Nie zu spät für Veränderungen

Beruflicher Neuanfang

27.01.2016

Von der Jura Studentin zur Konditorin, vom Marketingleiter zum Zauberer oder von der Eon-Vorständin zur Hausfrau. Laut Personal-Coach Petra Perlenfein gibt es immer mehr Menschen die sich entschließen, ihr Leben radikal zu ändern. Nelly Audard hat sich getraut und erzählt Motion von ihren persönlichen Erfahrungen.

Es ist nie zu spät für eine Veränderung

Nelly Audard ist ein vorbildliches Beispiel für eine Person, die mit den Veränderungen richtig umgegangen ist. Die Französin studierte eigentlich Jura und Geschichte. Mit 45 Jahren hat sie eine Lehre begonnen und ist inzwischen Konditorin. Sie hat ihren Traumjob gefunden – wenn auch spät.

Tipps für den erfolgreichen Jobwechsel

Petra Perlenfein ist eine selbstständige Beraterin mit dem Schwerpunkt Beratung zur beruflichen (Neu-)Orientierung. Gründe dafür, dass immer mehr Menschen ihren Beruf wechseln, gibt es laut ihr viele. „Es liegt nicht nur an der Gesellschaft. Sicherlich haben wir auch einen narzisstischen Anspruch. Jeder will das Beste für sich rausholen. Genauso spielt die Gesundheit eine große Rolle. Man ist gezwungen, sich zu verändern, weil man dieses Tempo nicht mehr mitgehen kann. Von Bedeutung sind auch Themen wie Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Wettbewerbsdruck und Digitalisierung. Wir haben im Arbeitswandel einen Strukturwandel, der damit einhergeht. Die herkömmlichen Arbeitsverhältnisse lösen sich auf, wir werden immer mehr befristete Jobs bekommen. Jobs, bei denen wir nicht wissen, wie es die nächsten zwei bis drei Jahre weitergeht." Die Menschen wollen ihre eigene Sicherheit, die Sicherheit ihrer Familie sowie Wohlstand. Dafür seien sie gezwungen, sich zu verändern. Die jährliche Gallup Studie zeigt, dass der Drang sich zu verändernd auch mit der schwindenden emotionalen Bindung zum eigenen Job zusammenhängt. Seit Jahren kann man diese Entwicklung beobachten.

Wer ist vom Wandel betroffen?

Viele wünschen sich eine berufliche Veränderung, wissen aber nicht, wie sie diese umsetzen sollen. Perlenfein hilft diesen Menschen. Laut ihr sind ihre Klienten sowohl junge als auch Menschen mittleren Alters. Dazu gehören Studien- und Berufsanfänger, denen die Kraft ausgeht, weil sie gleich mit einem Zwölf- bis Vierzehn-Stunden-Tag anfangen und sogar am Wochenende durcharbeiten oder lernen müssen. Der andere große Anteil bestehe aus 40- bis 50-Jährigen, bei denen es darum geht, ihr berufliches Label neu aufzusetzen und sich selbst zu verwirklichen. Petra Perlenfein erklärt, dass das Alter keine Rolle spielt: „Es gibt nie ein zu spät, um sich zu verändern. Der Mensch entwickelt sich ja auch. Deswegen finde ich es gut, wenn man sich verändert. Vor allem reife Menschen wissen, was sie möchten und was nicht mehr." Zentral sei bei allen Altersklassen die Frage: Was brauche ich, um weiterhin gut zu leben und eine berufliche Karriere zu machen?

Was tun für eine Veränderung?

Das Wichtigste sei die Motivation für einen Arbeitswechsel zu klären. „Ist es eine Fluchtbewegung, weil man den alten Arbeitsplatz aus irgendwelchen Gründen nicht mehr aushalten kann? Sind es ungelöste Probleme mit dem Vorgesetzten, ein unpassender Arbeitsinhalt oder Teamkonflikte?", erklärt Perlenfein. Wichtig sei, dass es keine „Ich-möchte-weg-Bewegung" ist, sondern eine Bewegung hin zum Traumjob. Erst einmal müsse man seine Träume austüfteln – die Traumarbeit unabhängig von der Realität aufbauen. „Das ist ein Prozess. Das ist ein Riesenprozess, der erarbeitet werden muss", weiß die Beraterin. Sie rät dazu, sich in dem neuen Bereich erst einmal auszuprobieren, zum Beispiel durch Praktika oder mithilfe von Informationsgesprächen über die verschiedenen Möglichkeiten.

