Anti-Baby-Pille

Das Lifestyle-Medikament mit Risiken

08.06.2016

In Deutschland zählt die Anti-Baby-Pille zu den beliebtesten und sichersten Verhütungsmitteln. Vor allem in den öffentlichen Medien wird sie meistens als „Wunderpille“ angepriesen. Ihre Nebenwirkungen werden oftmals unterschätzt. Es wird nicht bedacht, dass es sich bei dem Hormonpräparat um ein hochwirksames Arzneimittel handelt.

Durch die Einnahme der Pille wird dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht, die den Empfängnisschutz sichert. |Bild: Laura Quickert

Sie macht Haut und Haare schön, reguliert den Menstruationszyklus und gibt Sicherheit beim Sex. Die Pille wird von vielen Frauen täglich wie ein Bonbon eingenommen – sorglos und unbedacht. Der Beipackzettel, dessen Größe eher einer Landkarte ähnelt, verbleibt oft unbeachtet in der Verpackung. Doch ein Blick darauf lohnt sich. Neben leichten Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, kann die Pille auch zu lebensgefährlichen Erkrankungen führen.

Viele Frauen haben bereits schlechte Erfahrungen mit der Anti-Baby-Pille gesammelt. Zu ihnen zählt auch Steffi:

Steffis Geschichte

Mit 15 Jahren lässt Steffi sich die Pille verschreiben.

„Ein toller Nebeneffekt war, dass sie super bei Hautproblemen geholfen hat."

Sechs Jahre lang nimmt sie die Pille problemlos. Dann treten plötzlich erste Beschwerden auf.

„Ständig hatte ich Schmerzen unterhalb der Kniegelenke und konnte meine Beine nicht mehr ganz strecken. Weil es nach dem Laufen besonders schlimm war, dachte ich zuerst, es ist nur Muskelkater."

Als die Schmerzen nicht besser werden, fährt sie ins Krankenhaus. Per Ultraschall wird festgestellt: Steffi hat eine Thrombose im Bein. Da sie weder raucht, noch übergewichtig ist und auch kein erbliches Thromboserisiko besitzt, führt der Arzt das Blutgerinnsel auf die Pille zurück.

„Ich hätte nie gedacht, dass man in meinem Alter eine Thrombose bekommen kann!"

Daraufhin muss die heute 22-Jährige die Pille sofort absetzen und darf auch kein hormonelles Verhütungsmittel mehr nehmen, in dem Östrogene enthalten sind. Zudem muss sie vier Wochen lang Kompressionsstrümpfe tragen und sich Thrombosespritzen setzen. Da für sie andere hormonellen Verhütungsmethoden wie der Nuva Ring oder das Hormonstäbchen wegen ihres Östrogengehalts wegfallen, hat Steffi sich nun für die Kupferspirale entschieden.

Das berichten andere Frauen:
Enny, 35: „Im Nachhinein würde ich die Pille nicht mehr nehmen. Nicht nur wegen der Thrombosegefahr, sondern weil ich es als Frau wichtig finde seinen Zyklus und damit verbundene Veränderungen im Körper wahrzunehmen."

Debby, 27: „Ich bin quasi abhängig von der Pille. Ich habe mehrmals versucht sie abzusetzen. Doch jedes Mal erwarten mich Dauerkopfschmerzen, Akne und fettige Harre. Mit 27 will man nicht aussehen wie ein Teenager. Außerdem ist meine Libido aufgrund der Pille nicht mehr existent."

Mareike, 28: „Keine einzige Ärztin hat mich je über die Risiken der Pilleneinnahme aufgeklärt und irgendwie kommt man auch gar nicht darauf, danach zu fragen, denn die Pille ist normal und wird einfach verschrieben."

Meinung einer Frauenärztin

Die Gynäkologin Dr. K., die namentlich nicht genannt werden möchte, ist nicht die größte Befürworterin der Pille, würde sie jedoch auch nicht „verteufeln". Welches Verhütungsmittel sie verschreibt, hänge immer von der individuellen Verträglichkeit, den Gegebenheiten und Bedürfnissen der Person ab. Bei sehr jungen Patientinnen greift die Frauenärztin meistens auf die Pille zurück.

„Die ganz jungen Mädchen sind in der Regel nicht so offen für Alternativen. Bevor sie ungewollt schwanger werden, verschreibe ich ihnen eine niedrig dosierte Pille."

Mit älteren Patientinnen redet sie über deren Risiken, denn ab 30 steigt das Thromboserisiko auch schon ohne Einnahme hormoneller Präparate.

