Der Kampf mit der eigenen Psyche

Depression – Modewort oder ernsthafte Gefahr?

17.01.2017

Derzeit leiden ungefähr vier Millionen Menschen in Deutschland an einer Depression. Wie sieht der Alltag der Betroffenen aus und wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

                               Ursula B. war an einer Depression erkrankt und spricht von ihrer erfolgreichen Therapie. | Bild: Maren Bertits

Sie sitzt unruhig am Küchentisch. Ursula B. wirkt angespannt, knetet mit ihren Händen. Sie ist vor 15 Jahren zum ersten Mal an Depression erkrankt, konnte dadurch nicht mehr richtig am Leben teilnehmen und hat sich von ihrer Familie zurückgezogen. Nur langsam konnte sie durch eine erfolgreiche Therapie wieder Spaß am Alltag entwickeln und die Krankheit hinter sich lassen.

„Es fällt mir sehr schwer über die Krankheit zu sprechen ohne dabei zu weinen oder emotional zu werden...", sagt sie.

Innere Leere, Unruhe, Abgeschlagenheit. Die Symptome einer Depression sind vielfältig und nur schwer einzugrenzen, denn die Ursache liegt hier im gesamten Bereich des Gehirns. Ganz im Gegenteil zu Zwangsstörungen oder einer Magersucht, denn diese psychischen Erkrankungen beschränken sich vielmehr auf einen bestimmten Bereich.

Die Begleiterscheinungen lassen sich meist nicht von normalen Beschwerden wie beispielsweise der Verdauung, Kopf- oder Rückenschmerzen unterscheiden. Die Betroffenen sind darüber hinaus aber auch müde, abgeschlagen und lustlos. Die Depression erschafft für sie ein Gefühl der Leere, aus dem sie sich von alleine kaum befreien können. Der Körper versucht sich zwar dagegen zu wehren – wodurch diese allgemeinen Beschwerden zustande kommen – schafft dies aber nicht. Denn der psychische Zustand hat einen stärkeren Einfluss auf den gesamten Organismus. Es kann sein, dass die Krankheit über einen Zeitraum vollständig verschwindet, aber nach Monaten oder sogar Jahren wieder plötzlich auftritt. Hier muss der Patient schnell handeln und erneut Tabletten oder Tropfen einnehmen, die den Serotonin-Spiegel einpegeln.

Ich war hier, aber fühlen konnte ich nicht mehr viel. Vieles war mir sowieso egal geworden.

Betroffene werden meist als faul abgestempelt. So hat es auch Ursula B. gesehen. Ihre Angehörigen wollten sie dazu auffordern, sich „jetzt mal zusammenzureißen" oder gaben ihr gut gemeinte Ratschläge von wegen „es ist doch gar nicht mal so schlimm..." oder „das wird schon wieder!", aber ihr fiel es wie vielen anderen schwer, dies einfach umzusetzen. Für sie sind diese Sätze lediglich leere Worte, die sie selten in die Tat umsetzen können. Jede Nacht wird zur Qual, jedes Aufstehen zur Herausforderung. Der Tag erscheint leer, auch wenn die Sonne vielleicht scheint. Und die Krankheit selber ist nicht messbar - der Patient kann nur berichten, wie schlecht er sich momentan fühlt. Zudem erschwert das die Sicht der Außenstehenden, da sie womöglich der Person nicht glauben, dass sie tatsächlich krank ist und leidet. Bis es womöglich zu spät erkannt wird.

Die Erkrankten sehen meist zuerst nicht ein, dass sie krank sind, sondern versuchen ihre Stimmung schön zu umschreiben: „Es ging mir schon mal besser", „es muss ja irgendwie gehen", während Menschen, die unzufrieden mit der Gesamtsituation sind, aber keine Krankheit haben, eher dazu neigen sich als depressiv anzusehen. Ursula B. ging es nicht anders, denn sie dachte, sie würde es selbstständig schaffen. Doch dem war nicht so. Eine zeitweise depressive Verstimmung oder ein emotionales Tief sind nicht zu vergleichen mit einer echten Depression. Trotzdem ist der Begriff in der Gesellschaft ein Synonym geworden, eine Art Modewort für eine Phase, in der es einem Menschen nicht so gut geht. Vielen fehlt schlichtweg das Verständnis für die Betroffenen. Das erschwert die Lage und das weiß auch Ursula B.

Ursula B. ist Betroffene und spricht über ihre Krankheit

Wird bei einem Patienten eine Depression diagnostiziert, werden meist Medikamente, sogenannte Antidepressiva, verschrieben. Diese bewirken zwar eine Besserung der Depression, bringen aber auch oft Nebenwirkungen wie Übelkeit oder starke Müdigkeit mit sich. Begleitend zu der medikamentösen Behandlung durchläuft ein Patient oft eine Therapie. Diese kann stationär oder ambulant erfolgen. Ein großes Problem besteht jedoch darin, dass es zu wenige Therapieplätze für zu viele Erkrankte gibt. Starke Depressionen können in besonders schlimmen Fällen sogar zum Suizid des Betroffenen führen, meist dann, wenn er oder sie keine Hilfe findet. In Deutschland liegt die Zahl jährlich bei ungefähr 10.000 Menschen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Erkrankte auch außerhalb der Therapie - zum Beispiel online - auf Anlaufstellen zurückgreifen. Sie erhalten Rat in Depressionsforen oder bei einer telefonischen Seelsorge. Auch Ursula B. findet, dass die Gesellschaft für das Thema Depression sensibilisiert werden muss.

„So kann Menschen mit ähnlichen Problemen vielleicht besser geholfen werden".

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Über den Autor

Maren Bertits

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016