Der Weg zum deutschen Pass

Der Einbürgerungstest - Eine Medaille mit zwei Seiten

22.06.2015

Der Einbürgerungstest ist eine von vielen Voraussetzungen auf dem Weg zum deutschen Pass. Für manche stellt er jedoch, trotz guter Vorbereitung, eine unüberwindbare Hürde dar. Die Integrationslehrerin Faezeh Monzavi und ihre Schülerin Afsaneh Akbari berichten über ihre Erfahrungen.

Wer deutscher Staatsbürger werden möchte, kommt um ihn nicht herum: den Einbürgerungstest. Jeder Anwärter auf den deutschen Pass muss mindestens 17 von 33 Fragen richtig beantworten. Der Fragenkatalog umfasst 300 allgemeine Fragen zu den Themengebieten „Leben in der Demokratie", „Geschichte und Verantwortung" und „Mensch und Gesellschaft", sowie jeweils zehn bundeslandbezogene Fragen. Ziel des Tests ist es zu zeigen, dass sich ausländische Mitbürger in die deutsche Gesellschaft integriert haben. Doch hält der Test, was er verspricht? Ist er die Universallösung, um zu zeigen, dass man „deutsch genug" für den Pass ist?

Hintergrundfakten zum Einbürgerungstest

Seit dem 1. September 2008 gibt es in Deutschland den bundeseinheitlichen Einbürgerungstest, den Ausländer als eine Voraussetzung für den Erhalt des deutschen Passes bestehen müssen. Für die Beantwortung der Fragen stehen den Prüflingen 60 Minuten zur Verfügung. Ab April 2013 erhielt der Test zusätzlich den Namen „Leben in Deutschland". Er wird als Abschlusstest für den Orientierungskurs, den zweiten Teil des Integrationskurses, verwendet.

Begegnungszentrum Dobelstraße e.V. – Ein Platz zum Wohlfühlen

Das Begegnungszentrum Dobelstraße in Stuttgart hilft Einwanderern auf ihrem Weg zum deutschen Pass. Gleichgesinnte haben die Möglichkeit, gemeinsam die deutsche Sprache und Kultur verstehen zu lernen. Das Zentrum wurde 1979 gründet und setzt sich zum Ziel, das Leben für ausländische Arbeiter und ihre Familien in Deutschland zu erleichtern. Dafür werden in der Dobelstraße Sprachkurse in einer angenehmen Atmosphäre angeboten. Faezeh Monzavi, Leiterin des Zentrums, engagiert sich seit 23 Jahren für Einwanderer. Ihr größtes Anliegen ist es nicht nur, Wissen und Sprache zu vermitteln, sondern ihren Schülern einen Platz zum Wohlfühlen zu geben. Neben unterschiedlichen Sprachkursen, bot das Begegnungszentrum bis 2013 zweimal im Jahr Vorbereitungen für den Einbürgerungstest an. Seit der Orientierungskurs mit dem Abschlusstest „Das Leben in Deutschland" den Einbürgerungstest ersetzen kann, wird diese Prüfung zwei Mal im Jahr im Begegnungszentrum abgenommen.

Die Integrationslehrerin Faezeh Monzavi. (Bild: Carina Lachnit)

Die Vorbereitung macht’s

Der Orientierungs- beziehungsweise Vorbereitungskurs auf den Einbürgerungstest umfasst 60 Stunden und baut auf einen 600-Stunden-Sprachkurs auf. Für Teilnehmer der Integrationskurse, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vermittelt, ist die Teilnahme an beiden Kursen Pflicht. An einem Kurs nehmen zwischen sechs und 15 Schüler teil. Neben der Vorbereitung auf die 310 Fragen des Einbürgerungstests, werden Themen wie Baden-Württemberg, Bildung, Integration, Arbeit, Politik besprochen. Alle Kursteilnehmer präsentieren zusätzlich ihre Heimatländer. Anschließend wird über die Unterschiede zu Deutschland diskutiert. „Wir möchten mit unseren Schülern ins Gespräch kommen", betont Monzavi. „Uns ist es wichtig, gemeinsam zu diskutieren und uns auch über sensible und schwierige Themen auszutauschen, wie etwa: Heimat, Religion, Homosexualität oder Gleichberechtigung. Uns liegt es am Herzen, gegenseitigen Respekt zwischen verschiedenen Kulturen zu vermitteln. Dazu gehört auch die deutsche Kultur." Durch den interaktiven Unterricht werden die Schüler optimal auf den Einbürgerungstest vorbereitet.

