Elektrosensibilität

Auf der Suche nach den letzten Funklöchern

21.06.2016

Handys und Mikrowellen strahlen. Den meisten Leuten ist das bekannt. Doch wusstet ihr schon, dass auch Waschmaschinen oder Elektroherde Strahlen an ihre Umwelt aussenden? Immer und überall sind wir von verschiedenen Strahlen umgeben. Die meisten Menschen bemerken sie gar nicht. Doch was passiert, wenn man elektrosensibel ist?

Das Smartphone als ständiger Begleiter. Über die Risiken der Strahlung wird jedoch weitgehend geschwiegen. |Bild: Alina Veth

Beim gemütlichen Schlendern durch die Königsstraße oder beim Kaffeekränzchen am Marienplatz: Beim Telefonieren mit dem Handy werden Funkstrahlen ausgesendet; um ins Internet zu gelangen, nutzen wir WLan-Netze. Doch auch elektrische Geräte erzeugen nur durch ihre Nutzung Strahlen. So verursachen beispielsweise Spülmaschinen, Kühlschränke oder Kaffeemaschinen durch den Anschluss an ein Stromnetz und deren Gebrauch elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder. In unserem Umfeld wimmelt es nur so von verschiedenen Strahlen, die kaum jemand bemerkt. Es sei denn, man leidet an einer Elektrosensibilität.

Quelle: Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte|Grafik: Alina Veth via Piktochart

Zusammenbruch am Flughafen

Ulrich Weiner musste sein Leben aufgrund dieser Krankheit radikal verändern. Elektrosensibilität wird als psychische und physische Beeinträchtigung gesehen. „Sie ist recht leicht zu diagnostizieren. Man beobachtet den Blutdruck, Herzrhythmus, Gedächtnisleistung, Wohlbefinden und einige Blutwerte des Patienten während der Bestrahlung und dann in einem Funkloch. Wenn diese Werte an den beiden Orten deutlich voneinander abweichen, dann ist jemand elektrosensibel", erklärt Weiner.

Sein Leben mit dem Funk begann bereits mit zehn Jahren, als er sich zwei Walkie-Talkies kaufte. Mit 18 gründete Weiner seine eigene Firma, die Mobiltelefone und Telefonanlagen verkaufte. „Damals machte ich mir noch keine Gedanken über die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Technik." Eines Tages bemerkte er, dass er sich nach Telefonaten mit dem Handy kaum noch konzentrieren könne. 2002 brach Weiner am Frankfurter Flughafen zusammen. Im Krankenhaus wurde klar, dass die Seh-, Sprach- und Herzrhythmusstörungen von der starken Mikrowellenbelastung durch die vielen Sendeanlagen am Flughafen ausgelöst wurden.

Kein Handyempfang: Weiners Rettung

Auch nach seiner Entlassung konnte sich Weiner zuhause nicht vollständig erholen. Er wagte einen Versuch: „Ich fuhr mit dem Auto mitten in den Wald. Dort blieb ich und übernachtete auf dem Rücksitz. Nach zwei Tagen im Wald war ich wieder so fit, dass ich danach ins Büro konnte." Am Abend kehrte Weiner mit Messgeräten in den Wald zurück und entdeckte, dass es dort keinen Handyempfang gab. Lediglich ein schwaches Radiosignal zeigten die Messgeräte an. „Ich kam zu der Erkenntnis, dass sich der digital gepulste Funk nicht mit biologischen Systemen verträgt", erklärt Weiner.

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz |Grafik: Alina Veth via Piktochart

Möglicherweise krebserregend

Obwohl Weiners Hypersensibilität ihm von mehreren Ärzten bestätigt wurde und er weitere Betroffene kennenlernte, werden die Auswirkungen von Strahlen und elektromagnetischen Feldern immer noch diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation stufte Magnetfelder als „möglicherweise krebserregend" ein, weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen würden sich laut der WHO aber nicht ergeben. Das Bundesamt für Strahlenschutz schließt zudem einen Zusammenhang von elektromagnetischen Feldern und den Beschwerden elektrosensibler Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.

Weitere Infos...
...zu Ulrich Weiner findet ihr hier.
...zu Risiken von Mobilfunkstrahlung gibt es hier.
...zu elektromagnetischen Feldern findet ihr in dieser Broschüre.
...zur Vorsorge gegen Elektrosmog gibt es hier zu lesen.
...um Elektrosmog zu verringern findet ihr hier.
...zur Auswirkung von Elektrosmog auf Bienen, Vögel und Menschen können in dieser Broschüre nachgelesen werden.

Funklöcher als (Über-)Lebensraum

„Für mich persönlich gab es durch die Zunahme meiner gesundheitlichen Beschwerden nur den Weg in die Funklöcher ", erzählt Weiner. Er lebt daher in einem Wohnwagen und wenn er das Funkloch verlässt, trägt er einen Strahlenschutzanzug. Seinen Betrieb musste Weiner aufgeben. „Meine meiste verbleibende Kraft setze ich für die Aufklärungsarbeit über die Risiken der Strahlung in Schulen ein." Als Mitbegründer des Aktionsbündnisses für strahlungsfreie Lebensräume kämpft er zudem für die Erhaltung von Funklöchern. Für ihn und weitere Geschädigte sei es unverständlich, dass in Deutschland für jede Einschränkung oder Behinderung gehandelt wird, es jedoch keine geschützten Funklöcher geben soll. „Und das, obwohl Elektrosensibilität als Behinderung anerkannt ist."

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Über den Autor

Alina Veth

Crossmedia-Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/16