„Video-on-Demand“

Auslaufmodell Fernsehen?

09.02.2015

„Was will ich sehen, und vor allem: wo und wann?“ -Das ist meine Entscheidung – so lautet zumindest die Einstellung vieler heutiger TV-Nutzer. Mit einem modernen Fernsehgerät wie „Smart TV“ kann man im Netz surfen, zeitversetzte Filme und Nachrichten gucken oder E-Mails schreiben. Aber in welchem Verhältnis steht die Online-Bewegtbildnutzung zum klassischen Fernsehen? Wird es das „lineare Fernsehen“ in Zukunft noch geben oder droht das Aus durch „Video-on-Demand“-Anbieter?

HbbTV-Technologie

Die neue Technologie des Fernsehers, die sich Smart –TV nennt und eine direkte Verbindung zwischen Internet und Fernsehen herstellt, nennt sich HbbTV. Der Zuschauer soll die Möglichkeit haben, problemlos zwischen TV-Sendungen und Online-Angeboten umzuschalten. Mit dieser Entwicklung hat man Zugang zu beiden Welten – auf einem Gerät. Außerdem bieten die Geräte die zeitversetzte Nutzung von Inhalten sowie einen direkten Zugang zu den Onlinevideotheken.

„Video-on-Demand"

Man kann „Video-on-Demand" auch „Wünsch-Dir-Was"-TV nennen. Genauer gesagt ist das ein Programm-Konzept, bei dem der Kunde den Zeitpunkt und Inhalt seiner TV-Nutzung frei bestimmen kann. Laut der ARD/ZDF Onlinestudie sei die steigende Nutzung von Video-Mediatheken, beziehungsweise von On-Demand-Diensten nicht nur bei unter 30-Jährigen zu betrachten, sondern auch bei 30– bis 49-Jährigen. Doch können Dienste wie Maxdome, Netflix oder Amazon Prime wirklich alles liefern, was man sich wünscht? Inwieweit unterscheiden sie sich als „Video-on-Demand"-Anbieter von der klassischen TV-Mediathek?

Maxdome vs. SWR

„Das Angebot ist vielfältiger, werbefrei und zeitunabhängig nutzbar. Viele Inhalte von Maxdome stehen noch vor Free-TV-Ausstrahlung auf der Plattform zur Verfügung, teilweise sind Serienepisoden schon einen Tag nach der US-Erstausstrahlung online. Maxdome bietet im Monatspaket über 50.000 Inhalte an”, sagt Jasmin Wittenzwei, Sprecherin des Streamingdienstes Maxdome. Man kann somit seine Programme selbst zusammenstellen. Wie sieht das aber bei den Fernsehsendern aus?

Nach Wittenzwei sei es wichtig sich an Marktbedürfnissen zu orientieren. Außerdem sei das Videoportal in Smart TVs für die Zuschauer ein Eingangstor in eine non-lineare Entertainmentwelt. Was sagt Silke Hillesheim, Leiterin der Programmplanung vom SWR dazu? „Ich glaube, dass Zuschauer gar nicht immer selbst bestimmen möchten, was sie gerade sehen wollen. Heutzutage müssen ständig überall Entscheidungen getroffen werden – da sind einige Menschen eher auch dankbar, wenn wir ihnen als TV-Sender zwischendurch mal etwas anbieten."

Nicht weniger, sondern andere Fernsehnutzung

Fernsehen schauen, ob linear oder zeitversetzt und über den Computer, Laptop, Smartphone oder Tablets: laut der Onlinestudie von ARD/ZDF nehmen alle verschiedene Zugangswege zu dem TV zu. Vor allem internetfähige Fernsehgeräte, die über unterschiedliche Plattformen, wie Sendermediatheken, Videoportale oder Streamingdienste, die zeitversetztes Fernsehen anbieten, befinden sich laut der ARD Studie in Wachstum. Die Fernsehnutzung über das Internet beträgt acht Minuten pro Tag und dies entspricht einem Zuwachs von drei Minuten gegenüber des Vorjahrs. Hiermit stellt sich jedoch die Frage, welche Herausforderung das Internet an den herkömmlichen Fernseher stellt.

„Sicherlich ist das Internet erst einmal eine Herausforderung für das klassische Fernsehen – aber keine, die nicht zu lösen oder zu integrieren ist. Wir versuchen verstärkt, Inhalte in den Bereichen Fernsehen und Online miteinander zu verbinden und so auf beiden Seiten einen Mehrwert für Nutzer und Zuschauer zu schaffen. Das Internet bietet also zusätzliche Möglichkeiten, das klassische Fernsehen zu verbreiten", sagt Silke vom SWR.