Afsaneh Akbari hat den Einbürgerungstest bereits bestanden. Der Vorbereitungskurs in der Dobelstraße hat ihr dabei geholfen. „Als ich vor neun Jahren mit meinem Mann aus dem Iran nach Deutschland kam, habe ich weder die Sprache noch die Kultur verstanden. Der Unterricht von Frau Monzavi hat mich in allem unterstützt." Für Afsaneh war der Einbürgerungstest nicht schwer. Neben dem Kurs hat sie sich selbst vorbereitet und fleißig gelernt. „Man weiß dadurch einfach mehr über das Land, die Gesetze und die Leute", erklärt sie. „Ich bin stolz, den Einbürgerungstest bestanden zu haben. Damit bin ich einen Schritt näher am deutschen Pass. Ich hoffe, dass ich dann wieder als Sekretärin arbeiten kann." Die Motivation der Schüler spiegelt sich in den Testergebnissen wider: 96 Prozent aller Schüler, die den Einbürgerungstest im Begegnungszentrum Dobelstraße ablegen, bestehen diesen.

Teste dich selbst

Wie deutsch bist du? Hier geht es zu den Originalfragen des Einbürgerungstests.

Einbürgerungstest – eine (un)überwindbare Hürde zum Pass

Eine solide Vorbereitung ermöglicht das Bestehen und somit einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Einbürgerung. So pauschal lässt sich das nur für eine kleine Zielgruppe sagen. Nach den Erfahrungen der engagierten Lehrerin, gelingt es vor allem gebildeten Migranten den Einbürgerungstest schnell und erfolgreich abzuschließen. Für bildungsschwache Schüler oder Analphabeten stellt der Einbürgerungstest oft eine unüberwindbare Hürde zum deutschen Pass dar. „Viele meiner Schüler verstehen die Inhalte der Fragen nicht und lernen deshalb die Antworten für die Prüfung auswendig", erklärt Monzavi. „Das kann funktionieren. Aber danach habe ich ja immer noch nicht verstanden was Gleichberechtigung, Volkssouveränität oder Religionsvielfalt bedeutet."

„Deutsch sein" durch Respekt und Verständnis

Der Einbürgerungstest zielt darauf ab, Wissen und Kultur zu vermitteln und dadurch eine bessere Integration zu ermöglichen. Doch sind diejenigen, die den Test nicht bestehen können, weniger integriert? „Wenn ich Freunde oder Nachbarn, die aus Deutschland kommen, Fragen gestellt habe, dann konnten manche diese auch nicht beantworten", bemerkt Faezeh Monzavi und fügt hinzu: „Es ist absolut richtig, dass Leute, die nach Deutschland kommen, deutsch lernen müssen. Auch ist es sinnvoll, sich über die Kultur, Politik und das Land miteinander auszutauschen. Aber dass man den Test verpflichtend bestehen muss, um den deutschen Pass zu bekommen, finde ich nicht in Ordnung." Nach Meinung von Monzavi sollte es alternative Testmöglichkeiten für bildungsschwache Schüler geben. Eine mündliche Prüfung oder Gruppendiskussion wäre denkbar. Der Einbürgerungstest sei somit keine Universallösung, um das „Deutsch sein" unter Beweis zu stellen. Ganz im Gegenteil. Deutsch würde man nicht durch das Bestehen eines Tests, sondern durch Respekt und Verständnis gegenüber der neuen Kultur. Ein Test sei nur gerechtfertigt, wenn er keine unüberwindbare Hürde auf dem Weg zum deutschen Pass darstelle – und zwar für jeden.

Dabei ist der Einbürgerungstest nur eine (un)überwindbare Hürde von vielen weiteren, die auf dem Weg zum deutschen Pass zu meistern sind. Das Schaubild zeigt die Voraussetzungen und den Ablauf des Einbürgerungsverfahrens:

Der Weg zum deutschen Pass – Voraussetzungen und Ablauf. (Grafik: Carina Lachnit & Carolin Schmidt via Piktochart)

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Über die Autoren

Carina Lachnit

Elektronische Medien Master - Unternehmenskommunikation
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015

Carolin Schmidt

Master Elektronische Medien
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015