Faszination von Pyrotechnik

Das Spiel mit dem Feuer

03.12.2016

Emotion. Leidenschaft. Lebensinhalt. Das ist Pyrotechnik für die deutsche Ultra-Szene. Ultra bedeutet, alles andere hinter dem Support für den Verein anstellen – notfalls auch das Gesetz. So auch beim Einsatz von Feuerwerkskörpern, die in deutschen Stadien illegal sind.

Trotz des bundesweiten Verbotes wird Pyrotechnik in deutschen Stadien regelmäßig gezündet. |Quelle: Niko Kappel

„Wir sind Anhänger einer lebendigen und fröhlichen Pyrotechnik. Wir lieben die Emotionen, die mit einem Freudenfeuer nach dem Tor verbunden sind. Wir lieben die Pyrotechnik, so wie wir unsere Zaunfahnen, Choreographien, Gesänge lieben. Und: wir werden sie uns nicht nehmen lassen."
(Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren, Vereinigung aus 50 deutschen Ultra-Gruppierungen)

Ultras sagen von sich, sie seien die einzig wahren Fans im Fußball. Sie geben alles für ihren Verein. Immer und überall, nicht nur am Spieltag, sondern sieben Tage die Woche. Anspruchsvolle Choreographien, selbst gebastelte Fan-Artikel und eine bedingungslose Unterstützung für das eigene Team – auch während sportlichen Krisenzeiten. Über 25.000 Ultras gibt es in Deutschland. Damit sind sie die größte Subkultur des Landes. Auch wegen dem Einsatz von Pyrotechnik wird die Ultra-Bewegung öffentlich oft als gewaltbereit und gefährlich wahrgenommen.

Schwieriger Stand in Deutschland

Um die „Faszination Pyrotechnik" besser zu verstehen, muss man mit einem Ultra darüber gesprochen haben. Matthias (Name geändert) ist als Pyrotechnik-Befürworter vor allem wichtig, dass Feuerwerkskörper im Stadion wirklich gefährlich werden können. „Wenn Pyro in andere Blöcke oder auf den Platz geworfen wird, entsteht ein schwer kalkulierbares Risiko. Außerdem werden Böller von der Masse überhaupt nicht gesehen. Deshalb gehört sowas nicht im Stadion gezündet. Bengalische Feuer stellen für mich, wenn sie kontrolliert und verantwortungsbewusst gezündet werden, keine Gefahr dar."

Doch was heißt in diesem Fall verantwortungsbewusst? „Es sollte nur ruhig und sicher in den ersten Reihen gezündet werden. So zum Beispiel beim DFB-Pokal Spiel des VfB Stuttgart gegen den FC 08 Homburg. Da wurde die Pyro nur in der ersten Reihe gezündet, nicht Herumgeworfen und nach dem Abbrennen direkt an die Feuerwehr übergeben."

In Deutschland haben Feuerwerkskörper im Fußball einen schweren Stand. Im November 2013 brannten einige Fans des Hamburger SV beim Auswärtsspiel gegen Fortuna Düsseldorf mit bengalischen Feuern eine eigene Fahne ab. Die Bilder von dem brennenden Fan-Block gingen durch die Medien. Spätestens nach diesem Vorfall wurde der Dialog zum Thema Pyrotechnik zwischen Fan-Szene und DFB komplett eingestellt.

Immer noch in den Stadien

Trotz des Verbotes und erhöhten Sicherheitskontrollen kommt Pyrotechnik immer noch oft in die Stadien. Das Beschaffen könnte einfacher nicht sein. Wer „Pyrotechnik bestellen" bei Google eingibt, hat die Feuerwerkskörper fünf Klicks und fünf Tage später im Briefkasten. Die bengalischen Feuer in das Stadion zu bringen, ist schon schwieriger. Wie es den Ultras trotzdem immer wieder gelingt, haben wir herausgefunden:

Wir haben mit Vertretern der Ultraszene gesprochen, um zu dokumentieren, wie Pyrotechnik in die deutschen Stadien gelangt.

Die Illegalität der Pyrotechnik ist für Matthias eine Einschränkung seiner Freiheit. Er möchte selbst entscheiden, was er ins Stadion mitnimmt und wie er seinen Emotionen Ausdruck verleiht. „Der Moment, wenn eine Fackel oder ein Rauchtopf gezündet wird, löst in mir selbst eine große Portion Freude aus. Für mich ist das ein Ausdruck von Ausgelassenheit."

Matthias meint, dass die Ultra-Szene zu Kompromissen bereit wäre. Zum Beispiel könnte er sich vorstellen, den Behörden einen Ansprechpartner zum Thema zur Verfügung zu stellen. Auch könnten die Verbände verlangen, dass die Ultras nur von der Feuerwehr zertifiziertes Material verwenden. Aber Matthias sagt auch: „Die Angabe von Namen, also wer genau zündet, halte ich aber für schwer möglich. Genauso wenig möchte ich mich auch nicht in der Uhrzeit eingeschränkt wissen. Eine Fackel gehört spontan und zur passenden Situation gezündet, sei es ein Tor, ein geiles Lied oder einfach nur eine frei drehende Kurve."

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