Jugend und Umwelt

Der Aufstand – das etwas andere Festival

08.06.2017

Jeden Sommer treffen sich hunderte junge Menschen auf einer großen Wiese und feiern das Jugendumweltfestival „Der Aufstand“. Nicole vom Orga-Team und Mia, eine „Aufständlerin“, erzählen, warum es dabei um mehr als nur um Naturschutz geht.

Beim Orga-Treffen malen Jan, Tanja und Simone den Banner für den diesjährigen Aufstand. | Foto: Tabea Günzler

Nicole Faißt ist 20 Jahre alt, trägt einen schwarzen Pulli und hat ihre blauen Dreadlocks zu einem Zopf gebunden. Seit September macht sie ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei der Naturschutzjugend Baden-Württemberg (NAJU). Gleichzeitig ist sie im Orga-Team des Jugendumweltfestivals Der Aufstand. Ein Jahr zuvor war sie noch als Teilnehmerin dabei und erinnert sich: „Es war echt toll. Die Leute sind richtig nett gewesen. Zuerst hatte ich etwas Angst niemanden zu finden, da ich ohne Freunde zum Aufstand gegangen bin, aber ich lernte schnell neue Leute kennen." Wenige Monate später sitzt sie in der Stuttgarter Innenstadt im Büro der NAJU und organisiert Workshops. Sie telefoniert mit Referenten und koordiniert den Zeitplan. „Zur NAJU bin ich gekommen, weil ich ein FÖJ nicht im praktischen Naturschutz machen wollte. Ich wollte lieber etwas im Büro und mit Menschen machen", sagt sie. Wer hier ein freiwilliges Jahr durchläuft, organisiert parallel den Aufstand.

Hinter Nicoles Schreibtisch hängen die Plakate vergangener Aufstandsfestivals an der Wand. Darunter sind eine große Weltkarte sowie ihr Rahmenzeitplan für die Workshops. 50 Workshops mit umwelt- und sozialpolitischen Inhalten finden während der fünf Tage statt. Unterstützung erhält Nicole von Jan Ferber und Simone Fluck, die ebenfalls ihr freiwilliges Jahr bei der NAJU machen. Jan, 20, kümmert sich um die Finanzen und Materialien. Simone, 19, organisiert den musikalischen Part des Festivals und kontaktiert Bands und DJs.

Nicole ist im Orga-Team vom Aufstand und erzählt, was es mit dem diesjährigen Motto „Lasst uns wi(e)dersetzen" auf sich hat. |Quelle: Tabea Günzler

Das Festival lebt von engagierten Menschen

Ein Einsatz, den die Freiwilligen nicht alleine bewältigen müssen: Wenn im Juni bei Waldenbuch die Zelte aufgebaut werden, packen auch die 15 Ehrenamtlichen aus dem Orga-Team mit an. Zum zwanzigsten Mal findet Der Aufstand statt. Ein Jubiläumsjahr, welches unter dem Motto „Lasst uns wi(e)dersetzen" fällt. Aus diesem Anlass haben die „Orgas" sich viele Gedanken gemacht, denn bei dem Festival geht um mehr als nur um Musik, Lagerfeuer und Campen. Kern des Festivals sind die Workshops. Der Aufstand findet umsonst und draußen statt, daher soll jeder daran teilhaben dürfen, unabhängig von der finanziellen oder sozialen Lage. Die anfallenden Kosten werden mit dem Landesjugendplan sowie über Spenden gedeckt. Vor vier Jahren zog die NAJU mit dem Jugendumweltfestival von der Schwäbischen Alb nach Waldenbuch. Die bessere Anbindung mit dem Bus macht eine Teilnahme auch an weniger Tagen möglich.