Hilfe zur Selbsthilfe

Dafür sind auch Coaches wie Petra Perlenfein da, wobei es sie stört, wenn man sie als große Helferin darstellt: „Ich bin nicht der große Experte, der sagt: Das ist jetzt Ihr Weg. Es ist ein aufarbeitendes Gespräch. Ich begleite die Leute ein Stück. Dabei geht es um eigenverantwortliches Arbeiten – und das Miteinander. Es geht darum, Wünsche zuzulassen, Träume zuzulassen. Und dann zusammen Lösungen zu finden." Hierfür nutzt sie dann ihr Wissen über den derzeitigen Arbeitsmarkt. Sie schaut auf die beruflichen und außerberuflichen Stärken und macht Werteanalysen, inklusive Lebens- und Finanzplanung. „Wichtig ist, dass man auch die Alternativen durchgeht, falls der eigentliche Plan nicht aufgehen sollte. Und zu schauen, welche Stolpersteine es gibt", erklärt die Expertin.

Chance in der Krise

Es kommen oft Menschen zu ihr, die Angst vor Veränderungen haben. Diese Ängste entstehen in der Regel, wenn jemand seinen Arbeitsplatz verliere – also von außen bedingt. Petra Perlenfein erläutert: „Das haben wir oft, besonders im Bereich Outplacement, dass Menschen durch Umstrukturierungen ihren Arbeitsplatz verlieren. Diese haben zunächst Existenzängste. Und dann ist viel psychologisches Wissen gefragt, um die Leute dort abzuholen, wo die Ängste entstehen. Wenn eine Veränderung schon einmal schiefgegangen ist, entstehe ebenfalls Angst. Das können so banale Gründe sein, wie zum Beispiel, dass Bewerbungsunterlagen nicht gut sind; oder einfach, dass der Plan und die Strategie nicht gestimmt haben. Auch zu wenig Risikomanagement, gerade wenn man sich selbstständig gemacht hat, sei ein Problem. Die Aufgabe des Coaches ist hierbei, den Menschen Kraft zu geben, damit sie Mut bekommen zu sagen: Ja, es ist eine Chance in dieser Krise!

Berufliche Erfüllung: Alles andere als einfach

Natürlich tun sich manche Menschen einfacher als andere, sich auf eine neue Lebenssituation einzustellen. Dabei kann man unter zwei Typen von Menschen unterscheiden, sagt Perlenfein: „Menschen die sich ihrer selbst bewusst sind oder schon mal Veränderungen durchgemacht haben, können besser mit Veränderungen umgehen, weil sie wissen das es weiter geht! Diese sind eher positivdenkend und zwar vom Naturell her." Die andere Gruppe Menschen sei eher depressiv und ängstlich. Sie haben nie gelernt, mit Veränderungen umzugehen. Diese tun sich schwerer damit. Perlenfein schlägt vor, seine Ängste in etwas Positives zu verwandeln. Das Umfeld spielt dabei auch eine große Rolle. „Ein positives Umfeld ist sehr tragend. Es gibt „Hinderer", die beispielsweise sagen: Meine Güte, das kannst du doch nicht machen. Du verdienst da viel zu wenig Geld. Und es gibt Menschen, die sagen: Toll, dass du den Mut hast. Ich bin für dich da, egal, ob es schief geht oder nicht! Aber probier’s. Insgesamt bewertet Petra Perlenfein die Veränderung des Arbeitsmarktes als etwas Positives. Man bekomme immer wieder die Möglichkeiten sich selbst zu reflektieren, ob man da ist wo man gerne sein möchte. Man lernt sein ganzes Leben lang und hat die Chance sich dann, wenn man dafür bereit ist, selbst zu verwirklichen.

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Über den Autor

Isabelle Zeiher

Crossmedia-Redaktion/ Public-Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemster 2015