Sozialarbeit

Aus dem Leben mobiler Jugendarbeiter

28.01.2015

Jugendliche haben es oft nicht leicht. Sie befinden sich in einem Lebensabschnitt, in dem sie hin- und hergerissen sind. Vieles ändert sich und Entscheidungen für die Zukunft sollen getroffen werden. Doch nicht jeder kommt mit allen Situationen, die einen oftmals plötzlich überwältigen, klar. Die neuen mobilen Jugendarbeiter Marieke Hecht und Christoph Maier unterstützen die jungen Erwachsenen in unterschiedlichen Situationen und helfen ihnen bei der Bewältigung vom Labyrinth des Erwachsenwerdens. Aber auch für die Sozialarbeiter ist das nicht immer einfach. Wieso entscheidet man sich für diesen Beruf?

Die Vorstellung

Die Tür geht auf und vor mir stehen die zwei: Marieke Hecht und Christoph Maier. Freundlich begrüßen mich die beiden. Sie sind Sozialarbeiter und arbeiten schon seit Jahren mit Jugendlichen zusammen – dabei ist der Altersunterschied gar nicht so groß. Seit Oktober 2014 sind die 25-jährigen in Kornwestheim unterwegs. In ihrem Alltag geben sie Jugendlichen zwischen 14 und 27 Jahren Hilfestellung, bei der Bewältigung von Lebenskrisen. Es ist dabei egal, ob es sich um familiäre Angelegenheiten, die Suche nach einem Platz zum Ableisten von Sozialstunden oder die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz handelt. Jeder kann hier die Hilfe finden, die er benötigt. Neben diesen Angeboten, bietet die mobile Jugendarbeit auch Einzelfallhilfe. Hier werden Jugendliche betreut, die etwas schwerwiegendere Fälle sind. Daneben gibt es die Gruppenarbeit. Diese ist für Gruppen, zum Beispiel Freunde, die etwas zusammen machen wollen. Ein weiteres Angebot ist die Gemeinwesenarbeit. Bei letzterem sind Marieke und Christoph auf Veranstaltungen und in Gremien unterwegs. Sie sehen sich als „das Sprachrohr der Jugendlichen."

Doch zuvor wird Streetwork geleistet, das heißt vor allem in der Stadt an bestimmten Plätzen präsent zu sein. Typisch hierfür sind der Bahnhofsplatz und der Stadtpark. Dort knüpfen sie den Kontakt zu den jungen Menschen. Da die beiden noch nicht so lange in Kornwestheim unterwegs sind, ist es wichtig erst einmal auf sich Aufmerksam zu machen und den Heranwachsenden zu zeigen, dass dieses Angebot für sie bereit steht. Dies passiert hauptsächlich durch Mundpropaganda.

Das besondere Etwas

Nach ihrem dualen Studium im Bereich Sozialarbeit, reiste Marieke ins Ausland um etwas Abstand von dem theoretischen zu bekommen und arbeitete dort in einem Kinderheim. „Dort hatte ich ziemlich viel Zeit darüber nachzudenken, worauf ich Bock hab‘." Und das wusste sie danach auch – Jugendliche sind ihre Zielgruppe. „Ich habe es mir ausgesucht, weil es bei den Jugendlichen nicht das Ende der Fahnenstange ist". Sie sieht hier noch ein großes Potential, denn wenn einmal etwas was schief läuft, bedeutet das nicht, dass die Zukunft komplett verbaut ist. Dann heißt es aufstehen und nochmal machen.

Auch Christoph studierte Sozialarbeit und arbeitete danach vier Jahre in einem Kinderheim. Seine Arbeit bei der Mobilen Jugendarbeit gefalle ihm besonders, sagt er, denn hier sieht er alles noch einmal aus einem anderen Blickwinkel. „Hier gehe ich zu den Jugendlichen, ich sehe sie in ihrer Freizeit." sagt der 25-jährige. „Das schönste an der Arbeit mit Jugendlichen, ist dieser Wechsel zwischen Konflikt und Spaß in der Freizeitgestaltung." Für ihn gehört beides dazu, das ist das was er so aufregend findet.

Zwei Seiten der Medaille

Doch es ist nicht immer alles Gold was glänzt. Es gibt auch Momente und Ereignisse, in denen die beiden schon feststellen mussten, dass nicht immer allen geholfen werden kann. „Was schon öfters passiert ist, ist, dass Jugendliche vieles versprechen und sich vornehmen und dann in einem Lebensalter sind, wo sie vieles nicht durchziehen", sagt Marieke. Manchmal müssen sie zusehen, wie die jungen Erwachsenen eine Aktion machen, womit sie es sich gerade verbauen. Nicht immer können die Sozialarbeiter die Jugendlichen vor solchen Taten bewahren oder ihnen gar in diesen Situationen helfen. Chris geht es ähnlich. „Eine schwere Situation ist es, wenn du zu demjenigen einen guten Kontakt hast, eine gute Beziehung pflegst und dann durch andere Entscheidungen der ganze Fortschritt, den man zusammen erreicht hat, mit einem Mal zu nichte gemacht wird." Doch die beiden geben nicht auf. Denn es gibt auch schöne Momente, in denen sie den Fortschritt sehen und auf ihre Arbeit stolz sein können.

Was die Zukunft bringt

Doch wo sehen sich die beiden in den nächsten Monaten und Jahren? „Ich würde mir gerade Sommer wünschen", sagt Chris. Dann spielt sich auf der Straße mehr Leben ab. Das bringt einen großen Vorteil für den Kontaktaufbau. Aber die beiden Jugendarbeiter sind sich einig. „Wir wollen als Team, dass wir so bekannt sind in der Stadt bei den Jugendlichen, als jemand zu dem man gehen kann", sagt Marieke. Chris fügt noch hinzu: „Das wir es geschafft haben, dass die Jugendlichen das Bild von uns haben, welches wir ihnen vermitteln wollen.

Bei der mobilen Jugendarbeit geht es um die Freiwilligkeit der Jugendlichen, sich jemand neutralem anzuvertrauen und die gebotene Unterstützung anzunehmen. Hierbei gehen die Sozialarbeiter zu den jungen Menschen und müssen sich ein Stück weit an deren Regeln halten. „Das macht das Ganze schwierig und spannend zugleich", meint Marieke. Die Jugendlichen sollen wissen, dass jemand da ist, der ihnen zuhört und Hilfe zur Selbsthilfe bieten kann. Hier stehen die Jugendlichen im Vordergrund und das ist auch gut so. Aus genau diesem Grund, haben sich Marieke und Chris für diesen Berufsweg entschieden. Sie vertreten das Konzept der mobilen Jugendarbeit zu 100 Prozent.

Weg der mobilen Jugendarbeit. Quelle: Frauenhoffer erstellt mit Piktochart

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Über den Autor

Svenja Frauenhoffer

Crossmedia-Redaktion / Public Relations (Bachelor)
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