Jugendkonferenz 2017: „Warum wir eine politische Jugend brauchen?"
Unter diesem Thema findet erstmals in diesem Jahr eine Jugendkonferenz beim Jugendumweltfestival „Der Aufstand" statt.
Die Idee: Politiker können mit den Jugendlichen gemeinsam in Workshops über das Thema Jugendarbeit und Umwelt diskutieren und Forderungen aufstellen. Die Ergebnisse werden Ende August an die baden-württembergische Landtagspräsidentin Mutherem Aras (Bündnis 90/Die Grünen) überreicht.

Nico Teerenstra, Landesgeschäftsführer bei der NAJU, kennt das Jugendumweltfestival wie kein anderer. Er war einer der Initiatoren und von Anfang an dabei. 1998 entstand das Konzept zum Zeltlager mit Festivalstruktur, welches Musik, Gemeinschaft am Lagerfeuer und Workshops zu Naturschutzthemen miteinander kombinieren sollte. Die Gründer waren sich einig: Sie wollten etwas anderes, ein Festival, „dass in die Gesellschaft hineinwirkt" und diese verändert und verbessert, gibt er zu verstehen.

Ein Jahr dauern die Vorbereitungen. Während dieser Zeit sind die Ehrenamtlichen mit unterschiedlichen Aufgaben konfrontiert. Ein besonderes Highlight bildet in diesem Jahr die Jugendkonferenz (siehe Infobox), die vom Landesjugendring und Tanja Helm, Jugendbildungsreferentin bei der NAJU, entwickelt wurde. Die Vorbereitungen fließen mit in die des Festivals ein. Tanja nimmt den ,,Orgas" die Angst vor der Herausforderung und unterstützt das Team. Sie will die Ehrenamtlichen bei dem Entstehungsprozess begleiten: „Meine Aufgabe ist es zu betreuen und vom letzten Jahrgang weiß ich, dass es gut tut, wenn eine psychologische Stütze da ist und Tipps geben kann", erklärt die 30-Jährige.

Festivalgelände „Der Aufstand" | Grafik: Tabea Günzler via ThingLink

Erfahrungsgewinn für die Teilnehmer

Nicole findet es wichtig, dass „man mit einem Gefühl hinausgeht, etwas machen zu können." Bei Mia Schobert, einer Festivalbesucherin, kommt dieses Gefühl an. Der Aufstand ist ein Ort, um Gleichgesinnte zu treffen und mit ihnen eine schöne Zeit zu verbringen. „Ich glaube, auf dem Aufstand kommen die Menschen mit einem Grundkonsens über Nachhaltigkeit zusammen. Bei den Workshops merkt man, dass es nicht nur um Umweltthemen geht", so die Studentin. „Ökologie, Soziologie und Wirtschaft müssen zusammenkommen, damit ein nachhaltiges Leben möglich wird."

Mia Schobert war als Teilnehmerin drei Mal beim „Aufstand" und gibt einen Einblick in die Workshops und den Einsatz, der dahinter steckt. |Quelle: Tabea Günzler

Mia studiert Geoökologie in Karlsruhe. „Ich wusste, ich interessiere mich generell für Nachhaltigkeit und Umwelt, aber habe während des Studiums gemerkt, dass es wenig sozialwissenschaftliche Aspekte abdeckt." Einen Ausgleich erhält sie mit den Workshops und möchte diesen Sommer wiederkommen: „Der Aufstand gibt mir andere Blickwinkel und ergänzt sozusagen mein Studium." Das was die Teilnehmer, wie Mia, auf dem Aufstand mitnehmen, sind Impulse und Anregungen über Umweltpolitik und Naturschutz. Ohne das Engagement der Freiwilligen bei der NAJU würde dieses Festival nicht Jahr für Jahr einen Zuwachs an Teilnehmern verzeichnen. Der Aufstand regt zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil an und ist für junge Menschen ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft geworden.

„Wir wi(e)dersetzen uns" für eine nachhaltigere Umwelt

Die Ehrenamtlichen aus dem Orga-Team arbeiten Monate im Voraus an der Planung und Umsetzung des Aufstands.

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Über den Autor

Tabea Günzler

Crossmedia-Redaktion
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017