Flüchtlingshilfe

Bikes Without Borders

24.06.2015

Zwei Mal in der Woche treffen sich ehrenamtliche Helfer mit Flüchtlingen in Karlsruhe, um Reparaturen an Fahrrädern vorzunehmen und sich auszutauschen.

Der Treffpunkt von "Bikes Without Borders” befindet sich auf dem Gelände des alten Schlachthofs, einem Kreativpark, direkt neben dem Menschenrechtszentrum. Als ich dort ankomme, sind schon einige Stimmen zu hören. Neben vielen aufgestellten Fahrrädern stehen Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer, die gemeinsam an den Rädern herumschrauben und sich gegenseitig Tipps zum Reparieren der Fahrräder geben.

Seit 2012 existiert das Projekt, welches in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Asyl Karlsruhe e.V. ins Leben gerufen wurde. „Wir wollten am liebsten etwas praktisches machen und da wir gerne mit den Fahrrädern unterwegs sind, dachten wir kombinieren wir das direkt mit der Flüchtlingshilfe", erzählt mir Tobias Fleiter, einer der Organisatoren des Projekts. Aktuell arbeiten zehn ehrenamtliche Helfer mit, die sich jeden Dienstag für zwei Stunden mit den Flüchtlingen treffen.

Mehr Infos zum Projekt:

Freundeskreis Asyl Karlsruhe e.V.

Bikes Without Borders

Tobias Fleiter, einer der Organisatoren von Bikes Without Borders. Foto: Silas Zbornik

Laut Fleiter wird das Angebot auch sehr gut angenommen: „Pro Woche geben wir fünf bis zehn Fahrräder an Flüchtlinge aus. Mehr ist in der kurzen Zeit auch gar nicht machbar." Das Konzept ist schnell erklärt: Flüchtlinge, die ein Fahrrad möchten, können sich in eine Liste eintragen und bekommen dann für 2 Wochen ein eigenes Fahrrad inklusive Zahlenschloss. Wer das Fahrrad selbst repariert rückt in der Warteliste weiter vor. Das Projekt finanziert sich durch Geld- und Materialspenden. Zudem war man bis vor kurzem allerdings auch sehr stark vom Wetter abhängig, da die Treffen immer im Freien stattfinden.

Raum für mehr

Neben dem oftmals unberechenbaren Wetter war bisher auch immer der Platzmangel für Ersatzteile ein Grund für eine Raumerweiterung des Projekts. „Wir haben schon immer einen Raum für das Projekt gesucht und haben für ein paar Jahre im Menschenrechtszentrum ein Regal im Büro für die Aufbewahrung von Werkzeugen und Ersatzteilen genutzt", erzählt Fleiter. „Eine Truppe von Architekturstudenten, die wir mal kennen gelernt hatten, hat dann im Rahmen eines Studienprojekts den Plan für die Werkstatt entworfen". Die Werkstatt, die sowohl durch Spenden als auch durch zwei Preisgelder finanziert wurde, steht mittlerweile direkt neben dem Menschenrechtszentrum und wurde am 19.05.2015 offiziell eingeweiht.

Bikes Without Borders bei der Arbeit

Einblicke in den BWB Alltag. Fotos: Silas Zbornik

Weiterentwicklung

Inzwischen gibt es reichlich Fahrräder vor Ort. Sogar so viele, dass "Bikes Without Borders” von einem reinen Ausleihkonzept abweicht und auch Fahrräder gegen eine Pfandgebühr von 10€ verkauft. Zum einen liegt das an dem großen Repertoire an Fahrrädern, zum anderen, meint Fleiter, liegt das aber auch an den Flüchtlingen selbst: „Wir haben das Konzept mit einem Verleih begonnen, weil die Flüchtlinge aus der Landeserstaufnahmestelle (LEA) meistens nur zwei bis drei Monate vor Ort sind. Mittlerweile haben wir aber viele Fahrräder und es kommen auch sehr viele Flüchtlinge außerhalb Karlsruhes hier her. Denen müssen wir das dann ja nicht verleihen, die können das Fahrrad dann auch einfach behalten."

Auch an Expansion haben die Jungs und Mädels schon gedacht. Neben den Treffen beim Menschenrechtszentrum werden auch an einer Außenstelle der LEA in Hagsfeld mit der Hilfe von Studenten Fahrräder an Flüchtlinge verteilt. Weitere Ideen, das Projekt zu erweitern wären ein Fahrradfahrkurs und die Flüchtlinge mehr in die Reparaturarbeiten zu involvieren. Für die Umsetzung fehlt den Freiwilligen von "Bikes Without Borders” jedoch bisher die Zeit.

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Über den Autor

Silas Zbornik

Crossmedia-Redaktion
Eingeschrieben seit: Winter Semester 2014/15