere bei einem saisonalen Vertrag sei dies normal. Rechkemmer, die sich auf den Standort in Pforzheim bezieht, hat etwas andere Zahlen. Laut ihrem Kenntnisstand habe sich Amazon dort zu einer unbefristeten Beschäftigungsquote von 60 Prozent selbst verpflichtet. Diese Quote werde „peinlichst genau" eingehalten. Bezüglich der Löhne sagt Rechkemmer, dass diese sich tatsächlich in den letzten Jahren entwickelt hätten, jedoch leider immer noch nicht in die Richtung der Brachentarifverträge.

„Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass die Lohnerhöhungen bei Amazon eine unmittelbare Auswirkung auf unsere Streikbewegung sind. Ob, oder inwieweit sich die Firma auch ohne Streiks selbstverpflichtet hätte, die Löhne weiterzuentwickeln, bleibt dahingestellt", so Rechkemmer. Auf die Frage hin, weshalb sich der Anteil der streikenden Mitarbeiter zumindest verhältnismäßig gering hält, sagt sie:

„Der Arbeitgeber weiß ein attraktives Bonus-Päckchen für die Beschäftigten zu schnüren, das diese davon überzeugt, lieber arbeiten statt streiken zu gehen."

In dem Gespräch mit Stephan Eichenseher wird allerdings auch deutlich, warum Fridolina zumindest grundsätzlich gerne bei Amazon gearbeitet hat. Das Career Choice Programm ist beispielsweise ein Projekt, bei dem Amazon 95 Prozent der Kosten trägt, um ihren Mitarbeitern eine Ausbildung zu finanzieren. Dabei ist es egal, ob die Berufswahl einen Bezug zur Logistik hat, oder zu einem anderen, für Amazon weniger relevanten Bereich.

Auch Ver.di Sprecherin Rechkemmer hält das Career Choice Programm für gut angedacht. Generell ist sie der Ansicht, dass man bei Amazon auf einiges stolz sein kann und dass Sie bei ihrer Arbeit mit aktiven Amazon-Mitarbeitern hauptsächlich Menschen begegnet, die sagen, dass sie trotz der negativen Aspekte grundsätzlich gerne dort arbeiten. Sie fügt außerdem hinzu, dass Gewerkschaften Betriebe natürlich nicht nur in schwarz und weiß sehen, auch wenn einige das möglicherweise gerne hätten.

Als Fridolina nach ihrem letzten Arbeitstag das Gelände verlässt, ist sie zufrieden. Auch wenn nicht immer alles perfekt lief, hatte sie trotzdem das Gefühl, dass ihre Probleme ernst genommen wurden.

Allgemeine Daten zum Konzern Amazon | Quelle: Marie Gonther via Piktochart

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Über den Autor

Marie Gonther

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016