„Wenn jemand schlank ist, viel trinkt, nicht raucht und sich viel bewegt, dann kann man die Pille verschreiben. Bei Bluthochdruck, Übergewicht, Krampfadern, Thrombose oder Schlaganfällen in der Familie fällt sie flach."

Frau Dr. K. erklärt, dass viele Frauen sich die Pille gegen Akne, starken Haarwuchs oder zur Regulierung ihrer Blutung verschreiben lassen.

„Die Pille bügelt Probleme wie Akne oder Menstruationsbeschwerden glatt, sodass man den Eindruck bekommt, das sei ganz normal. Beim Absetzen gelangt man jedoch zurück in den alten Zustand."

Der Pillen-Hersteller Jenapharm, bei dem es sich um ein Tochterunternehmen der Firma Bayer handelt, möchte keine Stellungnahme zu den Nebenwirkungen seiner Pillenpräparate geben. Den Presserummel um die Pille hält die Frauenärztin Dr. K. für übertrieben:

„Bei jedem Medikament sind Nebenwirkungen möglich. Wenn man übergewichtig ist und raucht, dann steigt das Thromboserisiko um ein Vielfaches. Viele Patientinnen lesen den Beipackzettel einfach nicht durch und erzählen uns auch nicht, dass sie rauchen. In den öffentlichen Medien wird die Pille oft als Lifestyle-Medikament dargestellt. Ich halte das für gefährlich, denn man muss die Frauen auch über die Risiken aufklären."

Daher rät sie ihren Patientinnen sich über die verschiedenen Verhütungsmethoden gründlich zu informieren. Für die Informationsflyer, die sie ihnen mitgibt, so erzählt sie, interessieren sich die ganz jungen Mädchen meist leider nicht.

Die Einführung der Anti-Baby-Pille führte dazu, dass sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft in den letzten 50 Jahren stark gewandelt hat. |Grafik: Laura Quickert via Pictochart, Quelle: Pillenreport 2015 - Techniker Krankenkasse

Kritische Sicht eines Heilpraktikers

Der Heilpraktiker Klaus Huntscha sieht die starke hormonelle Behandlung durch die Pille als nicht gut an. Er erklärt, dass die hohen Hormondosierungen den Körper ungemein belasten und besonders bei jungen Mädchen zu einer sehr weiblichen Entwicklung führen, die nicht normal ist.

„Wenn die Pille so ungefährlich wäre und kaum Nebenwirkungen hätte, dann wäre sie nicht verschreibungspflichtig."

Der Heilpraktiker erzählt, dass durch die Pille die Zahl an Gefäßerkrankungen zunimmt, da viele Frauen rauchen und sich kaum bewegen. Eine weitere Langzeitfolge ist die zunehmende Tumorentwicklung im Alter – besonders von Brusttumor.

„Thrombosepatientinnen hatte ich schon oft hier. Am schlimmsten ist es, wenn Frauen in die Praxis kommen, die nicht mehr schwanger werden können."

Die Pille führt nicht zur Sterilität, das bestätigt Frau Dr. K., aber viele Frauen können durch eine lange Pilleneinnahme von über 10 Jahren nicht mehr natürlich schwanger werden, da ihr Hormonhaushalt sich erst wieder regulieren muss.

Ein weiteres Problem sieht Klaus Huntscha in der Trinkwasserbelastung:

„Die Hormone gelangen durch die Ausscheidung in unser Trinkwasser, wo sie weder abgebaut noch von den Kläranlagen hinausgefiltert werden können."

Der Heilpraktiker hält das Kondom in den ersten Jahren der Pubertät für am vernünftigsten, da dabei ein zusätzlicher Infektionsschutz gesichert ist. Bei einem stabilen Zyklus und einem festen Freund rät er zu nicht hormonellen Verhütungsmitteln wie beispielsweise der Kupferspirale oder einem Verhütungscomputer.

„Im Einzelfall, wenn schwere Störungen im Hormonsystem vorliegen, kann eine hormonelle Therapie unterstützend sinnvoll sein. Einem gesunden Mädchen würde ich von der Pille abraten."

Zwischen Frauenärzten und der Pharmaindustrie sieht er eine gewisse Abhängigkeit, da die Industrie viel Geld mit den Pillenpräparaten verdient und die Frauenärzte Gebühren für die Verschreibung von Pillenrezepten kassieren können. Das führe zu einer Win-Win-Situation:

„So wie der Frauenarzt die Pharmaindustrie braucht, so braucht letzten Endes der Dachdecker das Schieferwerk."

|Grafik: Laura Quickert via Pictochart, Quelle: Pillenreport 2015 - Techniker Krankenkasse, UNdata, Statista

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Über den Autor

Laura Quickert

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/2016