Innovative Technik

Das Smartphone heizt ein

18.11.2014

Wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag im Winter nach Hause kommt, gibt es nichts Schlimmeres als eine kalte Wohnung. Aber muss man die Heizung den ganzen Tag laufen lassen, ohne dass jemand da ist? Nein, es geht einfacher. Mit einem „smarten“ Heizungsadapter kann man die Heizkörper einfach per Smartphone anschalten, bevor man nach Hause kommt.

Es ist klein, leicht zu bedienen und dafür muss man nicht einmal zu Hause sein. Es ist keinesfalls komplex in der Installation oder unbezahlbar. Die Rede ist von einem Adapter für den Heizkörper mit dem man die Temperatur per App von seinem Smartphone aus regulieren kann. Die Heizung von unterwegs zu steuern, ist heutzutage kein Problem mehr. Smarte Heizungsregulierungssysteme steuern abhängig von der Anwesenheit der Hausbewohner, der aktuell gemessenen Raumtemperatur und dem Wetter die Heizung. So lässt sich Energie sparen und die Heizkosten können gesenkt werden. Neben der eigentlichen Steuereinheit, die mit der Heizungsanlage verbunden wird, benötigt man auch ein „Gateway", das die Verbindung zwischen der Steuereinheit, einem Temperatur-Sensor und dem Internet herstellt. Das Gateway ist dabei per Funk mit der Steuereinheit verbunden. Über diesen Adapter an der Heizung kann die Raumwärme über jedes beliebige mobile Endgerät reguliert werden. Wie jedes System, das Daten über das Internet überträgt, bringt auch dieses Gefahren und Schwierigkeiten mit sich. Haben intelligent Heizungssysteme Zukunftspotential oder sind sie nur ein Trend?

Herr Jochen Schneider ist Energieberater in der Verbraucherzentale Stuttgart, er sieht das so: „ Energetisch sind solche Regelungen sicher sinnvoll. Je besser ich mein Nutzungsprofil steuern kann, umso gezielter kann ich Energie sparen. Daher sind diese Heizungssysteme sicherlich unsere Zukunft, wenn auch in einer abgeschwächten Form." Unser Leben wird dank moderner Techniken immer mehr geregelt, der Nutzungskomfort steigt extrem. Unsere Prioritäten verlagern sich, wir wollen uns nicht mehr damit beschäftigen unsere Heizungen von Hand hochzudrehen und wieder abzuschalten. Diese Dinge sollen für uns erledigt werden.

Technische Aspekte

Die Adapter sind aber nicht für jeden Heizkörper und jedes Heizsystem geeignet. Blech- und Gusselemente sind schwer gebaut, deswegen heizen sie nur langsam auf und brauchen mehr Zeit, um abzukühlen.

Dadurch lässt sich die Temperatur schlechter regulieren. Moderne Heizkörper hingegen sind extrem dünn, leicht, schlank und schnell regelbar und somit nutzeroptimierter steuerbar. Es ist aber nicht nur wichtig, was für ein Heizsystem installiert ist. Es ist generell so, dass aufgrund der schlechten Isolierung in Altbauhäusern die benutzeroptimierte Heizungsregulierung dort weniger effizient ist als in einem Neubau. „Außerdem ist es von Vorteil, sich von vornherein beim Hausbau zu überlegen, ob man ein Steuerungssystem installiert. Die Nachrüstung ist schwieriger", so Schneider.

Nachhaltigkeit und Komfort

Ein smartes Heizsystem lohnt sich für eine fünfköpfige Familie weniger als für ein berufstätiges Paar. Bei Familien ist im Prinzip ständig jemand zu Hause, deshalb zahlt sich bei ihnen die externe Steuerung wegen der kurzen Abschaltzeiten der Heizung nicht aus. Bei einem berufstätigen Paar hingegen lohnt sich das Herunterfahren wirklich, da beide die meiste Zeit außer Haus sind. Die individuelle Anpassung steigert eindeutig den Wohnkomfort und der steht an erster Stelle. „Der energetische Vorteil ist natürlich gut, aber für viele Kunden ist das nicht der Hauptgrund, sich ein solches System anzuschaffen", betont Jochen Schneider. Das System ist aber auch risikobehaftet und kann Probleme mit sich bringen. Schon öfters traten bei Nutzern Probleme mit der dazugehörigen App auf. Nach einem Update konnte man seine Heizung nur noch mit 12 Stunden Verzögerung steuern. „Gehen Sie einmal davon aus, Ihr komplettes Haus ist über Ihr Smartphone steuerbar. Sie benutzen es als „Schlüssel" für die Heizung, zum Rollladen herunter fahren und für vieles mehr. Ihr Handyhersteller bringt nun ein neues Update für ihr Gerät auf den Markt und plötzlich kommen Sie nicht mehr in Ihr Haus herein. Oder noch schlimmer: Sie verlieren Ihr Handy und jemand anderes kann einfach in Ihr Haus rein", stellt er dar.

Datenschutz

Bei einem System, das die eigene Heizung mit dem Internet verbindet und eine Steuerung per App ermöglicht, kann einem schon etwas mulmig werden. Zudem "sieht” der Hersteller ja auch noch, wo ich bin bzw. ob jemand zu Hause ist. Der Heizungsregulierungshersteller Tado zum Beispiel gibt hierzu auf der Webseite an, dass man nicht wisse, wo genau ein Nutzer sich befinde, sondern nur wie weit das Smartphone von Zuhause entfernt sei. Jeder Kunde gibt trotzdem Information über sich preis, die ausgenutzt werden können.

Facebook-Diskussion

Das kennt doch jeder! Man will an einem schmuddeligen Wintertag einfach nur nach Hause, einen Tee trinken und sich gemütlich vor die Glotze setzen. Endlich daheim angekommen ist es dort arschkalt. Was wäre, wenn ihr eure Heizung einfach über´s

Smartphone von unterwegs steuern könntet? Dabei sendet ihr allerdings auch persönliche Informationen über’s Internet.

Ist das eine tolle Sache oder hättet ihr Angst um eure Daten? Diskutiert mit!

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Über den Autor

Lisa Herfurth

CR/PR Bachelor
Eingeschrieben seit: SS14