Barfuß-Kult

Auf nackten Sohlen

05.02.2017

Egal ob der heiße Asphalt brennt oder der Boden unter seinen bloßen Füßen gefriert – Dominik ist das egal. Für ihn ist das Leben ohne Schuhe einfacher.

Durch ihre stark ausgeprägte Fußsohle ist für Barfußläufer auch unwegsames Gelände kein Problem. | Bild: Laura Hornberger

Ein Mann ohne Schuhe. Die langen Haare und die auffällige Hippie-Brille machen das Klischee perfekt. Seine nackten Füße sind groß und abgesehen von den Verhärtungen an der Fußsohle sehr gepflegt. Dominik Rathgeb läuft seit 15 Jahren barfuß, egal bei welchem Wetter. Er wurde vor 43 Jahren in Stuttgart geboren, lebt heute in Schorndorf. Schuhe sind für ihn „Fußgefängnisse" und nur wegen gesellschaftlichen Konventionen notwendig.

Auf die Idee barfuß zu gehen, kam er in seiner Jugend. In den 90er Jahren erlebte er eine Hippie-Grunge-Welle in Stuttgart. Viele Szenenanhänger gingen barfuß. Sie schwärmten von einem neuen Lebensgefühl und inspirierten so auch Dominik. Wegen seines handwerklichen Berufs war der gelernte Kommunikationselektroniker gezwungen schwere Arbeitsschuhe zu tragen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht erzählt er von der großen Befreiung diese nach Feierabend abzulegen. Heute ist Dominik selbstständig als Onlinehändler für ein Plattenlabel und entkommt dem Zwang Schuhe zu tragen.

Der passionierte Barfußläufer Dominik Rathgeb erzählt, warum er ohne Schuhe durch die Welt geht. | Video: Alina Hoppe, Laura Hornberger

Mit 16 zog er die Schuhe aus

Zuerst ging er nur im Sommer barfuß. Irgendwann verkürzte sich das Aussetzen im Winter auf nur wenige Wochen. Sein Kälteempfinden wurde von Jahr zu Jahr weniger. Was anderen einen Schauer über den Rücken jagen lässt, ist für ihn ganz normal. Seit knapp 15 Jahren läuft er auch in den Wintermonaten barfuß. „Bei Minusgraden muss man sich einfach in Bewegung halten", so Dominik. Man könne sich Barfußlaufen wie eine Fußreflexzonenmassage vorstellen. Sein Immunsystem hat sich dadurch gestärkt. Seitdem er das ganze Jahr über barfuß läuft, wird er nur selten krank.

Gesundheitliche Probleme hatte Dominik bisher nicht. Für ihn steht fest: Barfußlaufen ist gesünder als Schuhe zu tragen. Abgesehen von zwei Verletzungen durch kaputte Glasflaschen, kann er nur auf positive Erfahrungen zurückblicken. Durch die ausgeprägte Hornhaut, wird sein Fuß von flachen Scherben geschützt. Kleine Mikroscherben gehen allerdings durch die Haut. Daher müsse man sehr achtsam sein. In den vergangenen Jahren hat sich Dominik einen sechsten Sinn angeeignet. Er schaut zwar nach vorne, hat den Untergrund aber gleichzeitig mit im Blick und erkennt Gefahren frühzeitig. Dominik wäscht seine Füße einmal am Tag, abends. Auf Sauberkeit und Hygiene legt er viel Wert.

So weit die Füße tragen

Als Barfußläufer ist Dominik nicht allein. Um sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten, surft er in Onlineforen. Durch die gemeinsame Leidenschaft hat er dort auch seine Freundin Lisa kennengelernt. Sie läuft seit ihrer Kindheit barfuß. Gemeinsam mit anderen Barfußläufern gehen sie auf Reisen. Schuhe sind wie erwartet nicht im Gepäck. Vor allem beim Wandern spürt Dominik ein starkes Fußgefühl und die Verbundenheit zur Erde. Der Sand ist warm. Die Wiese ist kühl. Verschiedene Untergründe machen jeden Schritt zu einem Erlebnis. Gemeinsam mit Lisa möchte er sich bald einen alten VW-Bus kaufen. Wo die nächste Reise hingeht, ist noch offen.

Barfußparks
Sogenannte Barfußparks sind optimal, um die ersten Schritte auf nackten Sohlen zu wagen. Allein in Baden-Württemberg gibt es zehn verschiedene Rundwege, die bis zu 2,5 Kilometer lang sind. Verschiedene Untergründe wie gemulchte Waldböden, Sand und Glaskies können ertastet werden. In vielen Parks gibt es zusätzliche Balancierstationen, Kneippbereiche und Wasserspielplätze.

| Bilder: Alina Hoppe, Laura Hornberger

Total votes: 73
 

Über die Autoren

Alina Hoppe

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016

Laura Hornberger

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016