Das Nutzungsverhalten, gerade bei der jüngeren Generation, ist ein Zeichen für den Wandel des Mediennutzung. Die Onlinestudie von ARD zeigt einen Wert von 45 Prozent der Onliner ab 14 Jahren, die einmal wöchentlich Bewegbild im Internet nutzen – allein neun Prozent der Nutzer schalten auf Sendermediatheken um. Wie stehen aber „Video-on-Demand"-Anbieter im Verhältnis zu TV-Sendern? „ Maxdome ist eine Ergänzung für TV-Sender und keine Konkurrenz. Die Entwicklung von Smart-TVs bereichert das lineare Fernseherlebnis um eine weitere Ebene. 50 Millionen Menschen sehen in Deutschland täglich fern. Die TV-Nutzung ist trotz digitaler Konkurrenz auf sehr hohem Niveau."

Beide sehen also diese Entwicklung vielmehr als Ergänzung und nicht als „Untergang des TVs". Aber mal von einer anderen Seite betrachtet: was bietet das Fernsehen, was Video-on-Demand-Dienste nicht bieten? Jasmin hat dazu eine Antwort. „Sender können Massen begeistern. Bestes Beispiel dafür sind die Eventshows wie zum Beispiel „The Voice of Germany". Heißt das aber, dass Maxdome keine Massen begeistern kann? Mittenzwei: „Wohl kaum. Video-on-Demand zeichnet sich gerade dadurch aus, zeitunabhängig Content abzurufen. Während beispielsweise eine TV-Übertragung eines Fußballspiels Millionen zur gleichen Zeit vor den Fernseher zieht, ähnlich den Eventshows wie The Voice of Germany. Am nächsten Tag wird dann darüber diskutiert – mit Arbeitskollegen oder Mitschülern. Liveübertragungen von Showformaten oder Sportevents leben davon, dass Millionen zeitgleich das Gleiche erleben.TV ist also das Lagerfeuer, vor dem Geschichten miteinander erlebt werden. „Video-on-Demand" ist die Individualreise, die man nach eigenem Gusto festlegt." 

Spion im Wohnzimmer

Sendungen auf Abruf und Videos über Streamingdienste im Wohnzimmer anzuschauen mag komfortabel sein – aber wie sieht das eigentlich mit Datenschutz aus? TV-Sender können das Verhalten der Zuschauer durch sogenannte Cookies ausspionieren. Sobald der Fernseher online ist, werden Daten an die Server des Herstellers verschickt und beim Wechseln der Sender tauscht der Fernseher Daten mit den Sendern aus. Was machen aber Sender mit diesen Daten? Hillesheim vom SWR meint: „Als Sender sind wir natürlich an Daten über das Verhalten unserer Zuschauer interessiert, nur so können wir unser Angebot auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Zuschauer adäquat anpassen."

Auf die Frage, was genau sie als Sender an Daten der Zuschauer interessiert, betont sie folgendes: „Über unsere Internet-User können wir beispielsweise keine Aussagen darüber treffen, welches Geschlecht oder Alter sie haben. Wir können aber analysieren, zu welchen Zeitpunkten bestimmte Inhalte im Netz gesucht werden und ob unsere Zuschauer sich beispielsweise für Kochrezepte oder Ausgehtipps interessieren."

Für das Jahr 2014 prognostizierte Goldmedia mehr als 14 Millionen Haushalte in Deutschland, in denen mindestens ein TV-Endgerät an das Internet angeschlossen ist. Demzufolge ist es wichtig zu wissen, wie man seine Daten schützen kann. „Es ist für uns als SWR, beziehungsweise, öffentliche Rundfunkanstalt natürlich nicht von Interesse, unsere User „auszuspionieren", sondern unser Angebot zu optimieren. Jeder User hat die Möglichkeit, das Setzen von Cookies auf unseren Internetseiten zu unterdrücken und somit nicht an einer Erfassung der Nutzungsdaten teilzunehmen.", so Silke Hillesheim.

Zukunft des Fernsehers

Fakt ist, dass das Fernsehen sich gerade im Wandel befindet . Das Verständnis von Fernsehen ändert sich mit der Zeit und diesem Wandel. Das geschieht nicht, weil Fernsehen über neue Wege auf weiteren Plattformen angeboten wird, sondern weil „Video-on-Demand"-Dienste zurzeit ausgebaut werden und Fernsehsendungen sowie weitere Inhalte sich vermischt werden. So wird eine vielfältiges Plattform geschaffen, die beide Welten -Internet und Fernsehen – auf einem Gerät bietet. Kein Medium übernimmt das andere: sie bestehen, agieren und ergänzen sich untereinander.

Die Entwicklung des zeitversetzten Fernsehkonsums (Grafik: Sanaa Hamdani)

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Über den Autor

Sanaa Hamdani

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: SS2014