Gaming

Auch Zocken ist ein Sport

31.01.2017

Die Arena ist brechend voll, die Leute angespannt. Dann geht es ganz schnell: Über die Bildschirme läuft ein Farbgewitter, der Moderator schreit in Ekstase, die Menge tobt. Gefeiert wird hier aber keine Fußballmannschaft, kein Basketballteam – hier spielen Gamer.

Das Spielen von Videospielen wird von vielen noch nicht als Sport wahrgenommen, anstrengend kann es aber allemal werden.| Quelle: Timo Schmidt

Bei dem Wort „Gamer" denken die Meisten an dunkle Keller und lange nächtliche Sessions, sicherlich nicht an die große Bühne. Dass es Profis für Videospiele gibt, klingt erst einmal nach Fiktion, ist in den letzten Jahren aber immer mehr Realität geworden: eSport ist die Abkürzung für elektronischen Sport und bezeichnet den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen mittels Computerspielen. Der Begriff Sport ist hier nicht fehl am Platz: Während einem Spiel kann es vorkommen, dass ein Profi bis zu 600 Tasten- und Mausanschläge pro Minute ausführt. Bricht man das herunter sind das zehn Aktionen pro Sekunde, für einen normalen Menschen ist das eine nicht erreichbare Summe. Wie beim Leistungssport erfordert es viel Übung um dieses Level zu erreichen.

USA, Russland, Schweden – In vielen Ländern ist eSport unter anderem deshalb bereits als Sport anerkannt, auch in unseren Nachbarländern, etwa in den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. Diese Anerkennung bringt viele Vorteile mit sich. Die Sportler erhalten Visa für ihre Turniere, sind arbeitsversichert und erhalten durch einen Dachverband eine Absicherung. Manche Länder gehen noch weiter: In den USA bieten verschiedene Colleges nicht nur Stipendien für American-Football, Fußball oder Hockey an, sondern auch für Profis im Bereich Videospiele an. Dass eSport sehr ernst genommen wird, zeigt sich an einem neuen Gesetz aus Südkorea: Hier wurde das Erstellen von Cheat-Programmen, die eine unfaire Spielhilfe verschaffen, unter empfindliche Strafen gestellt.

Eines der beliebtesten eSport-Spiele ist „League of Legends", gleichzeitig ist es das am meisten gespielte Online-Videospiel der Welt. Das zeigt sich auch an den „League of Legends World Championships", die viele Spieler und Fans begeistern.

„League of Legends" (kurz LoL):
2009 veröffentliche Riot Games das Free-to-Play-Computerspiel. Bei dem „MOBA" (Multiplayer Online Battle Arena) duellieren sich zwei Teams, mit jeweils fünf Spielern, mit dem Ziel die gegnerische Basis zu Fall zu bringen. Zu Beginn des Matches wählt jeder Spieler einen von 134 Champions, die alle bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften besitzen. LoL ist mit knapp 100 Millionen monatlichen Spielern das meistgespielte Online-Spiel der Welt.

Fakten zur League of Legends World Championship, die viele Fans vor die Bildschirme lockte| Quelle: Timo Schmidt

Die riesigen Spieler- und Zuschauerzahlen, sowie die Professionalisierung des ganzen eSports sind starke Argumente, die für eine Akzeptanz als Sport sprechen, in Deutschland weigert sich der Deutsche Olympische Sportbund (kurz DOSB) jedoch das zu tun. Vor allem zwei Punkte in der Aufnahmeordnung sprächen dagegen. Zum einen fehle eine „eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität", zum anderen würden gewisse ethische Werte nicht eingehalten werden. Diese Argumentation erntete viel Kritik, auch von Experten, da sowohl Schach, als auch Schießen als Sport anerkannt werden, obwohl sie gegen die exakt selben Richtlinien verstoßen.

Eine Konsequenz daraus ist, dass deutsche Profispieler ins Ausland gehen, um dort unter besseren Bedingungen spielen zu können. Einer von ihnen ist Dennis Hawelka, unter seinen Fans und auf der Bühne bekannt als „Internethulk".

Dennis Hawelka war Captain für Team Deutschland beim „World Cup" (Links) und gewann mit seinem Team „EnVyUs" viele Wettkämpfe (Mitte) , die Bühne ist er mittlerweile gewohnt (Rechts) . | Quellen: Links: Cristiano Siqueira (http://www.crisvector.com/) Mitte und Rechts: Dennis Hawelka

Dennis ist 29 Jahre alt und spielt als Captain für das Team „EnVyUs" in Nordamerika, das Spiel „Overwatch". Er sieht in seinem Heimatland viel Potenzial für eSport: „Deutschland hat eine sehr coole eSport-Szene und geile Fans. Wenn man als deutscher Spieler aber wirklich erfolgreich sein will, dann sollte man sich bei größeren internationalen Organisationen umschauen. Als deutscher Spieler würde ich mir wünschen, dass die großen Sportvereine, beispielsweise Bayern München, dem Trend folgen und wie Schalke 04 und VfL Wolfsburg in eSport investieren. Wie geil wäre es, wenn Bayern München die besten deutschen Gamer stellen würde?!".

„Overwatch":
Ist ein von Blizzard entwickeltes Konsolen und PC-Spiel. Es ist ein Multiplayer-Ego-Shooter, bei dem jeweils zwei Teams mit sechs Spielern gegeneinander antreten. Dabei können die Spieler einen aus insgesamt 23 Helden auszuwählen, die alle verschiedene Fähigkeiten haben und bestimmte Rollen erfüllen. Das Ziel ist variabel, je nach Spielmodus muss man entweder einen Wagen an ein Ziel bringen, verschiedene Punkte erobern, oder eine Art „King of the Hill" spielen.

„Internethulk" lebt momentan umsonst mit einem P1 Visum in Uptown Charlotte. Dieses Visum gibt es so nur für Sportler, Künstler und Entertainer – sogar sein Essen wird bezahlt. Er und andere Topspieler verdienen mit Overwatch sehr gut. Der Beruf habe ihn, so meint er, zum Positiven verändert: Das Reisen, die Kontakte und die vielen Möglichkeiten halfen ihm, sich binnen kurzer Zeit zu entwickeln. Ob eSport als richtiger Sport anerkannt werden sollte, wisse er nicht genau, es interessiere ihn aber auch nicht unbedingt. Viel wichtiger sei, dass er global größer werde und jeder Fan damit bessere Möglichkeiten habe, seine Lieblingsmannschaft zu verfolgen.

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Über den Autor

Timo Schmidt

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016