Einigkeit und Recht und Fußball

In blau-weiß sind alle gleich

22.06.2015

In der Hoffnung auf den großen Durchbruch im Fußball versuchen junge Talente aus dem Ausland ihr Glück in Deutschland. Der 17-jährige Andrei Capstrimb aus Rumänien will sein Können beim Karlsruher Sport Club beweisen. Der Fußball hat ihm geholfen, Probleme mit der neuen Sprache und der fremden Kultur zu meistern.

Edmund Becker - Leiter des KSC Nachwuchsleistungszentrum (Foto: Stefanie Julia Heinrich)

Die meisten Mannschaftssportarten haben einen großen Titel zum Ziel, doch der Fußball bietet mehr als einen goldenen Pokal: „Fußball ist ein Sport in Deutschland, der mit weitem Abstand die Nummer eins auf der Beliebtheitsskala ist. Er hat einen enorm hohen Stellenwert in der Gesellschaft", sagt Edmund Becker (58), seit 2010 Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des Karlsruher Sport-Clubs. In dieser Popularität sieht Becker auch den Hauptvorteil gegenüber anderen Mannschaftssportarten, wenn es um die Integration junger Nachwuchsspieler aus dem Ausland geht. Zum einen sei der Fokus der Öffentlichkeit enorm groß – drastische Fehler würden höchstwahrscheinlich entlarvt – zum anderen seien migrierte Sportler im deutschen Fußball der Normalfall. Wenn es um die Integration durch Fußball geht, haben deutsche Profi-Vereine deshalb einen enormen Erfahrungsschatz unter den Argusaugen der Öffentlichkeit gesammelt.

Das runde Leder und seine integrative Kraft

Neben seiner Beliebtheit unterstützt Fußball die Integration auch durch das Prinzip des Mannschaftssports. Egal welche Muttersprache oder welches Herkunftsland, während des Spiels sind alle gleich und haben dasselbe Ziel vor Augen: „Man ist in der Gruppe zusammen und hat gemeinsame Erlebnisse, die Mut machen. Daraus ergibt sich Anerkennung für jeden Spieler, die die Integration sehr erleichtern", so Becker. Doch das Gemeinschaftserlebnis allein reicht nicht. Erfolgreiche Integration durch Fußball erfordert ein notwendiges Schlüsselelement: die Sprache.

Doru Plavitu - Chefscout bei WB Sportmanagement (Foto: Stefanie Julia Heinrich)

„Wenn man die Sprache nicht beherrscht, kann man nicht zeigen, was man draufhat"

Doru Plavitu ist Chefscout bei WB Sportmanagement und vor 26 Jahren von Rumänien nach Deutschland gekommen. Er brachte den 17-jährigen Andrei vor zwei Jahren aus Rumänien zum KSC und begleitete ihn bei seinen ersten Schritten in Deutschland. Für Jobs wie diese ist Plavitu bestens geeignet, denn er hat alle Schwierigkeiten, die Andrei überstehen muss, gemeistert: „Die größte Schwierigkeit am Anfang ist, dass man sich nicht ausdrücken kann. Gestik und Mimik reichen nicht immer aus, wenn man auf der Straße angesprochen wird", erinnert sich Plavitu. Bereitet die neue Sprache noch Schwierigkeiten, gäbe es auch Probleme damit, Anschluss bei Gleichaltrigen zu finden, geschweige denn den Anweisungen des Trainers richtig folgen zu können. „Wenn man als Nachwuchsspieler die Sprache noch nicht richtig beherrscht, kann man auch nicht zeigen, was man drauf hat", erklärt Plavitu. Die Sprache als wichtigsten Faktor für Integration sieht auch Edmund Becker: „Wenn man nicht kommunizieren kann, wird es schulisch schwierig und man findet sich nur sehr schwer in der Mannschaft zurecht." Der Austausch sei nicht möglich, weder mit Mitschülern oder -spielern, noch mit Lehrern oder dem Trainer. Aus fußballerischer Sicht ist gerade der direkte Draht zum Trainer entscheidend. Er kann umfassend Auskunft darüber geben, was ein Spieler richtig oder falsch macht. Bei der Weiterentwicklung in Richtung Profifußball ist das maßgeblich.

So unterstützt der KSC immigrierte Nachwuchstalente

Im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher Sport-Clubs werden derzeit rund 200 Kinder und Jugendliche ausgebildet. Alle haben den Traum Profifußballer zu werden. Sport und Bildung gehen dabei Hand in Hand. „Der KSC versucht mit Pädagogen, Spieler wie Andrei zu unterstützen, wenn sie neu nach Deutschland kommen. So soll ihnen die Integration in die Mannschaft und im schulischen Bereich erleichtert werden", so Becker. Bei Bedarf bekommen die jungen Spieler auch Einzelunterricht. Sind Nachwuchsspieler ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen, können Sie im Internat des Vereins unterkommen. In solchen Fällen muss besonders auf die Entwicklung der Spieler geachtet werden. Dazu braucht es Leute, die die Kinder und Jugendlichen begleiten und bei Enttäuschungen auffangen. Neben dem Verein helfen hier beispielsweise auch Spielerberater wie Doru Plavitu.

Bestbewertung für das Nachwuchsleistungszentrum des KSC

Damit die Bundesligisten angespornt werden, ihre Nachwuchsleistungszentren stetig zu verbessern, nimmt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) alle drei Jahre eine Bewertung der Zentren vor. Dabei greift er auf ein Wertesystem von null bis zu drei Sternen zurück, das auch die gelungene Integration von Spielern aus dem Ausland berücksichtigt. Die letzte Bewertung wurde vergangenes Jahr im Sommer vorgenommen. Im offiziellen Bericht des DFB zum Leistungszentrum des Karlsruher Sport-Clubs heißt es: In der „Effektivität und Durchlässigkeit wird ein exzellentes Resultat erreicht". Dieses werde formal mit einem Bonus von einem Stern honoriert. Das Gesamtergebnis von maximal drei Sternen sei bereits ohne diesen Bonus erreicht.

Nachwuchstalent Andrei aus Rumänien

Wie die Integrationsbemühungen des Karlsruher Sport-Clubs konkret aussehen, veranschaulicht ein knapp dreiminütiger Videobeitrag über Andrei Capstrimb (17) aus Rumänien. Andrei ist erst seit zwei Jahren in Deutschland, konnte die Sprachbarriere überwinden und sich durch den Fußball immer mehr öffnen. Sein Traum: Irgendwann will er ganz oben in der Königsklasse mit seinen Idolen spielen.

In blau-weiß sind alle gleich

KSC-Nachwuchstalent Andrei auf dem Weg zum Profifußballer; Musik: https://www.frametraxx.de/info/kostenlose-gemafreie-musik.html?gclid=CMmTicHzvsUCFejJtAodcHgAYg

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Über die Autoren

Chiara Händel

Elektronische Medien Master (Unternehmenskommunikation)
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015

Julian Müller

Master Elektronische Medien (Unternehmenskommunikation)
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015

Stefanie Julia Heinrich

Elektronische Medien Master
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015