Nachhaltig Einkaufen in unseren Supermärkten

Bio-Cashing - Was versteckt sich hinter deutschen Gütesiegeln?

05.02.2015

Im Supermarkt finden wir reihenweise Bio-Gütesiegel, die uns etwas über die Qualität, die Herkunft oder die Herstellung von Produkten aussagen sollen. Doch was genau steckt hinter den Bio-Siegeln auf Lebensmitteln? Welche Kriterien müssen das Produkt und dessen Erzeuger erfüllen? Häufig wissen Konsumenten nicht, was sich genau hinter den jeweiligen Siegeln verbirgt.

Ann-Sophie W. (26 Jahre) im Supermarkt / Privat

Ann-Sophie W. (26 Jahre) aus Stuttgart Heslach steht vor den zahlreichen Bio-Regalen im Supermarkt und ist mit dem Angebot regelrecht überfordert. Sie weiß nicht genau, worauf sie bei ihrem Einkauf als Erstes achten soll. Beeinflusst von Skandalen, die uns die Medien in vergangener Zeit über Massentierhaltung, Seuchen oder Genmanipulation lieferten, will auch sie zukünftig mehr darauf achten wie die Produkte die sie einkauft hergestellt werden. Doch schon bei dem Versuch im Supermarkt zu dem "richtigen" Bio-Produkt zu greifen, wird sie vor eine große Herausforderung gestellt. Welches Gütesiegel erfülllt ihre Ansprüche? Ann-Sophie muss feststellen, dass ihr die Gütesiegel, die sie auf den Produkten findet, wenig Auskunft über die Herstellung oder die Qualität preisgeben. Dabei geht es ihr wie zahlreichen anderen Verbrauchern, die sich mehr Klarheit über die einzelnen Gütesiegel verschaffen möchten.

Das staatliche Bio-Gütesiegel

Dank des immer größer werdenden Angebots in unseren Supermärkten, ist mittlerweile nahezu jedes Produkt in der Biovariante erhältlich. Bio Müsli, Bio Säfte, Bio Fleisch, Bio Joghurt bis hin zu Bio Wein. Auf den meisten Produkten ist das staatlich anerkannte Bio-Gütesiegel zu finden. Dieses kennzeichnet alle Produkte und Lebensmittel, die nach den Rechtsvorschriften der EG-Öko-Verordnung für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert wurden. Dieses Siegel wurde 2001 in Deutschland eingeführt. Grundsätzlich steht es für den Verzicht auf Gentechnik, chemisch-synthetische Düngemittel und chemisch-synthetische Pestizide, eine artgerechte Tierhaltung und regelmäßige Kontrollen. Es ist auf allen Produkten zu finden, die mit ökologischer Landwirtschaft produziert werden. Angefangen von Honig über Gemüse bis hin zu Fisch aus Aquakulturen. Zudem verlangt das Siegel, dass das Produkt keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe oder Emulgatoren enthält.

Doch nicht nur das Produkt, sondern auch die Landwirte müssen einige Anforderungen erfüllen um von dem konventionellen Landwirt zum "Bio-Bauern" zu werden. Für die Umstellung hat ein Landwirt nach Beantragung drei Jahre Zeit. Dabei muss sich an eine bestimmte Durchführungsverordnung gehalten werden. Kontrollstellen überprüfen dann einzelne Faktoren wie beispielsweise die Größe des Stalls, die eingesetzten Pflanzenschutzmittel oder die Herstellung des Futters. Diese Kontrollstellen werden durch die jeweiligen Regierungspräsidien überwacht und durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bestimmt. Trägt ein Produkt das staatliche Bio-Siegel, so ist es mit einer Zertifizierungsnummer versehen, die dem Verbraucher Auskunft über die zuständige Kontrollstelle liefert. Der Code (DE-ÖKO-003) besteht aus einem Länderkürzel (DE für Deutschland), – ÖKO –, und der Kontrollstellennummer (bspw. 003). Im Internet findet der Verbraucher eine Liste über die er zurückverfolgen kann, welche Kontrollstelle für das gekaufte Lebensmittel zuständig ist.

Hält sich ein Landwirt oder eine Kontrollstelle nicht an die Vorschriften der EG-Öko Verordnung, wird dies polizeilich verfolgt. Auch bei Missbrauch der Verwendung des Siegels, fordert das Öko-Kennzeichengesetz Geldbußen und Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr.

Grundsätzlich kann sich ein Verbraucher also beim Einkauf darauf verlassen, dass durch das staatliche Bio-Gütesiegel die Mindestanforderungen die in Deutschland und der EU an ein Bioprodukt gestellt werden, ausreichend erfüllt sind.

