Bioeinrichtung

Biomöbel versus Tischlerware

20.01.2015

Das Biosiegel kennt jeder. Allerdings kennt man es eher aus dem Supermarkt als aus Möbelhäusern. Doch vier Gleichgesinnte entwickelten zusammen eine neue Geschäftsidee: Sie vertreiben Biomöbel über ihren Onlineshop. Aber sind diese Produkte wirklich nachhaltiger als die eines herkömmlichen Tischlers?

Die Idee von „Green Living Berlin" scheint etwas völlig neues zu sein. Ihre Absicht ist es, funktionales Design und Ökologie zu vereinbaren. Was heißt das genau? Sie produzieren also umweltbewusst und nutzen ausschließlich „grüne" Materialien. Das bedeutet, dass sie vollständig auf Tropenhölzer verzichten und nur auf heimische Baumarten zurückgreifen. Bei der Behandlung des Holzes achten sie darauf keine gesundheitsschädlichen Öle und Lacke zu verwenden. Das Unternehmen fungiert außerdem als Möbelhändler und bezieht seine Produkte von Herstellern aus Europa: „Unsere Lieferanten kommen aus Italien, Spanien und vor allem aus Skandinavien", so die Shopmanagerin Veronica Günther. Deshalb seien die Transportwege vergleichbar kurz. „Green Living Berlin" verlangt Herkunftszertifikate von seinen Lieferanten: laut eigener Aussage werden Materialien und Inhaltsstoffe offengelegt. Trotzdem sei es ihnen möglich, auf die individuellen Wünsche ihrer Kunden einzugehen. Die Möbel und Wohnaccessoires, die das Unternehmen von seinen Lieferanten bezieht, werden nämlich in kleinen Manufakturen hergestellt.

Schadstoffe in der Wohnungseinrichtung

Laut des Deutschen Grünen Kreuzes landen in Deutschland jährlich ungefähr sieben Millionen Tonnen Möbel auf dem Müll. Bei jedem Umzug werden Möbel weggeworfen und neue Möbelstücke gekauft. Doch wer achtet dabei auf mögliche Schadstoffe in seinem neuen Regal? Wer kennt zum Beispiel Formaldehyd? Diese chemische Verbindung wird als Konservierungsmittel für Lacke, Farben und Öle genutzt. Der Kleber in Spanplatten besteht zu 25 Prozent aus Formaldehyd. Er kann Kopfschmerzen, Allergien und Asthma auslösen. Außerdem wird er von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft. Deshalb gibt es einige Siegel, die den Verbraucher vor Schadstoffen in Produkten schützen sollen. Leider ist es als Käufer jedoch relativ schwierig einzuschätzen, auf welches Gütesiegel man sich wirklich verlassen kann.

Eine Flut an Gütesiegeln

Erschreckenderweise sind auf Nachfrage von HUIZ auch offizielle Stellen mit den Biosiegeln nicht vertraut. Weder der Schreinerverband, noch das Forstministerium Baden-Württemberg konnte etwas zum Thema Gütesiegel sagen. Kein Wunder also, dass die Verbraucher verwirrt sind. Nur das Umweltministerium konnte für Aufklärung sorgen. Ein verlässliches Siegel sei beispielsweise das „FSC" Label . Es garantiert dem Verbraucher, dass sein Produkt aus einer kontrollierten Forstwirtschaft stammt. So soll eine nachhaltige Nutzung garantiert werden. Deshalb wird die Abholzung streng beobachtet. Zusätzlich werden für jeden abgeholzten Baum neue gepflanzt. Außerdem steht das FSC-Label laut der Website für eine „ökologisch angepasste, sozial förderliche und wirtschaftlich rentable Bewirtschaftung der Wälder". Das FSC-Label findet sich vor allem auf Verpackungen oder Schreibwaren.

Ein anderes vertrauenswürdiges Siegel ist der „blaue Engel". Er kontrolliert Produkte seit 1978 nach gesundheitlichen und ökologischen Kriterien. Je nach Produktgruppe gibt es bestimmte Kriterien, die erfüllt werden müssen, um den „blauen Engel" als Siegel zu erhalten (www.blauer-umwelt.de). Dabei sind unter anderem Grenzwerte für Schadstoffe wie Formaldehyd festgelegt. Somit weiß der Verbraucher, dass er ein Produkt kauft, das möglichst unschädlich für Mensch und Umwelt ist.

Was der Tischler dazu sagt

Doch welche Möbel sind wirklich nachhaltiger – die der Biohersteller oder die eines herkömmlichen Tischlers? Karsten Schmitz aus Holzminden produziert Fenster, Türen und Möbelstücke. Viele Konsumenten vergessen, dass auch ein Tischler Vorgaben hat, an die er sich halten muss. Auch er muss Grenzwerte bei Lackierungen einhalten, damit sein Kunde keine gesundheitlichen Schäden davonträgt. Ein herkömmlicher Tischler bezieht seine Materialien von Großhändlern und kann dabei nicht nachvollziehen, woher das Holz stammt. Generell aber orientieren sich auch normale Tischler am „FSC" Label. Genau wie Green Living Berlin verwendet Schmitz keine Tropenhölzer. Er betont, dass der Preis für ein biozertifiziertes Möbelstück immens steigt und ein „Normalsterblicher" nicht bereit sei, diesen zu zahlen. Außerdem transportiert ein herkömmlicher Tischler seine Produkte gewöhnlich nicht quer durch Europa. Dadurch verringert sich auch die Lieferzeit: Green Living Berlin braucht durchschnittlich doppelt so lange wie Schmitz. Vermutlich sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied bei der Produktion letztendlich ausmachen. Sei es bloß, welcher Kleber verwendet wird oder die Nähe zum Kunden aufgrund der Ortsansässigkeit. Sowohl das Unternehmen, als auch der Tischler können beide auf den individuellen Wunsch des Kunden eingehen. Schmitz betont außerdem, dass auch er auf zertifiziertes Material zurückgreifen könne, wenn der Kunde es verlangt. Außerdem produziert ein lokaler Tischler nicht unbedingt umweltschädlich, nur weil er keine gesetzlichen Vorgaben als eine „besondere" Leistung oder Einstellung hervorhebt. Dem Kunden bleibt letztlich selbst überlassen, wie wichtig ihm ein offizielles Siegel auf seinem Holzregal ist und auch wie viel er dafür ausgeben möchte.

Wie bekommt man ein FSC Siegel?

Wie bekommt man ein FSC Siegel? Für mehr Informationen, klicken Sie hier

Klicken Sie hier, um die Infografik anzusehen.

Total votes: 294
 

Über die Autoren

Darleen Owsianski

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2014

Kasper Vaneeckhout

Crossmedia Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014 2015