Nachhaltige Gastfreundschaft

Couch-Potatoes – aber bio!

11.12.2014

Reiselust und Umweltschutz – geht das? Die Plattform „Sustainable Couch“ verspricht nicht nur ein Dach über dem Kopf, Begegnung und Toleranz, sondern auch Nachhaltigkeit auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene. Wir wollen das ausprobieren: auf alternativen Wegen gehen und eine andere Stadt mit den Augen eines anderen sehen.

„CouchSurfing", das kennt wohl jeder – aber was steckt eigentlich hinter diesem Begriff? Eine Couch ist das Symbol für „hospex", das bedeutet „hospitality exchange networks". Es geht um Gastfreundschaftsnetzwerke, die online funktionieren. Zu „hospex" gehört das gängige „CouchSurfing" genauso wie die weniger populäre Plattform „Sustainable Couch". Die Idee dahinter ist folgende: Nachhaltigkeit soll vermittelt werden – und zwar zwischen Gastgeber und Gast. Ob der Gastgeber nun ein Fahrrad für seinen Gast zur Verfügung stellt oder ob er mit ihm ein Gericht aus lokalen und saisonalen Zutaten kocht, ist ihm überlassen; es gibt keine Vorgaben, auf der Plattform findet man nur Tipps und Ideen.

Von Skype nach Berlin

Onlinedienste benötigen meist ein Login, so auch bei „Sustainable Couch". Los geht’s für uns mit dem Benutzernamen: „Hochschulprojekt". Es soll ja jeder gleich sehen, was wir vorhaben. Und das Passwort? „Hallo123". Nun geht es auf die Suche nach geeigneten Gastgebern; „Hosts", wie sie in der Community bezeichnet werden. Schnell wird uns klar, dass die Auswahl in Deutschland begrenzt ist, und zwar auf Berlin. Wie wir auf der Website erfahren, steht Wien in Sachen nachhaltiges Couchsurfen auf Platz eins, Bratislava belegt den zweiten Platz, Berlin folgt.

Nachdem wir einige Mitglieder kontaktiert haben, warten wir auf Antworten. Die kommen recht zügig, unter anderem durch Henning: 26 Jahre alt, Student, „schon ewig CouchSurfer", wie er uns in einem Skype-Interview erzählt. Er ist Bartträger, seine dunklen Haare sind so lang, dass sie ihm auf die Schultern fallen. Die braune Hornbrille rutscht ihm von der Nase, während er spricht. „Ich habe mich zuerst immer hosten lassen, aber dann gemerkt, dass man doch auch etwas zurückbekommt, wenn man Reisende aufnimmt. Man hat ja meistens ähnliche Interessen und versteht sich gut. Neue Freunde warten eigentlich überall auf einen." Vegan lebt er seit drei Jahren, eingekauft wird in Läden, die lokale Bio-Produkte vertreiben, Kaffee und Kleider sind fair-trade. „Mir ist es wichtig, auf mich und meine Umwelt achtzugeben. Ich will aber auf nichts verzichten! Es gibt so viele Alternativen", erzählt Henning, während er sich eine Zigarette dreht. So auch die Alternative „Sustainable Couch". Rein zufällig sei er darauf gestoßen und von der Idee begeistert gewesen: „Das Konzept von „CouchSurfing" unterstütze ich schon lange. Dass sich das jetzt mit meinem Interesse an Nachhaltigkeit kreuzen soll, fand ich super." Henning ist vor allem der Austausch wichtig, der zwischen Host und Gast stattfindet. Er will zeigen, wie er lebt, will aber auch von anderen dazulernen. Zum Abschied zündet er sich seine Zigarette an.

Wir beschließen nach Berlin zu fahren. Aber Henning hat keine Zeit. Er beherbergt an diesem Wochenende schon Gäste. Weiter geht die Suche. Ein paar Absagen, Zusagen und Skype-Dates später finden wir Caro. Sie ist 21, lebt seit zwei Jahren in Berlin und will uns eine Stadtführung geben, in der sie uns ihre nachhaltigen Lieblingsplätze zeigt. Der Termin steht fest, die Zugtickets sind gebucht. Wir couchsurfen zum ersten Mal und sind gespannt.

Hosting, Surfing – und Travelling

Die Community „CouchSurfing" hat weltweit über drei Millionen Mitglieder; Sustainable Couch knapp 400. Der Gründer Massimiliano, bezeichnet die Plattform als Informations- und Vernetzungsquelle. Für mehr Information sorgt der monatliche Newsletter mit dem Namen „Sustainable Wave-Letter". Interessierte werden so nicht nur informiert, sondern auch zum nachhaltigen Handeln animiert. Das funktioniert zum Beispiel mit veganen Rezeptheften oder mit Geschichten von Mitgliedern, die erfolgreich auf ihr Auto verzichten. Ein großer Wert wird auf die soziale Nachhaltigkeit gelegt: Respekt, Toleranz und interkulturelles Verständnis sind grundlegend für alle Mitglieder. Rassismus, Sexismus und Intoleranz akzeptiert hier keiner.

Beim geläufigen Couchsurfen schlüpft man in verschiedene Rollen; man ist Host, Gast und beispielsweise Mitglied beim lokalen Stammtisch. Anders ist das bei „Sustainable Couch". Es gibt vier Themenbereiche: „Sustainable Hosting", „Sustainable Surfing", „Sustainable Community" und „Sustainable Travelling". So kann sich ein Interessierter explizit mit dem Aspekt auseinandersetzen, der für ihn in Frage kommt. Viele Teilnehmer, die das „Sustainable Hosting" betreiben, haben eine sogenannte „Free Box". Diese „Free Box" dient ebenfalls zum Austausch, aber auf materieller Ebene. Verschiedene Habseligkeiten können dadurch geteilt und getauscht werden. So wird nichts weggeschmissen. Wer keine Couch in Anspruch nehmen will, bekommt auf der Plattform unter der Rubrik „Sustainable Travelling" Tipps und Anregungen für das nachhaltige Reisen. Denn nur so ist Reiselust mit Umweltschutz vereinbar.

Wir wollen zunächst ausprobieren, „sustainable zu surfen". Nach 6 Stunden Zugfahrt sind wir am Berliner Hauptbahnhof. Jetzt müssen wir nach Steglitz; dort wohnt Caro, unser Sustainable Host".

Couchsurfing in Berlin - die Stadt der grünen Trends

Ein nachhaltiger Städtetrip durch Berlin

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Über die Autoren

Patricia Schaller

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SoSe 2014

Cassandra Schneider

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SoSe 2014