Trinkwasserquelle und Tourismusregion

Das Tagebuch des Bodensees

05.02.2015

In Deutschland ist es Alltag und Normalität: Man dreht den Wasserhahn auf und füllt kaltes Wasser zum Kochen in einen Topf, man lässt sich ein warmes Bad ein oder man stillt den Durst mit Wasser aus der Leitung. Die Landeshauptstadt Stuttgart und Umgebung erhalten ihr Trinkwasser vom größten deutschen See im Dreiländereck. Damit die etwa vier Millionen Bürger in Baden-Württemberg die 125 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in die Leitung gepumpt bekommen, bedarf es eines aufwendigen Verfahrens zur Wassergewinnung.

Der Bodensee ist Trinkwasserquelle für Millionen Bürger (Foto: Jasmin Albrecht)

Mit einer Fläche von 536 Quadratkilometern und einer Tiefe von durchschnittlich 90 Metern zählt der Bodensee, der sich in Ober-und Untersee teilt, im Süden Deutschlands zu den größten Gewässern Europas.

Um das Wasser qualitativ in Stand zu halten erfordert es nicht nur die Zusammenarbeit von drei Ländern, sondern auch die kontinuierliche Überprüfung von regionalen Organisationen rund um den Bodensee.

Das Institut für Seenforschung (ISF), unter der Leitung von Dr. Martin Wessels, ist einer dieser „Wächter" des Sees. „Wir fahren im Abstand von zwei bis vier Wochen auf den See hinaus und entnehmen verschiedene Proben, die den Seezustand dokumentieren. Wir sehen uns zum Beispiel die Algen, das Zooplankton, also die Rädertiere und Krebse, aber auch die Nährstoffe und Metalle an", berichtet der Sachgebietsleiter Wessels. Zusätzlich könne man über spezielle Parameter die Zustände im Verlauf der Jahre vergleichen und Rückschlüsse aus der Vergangenheit für die Zukunft ziehen. „Diese Parameter sind quasi das Tagebuch des Sees", sagt der Geologe.

Wie der Seezustand sein muss, wird gesetzlich von den EU-Rahmenvorgaben bestimmt. Diese sehen derzeit vor, dass die Gewässer einen guten chemischen und ökologischen Zustand nachweisen müssen. Dies sei beim Bodensee momentan der Fall und auch die Trinkwasserqualität befinde sich laut Wessels in bester Ordnung.

Neue Gefahren für den See

Die Modernisierung der Gesellschaft ist auch für die Seenforschung ein großes Thema. „Neue Schadstoffe wie Medikamente und Pflanzenschutzmittel, die über Kläranlagen in das Wasser gelangen, stellen die Forschung und den Bodensee vor eine große Herausforderung, da sie das derzeit sehr saubere Wasser verschmutzen", so Wessels. Die Messprogramme können diese Spurenstoffe noch nicht identifizieren und auch der See selbst, müsse erst lernen damit umzugehen.

Aber auch betonierte Ufer sind ein Problem. Der Zuwachs von Wohngebieten sorgt für eine verbaute Küste, die der Natur auf Dauer schadet. Pflanzen bzw. Sträucher und damit Lebensraum für die Tiere gehen verloren. „Hier herrscht akuter Handlungsbedarf, in dem wir die Ufer Stück für Stück wieder renaturrieren", erklärt der Experte. Dies sei das vorrangige Ziel des Seenforschungsinstituts in nächster Zeit.

Im Forschungslabor werden die Ergebnisse regelmäßig ausgewertet. (Foto: Zweckverband Bodenseewasserversorgung)

Nachhaltige Trinkwasserquelle

Der Zweckverband Bodenseewasserversorgung mit Sitz in Stuttgart ist der Trinkwasser-Vorlieferant für 147 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg. „Die Art der Wassergewinnung aus dem Bodensee ist eine besonders nachhaltige Form, da der See jährlich von etwa elf Kubikmeter Wasser durchströmt wird, das sind 360.000 Liter in der Sekunde", erzählt Maria Quignon, Pressesprecherin des Verbandes .

Der Rhein führt dem See große Mengen von Schmelz-und Regenwasser aus den Alpen zu. „Im Vergleich zu diesen Mengen ist der Anteil der Wasserentnahme für die Trinkwasseraufbereitung mit gerade mal ein bis zwei Prozent gering und zudem sehr zukunftsbeständig", so die Pressesprecherin. Trotz Klimawandel gehe der Zweckverband momentan aber davon aus, dass die Bürgerinnen und Bürger auch in den nächsten Jahrzehnten ohne Probleme Trinkwasser aus dem Bodensee erhalten können. „Voraussetzung dafür ist natürlich seine konstant gute Qualität."

Der Bodensee im Wasserglas

Sipplingen am Bodensee ist eine kleine Gemeinde mit ca. 2.100 Einwohnern und zählt zum Obersee. Doch der beschauliche Ort leistet die gesamte Trinkwasserentnahme für Baden-Württemberg. „Aus 60 Metern Tiefe entnehmen wir das sogenannte Rohwasser über drei Türme, die auf dem Seegrund stehen. Anschließend bringen drei Leitungen das Wasser in ein Seepumpwerk, dass es wiederrum auf den 300 Meter hohen Sipplinger Berg befördert", erklärt Maria Quignon.

Zum Trinkwasser wird der Bodensee nach der Filterung und Entkeimung und geht anschließend auf seine Reise über die jeweiligen Kommunen, wie beispielsweise der „EnBW Regional", zu seinen Verbrauchern.

Der See und seine Zukunft

Die Experten Dr. Martin Wessels und Maria Quignon sind sich einig: Der See ist in einem sehr guten Zustand und seine Qualität stellt weder Gefahr für Mensch noch Tier dar. „Natürlich gibt es lokale Unterschiede. Der Obersee verfügt über einen anderen Zustand, als der Untersee, aber das ist auch ganz normal", so Wessels.

Maria Quignon ist überzeugt: Die Wassermenge schwindet nicht, die Trinkwasserqualität ist optimal und die EU-Richtlinien können bei dem aktuellen Stand auch in Zukunft eingehalten werden.

Der Bodensee

Internationale und nationale Organisationen kümmern sich täglich um eine einwandfrei Wasserqualität

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Über den Autor

Jasmin Albrecht

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: SoSe 2014