Verdeckte Ermittler

Arbeit an den Grenzen der Legalität

01.06.2016

In Filmen wie „Departed – Unter Feinden“ oder „Donnie Brasco“ werden Verdeckte Ermittler als regelrechte Superbullen im Mafiabereich dargestellt. An Action und Gefahr fehlt es hier nie. Doch wie sieht die Realität für Verdeckte Ermittler in Deutschland aus?

Sie arbeiten unter uns, doch bleiben unerkannt |Foto: Lisa-Marie Casselmann

Die Polizei ist einer Drogenbande auf der Spur, doch kann die Täter nicht fassen. Als späte, aber effektive Maßnahme folgt der Einsatz eines Verdeckten Ermittlers. Dem eigentlichen Polizeibeamten wird eine auf Dauer angelegte, veränderte Identität verliehen, unter der er ermittelt.

Im Film „Donnie Brasco" kann der Verdeckte Ermittler zwischen seinen zwei Identitäten nicht mehr unterscheiden. Solche Szenen lassen ein falsches Bild vom Beruf entstehen. Menschen denken an Superbullen oder kriminelle Beamte, die Straftaten begehen, ohne bestraft zu werden. Doch dieser Mythos ist falsch.

Ein Kriminalhauptkommissar kann über Missverständnisse und Gefahren des Berufs aufklären. „Grundsätzlich darf ein Verdeckter Ermittler im Einsatz keine Straftaten begehen", sagt er zum Thema. Das sei nur im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft erlaubt, wie der Kauf von Drogen beim Dealer, um illegalen Handel nachzuweisen. Für nicht von Behörden abgesegnete Straftaten wird er wie ein normaler Bürger bestraft, in der Regel sogar noch härter.

Der Beruf im Verborgenen

Der Polizeibeamte bewirbt sich als Verdeckter Ermittler und durchläuft ein Bewerbungsverfahren über dessen genauen Ablauf die Polizei nicht sprechen darf. Der Einsatz ist in der Strafprozessordnung klar definiert. Dort steht geschrieben, dass sie zur Aufklärung von Straftaten eingesetzt werden dürfen, wenn zureichende Anhaltspunkte für Straftaten erheblicher Bedeutung vorliegen.

Verdeckte Ermittler werden in Bereichen des Handels mit Betäubungsmitteln oder Waffen, bis hin zur Geldfälschung eingesetzt. Für den expliziten Einsatz, erklärt der Kriminalhauptkommissar, wird der Polizist von der Dienststelle eingearbeitet, die ihn benötigt. Er erhält bekannte Informationen über das Umfeld und Verhalten der Straftäter. Gemeinsam wird eine Strategie zur Aufklärung des Falls erarbeitet. Der Einsatz dauert solange, bis der Fall gelöst oder vorzeitig abgebrochen wird. Bei vorzeitigen Abbrüchen muss sich der Verdeckte Ermittler wieder so aus dem Bereich herausziehen, wie er eingetreten ist – langsam und keinesfalls abrupt. Nach Abbrüchen oder Enttarnungen arbeitet der Verdeckte Ermittler wieder als normaler Polizeibeamter.

War die Ermittlung erfolgreich folgt eine Gerichtsverhandlung. Dabei tritt ein Verdeckter Ermittler niemals in persona auf. Hierfür gibt es sogenannte „Verdeckte Ermittler-Führer", von denen der Polizist betreut und nach dem Einsatz vernommen wird. Der Ermittler-Führer sagt vor Gericht für ihn als „Zeuge vom Hörensagen" aus. Bei den sogenannten Vertrauenspersonen, mit denen es oftmals zur Verwechslung kommt, sieht der Einsatz anders aus.

Verdeckte Ermittler und Vertrauenspersonen werden oft verwechselt. Doch die Tätigkeiten unterscheiden sich deutlich. |Grafik: Lisa-Marie Casselmann via Piktochart

Die andere Welt – das Privatleben

Der Beruf des Verdeckten Ermittlers ist so brisant, dass niemand etwas wissen darf. Doch das Privatleben muss trotz zweiter, veränderter Identität weitergehen. Lebenspartner wissen Bescheid, welchen Beruf der Partner ausübt. „Jedoch darf selbst die Ehefrau nicht erfahren, in welchen Fällen er eingesetzt ist. Darüber ist absolutes Stillschweigen zu wahren", erklärt der Kriminalhauptkommissar. Der Kontakt zur Außenwelt wird nicht kontrolliert, denn das Enttarnungsrisiko muss jeder Ermittler selbst einschätzen können. Dazu erklärt der Kriminalhauptkommissar, dass Verdeckte Ermittler durch Schulungen lernen mit Belastungen umzugehen und selbstbewusste Menschen sein müssen.

„Wenn er Angst hat, ist er fehl am Platz"

Die Angst vor der Enttarnung ist laut dem Kriminalhauptkommissar die größte. Angst vor den Tätern oder deren körperlichen Angriffen sollte ein Verdeckter Ermittler nicht haben. „Wenn er Angst hat, dann ist er vermutlich fehl am Platz", sagt der Kriminalhauptkommissar. Sollte es doch zu körperlichen Übergriffen kommen, wenn er beim Vorhaben die Drogenbande zu stellen enttarnt wird, gibt es Regelungen: Ein Verdeckter Ermittler darf sich wehren und an Notwehrrechten bedienen, die jedem normalen Bürger zustehen. Um Konflikte zu vermeiden, wird der Verdeckte Ermittler im Einzelfall sofort aus dem Bereich abgezogen.

Zum Weiterlesen - Verdeckte Ermittlungen in Deutschland
Enttarnter Verdeckter Ermittler in Deutschland: „Iris Schneider" in der linksradikalen Szene.

In Baden-Württemberg: Angeblicher Student „Simon Brenner" entlarvt.

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Über den Autor

Lisa-Marie Casselmann

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/2016