Arbeiten früher

Analoge Welt – die Büros der Vergangenheit

06.12.2016

Nicht nur in der Mode, Musik und Kultur unterscheiden sich die 70er und 80er Jahre von heute. Auch in Bezug auf die Arbeitswelt und die Kommunikation hat sich seither einiges getan.

SONY DSCHistorischer Arbeitsplatz | Quelle: Jörg Müller

Eine kleine Reise in die Vergangenheit

Der Geruch von Zedern und Zigarettenrauch liegt in der Luft. Die Sekretärin klackert auf ihrer Schreibmaschine. Auf den Tischen ist neben einem einfachen Schnurtelefon, einer Lampe und einfachen Büroutensilien nicht viel zu finden. Es gibt keine Computer oder Smartphones, welche an den nächsten Termin erinnern. Man kann nicht mal eben schnell was aus dem Drucker rauslassen. Schon gar nicht zwei oder drei Mal, weil es beim ersten Versuch nicht so richtig klappen wollte. Und auch von sogenannten „Bürokonzepten" für die Motivation hat noch nie jemand gehört. „Das Wichtigste war eigentlich die Zweckmäßigkeit. Es gab bestimmt auch mal einen Chef, der schöne Möbel hatte, aber primär sollten sie praktisch sein", berichtet uns Jörg Müller, Leiter des Museums für historische Bürotechnik in Naunhof. Seine Ausstellung ermöglicht eine kleine Zeitreise zurück in die Vergangenheit und Geschichte der Büro- und Kommunikationsgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Historische Bürotechnik

Ausstellungsstücke aus dem Museum für historische Bürotechnik in Naunhof

Müller selbst ist in der EDV groß geworden und kam somit schon mit den verschiedensten Arten von Technik in Berührung. Eines seiner faszinierendsten Ausstellungsstücke ist der Fernschreiber. Dieses Gerät ermöglichte die telegrafische Übermittlung von Texten mithilfe eines Lochstreifens. Heutzutage wäre dies zum Beispiel vergleichbar mit dem Verschicken eines Faxes oder einer E-Mail.

Textübermittlung über Fernschreiber

Die etwas anderen Kommunikationswege

Alternativ zum Fernschreiber gab es auch noch andere Wege, um sich zu verständigen. So konnte man natürlich ganz altmodisch eine Nachricht per Hand auf ein Papier schreiben. Oder man ließ einfach die Sekretärin einen Brief per Schreibmaschine aufsetzen. Wenn es jedoch schnell gehen musste, griff man einfach zum Telefon. Das gab es auch schon damals, erzählt Gottfried Ohnmacht-Neugebauer. Er ist seit 30 Jahren an der Hochschule der Medien tätig und damit einer der alteingesessensten Mitarbeiter.

Ohnmacht-Neugebauer erzählt von Berufsanfängen

Herausforderungen des Büroalltags

Viele Dinge, die uns heutzutage also alltäglich erscheinen, entpuppten sich in den 70er und 80er Jahren noch als echte Herausforderung. Davon blieb auch das Drucken nicht verschont. Während wir heutzutage unser Dokument mit ein paar Klicks an das Gerät schicken, um unsere 30 Seiten Hausarbeit zu drucken, erforderte dieser Prozess in der Vergangenheit um einiges mehr Planung und Vorarbeit. Je nach Menge der Abzüge konnte man den Druck selbst oder von einer Druckerei anfertigen lassen. „Der Druck in einer Druckerei ist aber immer dann teuer gekommen, wenn man nur sehr wenig Abzüge brauchte", erzählt uns Rosemarie Kutz, welche zusammen mit ihrem Sohn Martin Kutz das Museum für Kommunikationstechnik- und Geschichte in Bamberg betreibt. Was also, wenn der professionelle Druck nicht in den Budgetplan passte? Dann führte man den Druck eben selbst von Hand im Büro durch. Dies gestaltete sich natürlich um einiges komplizierter und langwieriger als heute.

Altmodisches Druckverfahren

Der radikale Umschwung durch die Digitalisierung

Als Ende der 80er Jahre die ersten Rechenmaschinen auf dem Markt kamen, bekamen viele Menschen den Wandel vom Analogen ins Digitale hautnah zu spüren. Eine davon ist Gabriele Schiefer. Auch ihr Arbeitsalltag war grundverschieden. Sie studierte Informatik, als es noch Lochkarten, Großrechner und keine PCs gab und schrieb ihre Diplomarbeit bei BMW. Dann stieg sie dort ins Geschäft ein.

Arbeitsalltag bei BMW

Die Digitalisierung hat vieles in unserer heutigen Arbeitswelt erleichtert und verändert. Da ist zum Beispiel die schwindende Bedeutung von Routinetätigkeiten, welche durch elektronische Vorlagen erleichtert werden. Parallel steigt die Menge an gespeicherten Daten. Im Laufe der Digitalisierung gab es vor allem in Bezug auf die Datenspeicherung kontinuierlich Erneuerungen.

Gute Bewertungen auf Google
Das Heinz Nixdorf MuseumsForum ist das größte Computermuseum und steht in Paderborn. Dort gibt es Stücke von der Speicherweise Steinplatte bis zum Streaming-Server.

Die stetigen Veränderungen sieht Martin Kutz aus Bamberg sowohl positiv als auch negativ entgegen: „Zum einen gibt es natürlich den Vorteil, dass die Büroarbeit erleichtert wird. Auf der anderen Seite ist da diese Informationsflut. Man hat ständig Programmänderungen und durch diese werden die Menschen immer mehr belastet. Kein Programm ist so, dass es praktisch ständig läuft, sondern dass es laufenden Veränderungen und Entwicklungen ausgesetzt ist. Und ob die Menschheit das im Laufe der Zeit durchhält, weiß ich nicht". Trotz allem schenkt die Digitalisierung aber auch Raum für Veränderung – Raum, dass sich jeder mehr auf das Kreieren von Gegenständen konzentrieren kann. Sei es vor und nach der Arbeit. So schreibt man vielleicht sein eigenes E-Book. Oder sei es in der Arbeit: Da rechnen sich die Rechnungen selbst und man selbst kreiert neue Apps.

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Über die Autoren

Anamiga Muth

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2014

Vanessa Schiefer

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2012