Andere gängige Gütesiegel

Zusätzlich zu dem staatlichen Bio-Gütesiegel gibt es viele Verbands-Siegel. Daher rührt häufig auch die Verwirrung der Verbraucher. Oftmals wird irrtümlicherweise den Verbandssiegeln unterstellt, über die ökologische Herkunft des Produktes zu flunkern. Doch das Gegenteil ist der Fall. Verbände wie Demeter oder Bioland haben meist viel strengere Anforderungen an ihre Produkte als die staatlichen Siegel. Der größte Unterschied besteht darin, dass die staatlichen Siegel eine Mischform von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft zulassen, welche die Verbände untersagen. Auch in Punkto Tierhaltung sind deutliche Unterschiede erkennbar. Beispielsweise verbietet der Demeter Verband jegliche Tiertransporte, welche eine Entfernung von 200 km übersteigen. Jeder Verband verfolgt dabei andere Prinzipien. Hier liegt es am Verbraucher, sich zu informieren und für seinen individuellen Prinzipien und Anforderungen zu entscheiden.

Eine Übersicht verschaffen und beim nächsten Einkauf im Supermarkt davon profitieren. Kurzübersicht über die gängigsten Gütesiegel in deutschen Supermärkten / Privat

Was empfehlen Experten?

Verbraucher neigen dazu, an der Echtheit der Gütesiegel zu zweifeln. Heike Silber aus der Abteilung Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg, empfiehlt sich voranging an dem EU-Siegel oder dem staatlichen Bio-Siegel zu orientieren, welche eine Garantie für die biologische Erzeugung der Produkte bieten. Jedoch müssen Verbraucher auf Formulierungen wie „kontrollierter" oder „integrierter" Anbau Acht geben. Diese Begriffe kennzeichnen keine Bio-Produkte. EU-weit sind lediglich die Begriffe „biologisch" und „ökologisch" geschützt. Auch ähnlich klingende Siegel wie „Neuland" (angelehnt an Bioland), sind keine Bio-Siegel.

Markus Wolter, WWF-Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung warnt davor, sich von den regionalen Gütesiegeln ablenken zu lassen. Diese haben in der Regel nichts mit den Bio-Siegeln zu tun und geben keine Details über die Haltung oder den Anbau preis. Aus der Region bedeutet nicht gleich Bio. Um regionale Bioprodukte einzukaufen, kann sich der Verbraucher an dem Bio-Baden-Württemberg Siegel orientieren, falls der Bauer um die Ecke kein ökologischer Landwirt ist. Dies ist gekennzeichnet durch die Verbindung des staatlichen Gütesiegels mit dem Wappen Baden-Württembergs.

Um wirklich nachhaltig einzukaufen, empfehlen Experten jedoch mehr als nur die Siegel zu beachten. Sie bieten einen guten Ansatz, um den Konsum der Masse auf Qualitätsware und umweltbewusste Erzeugung der Produkte zu lenken. Der Verzehr von saisonalen Bioprodukten aus der Region, bietet ein höheres Maß an Nachhaltigkeit als beispielsweise die Bio-Tomaten aus Süd-Italien.

Für Ann-Sophie haben sie folgenden Tipp:

Als Faustregel kann sich der Verbraucher merken, dass kein Produkt existiert, auf dem ein Verbandssiegel OHNE ein staatliches Siegel abgebildet ist, da die Verbandssiegel die staatlichen Mindestanforderungen oft weit übertreffen.

In Zukunft

In Zukunft kann sich Ann-Sophie W. aufgrund unserer Öko-Verordnung in der EU bei ihrem Einkauf darauf verlassen, dass alle abgepackten Produkte die ein staatliches Bio-Gütesiegel tragen, auch wirklich Bio-Produkte sind. Reicht ihr die Mindestanforderung an ein Bioprodukt nicht aus, so kann sie sich im Internet oder bei Experten Informationen über weitere Verbandssiegel wie Bioland oder Demeter und deren Anforderungen einholen.

Wichtig für Verbraucher ist es, sich einen Überblick zu verschaffen, auf die staatlichen Regelungen und Richtlinien zu bauen und für sich persönlich die "richtige" Kaufentscheidung zu treffen.

Bio-Gütesiegel in unseren Supermärkten

Ein kurzer Einblick in die Bio-Welt in einem Stuttgarter Supermarkt.

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Über den Autor

Corinna Wenig

Print & Publishing
Eingeschrieben seit: WS 14/15