Grüne Bauwirtschaft

Der hölzerne Turm - Hochhaus der Zukunft?

23.02.2015

Ein Hochhaus aus Holz? Wo gibt es denn so etwas? Auf jeden Fall noch nicht in Deutschland. Obwohl die Idee, Holz als Baustoff zu verwenden, um CO2 einzulagern, anstatt freizusetzen, durchaus zukunftsfähig scheint, drängen sich stets dieselben Fragen auf: Ist so ein Holzhochhaus überhaupt stabil? Wie sieht es hier mit Brandschutz aus? Und werden dabei nicht im Gegenzug unsere kostbaren Wälder abgeholzt?

In Zeiten starker Bevölkerungszunahme und Urbanisierung wachsen mehr Hochhäuser in den Himmel als je zuvor. Zahlreiche Projekte, wie der 18- stöckige St. Martins Tower in Frankfurt oder ein 62- Meter hoher neuer Wohn-/ Hotelturm im Stuttgarter Europaviertel, werden derzeit verwirklicht. Dabei muss der Bau möglichst schnell gehen, möglichst günstig sein und am Ende bitte auch noch umweltschonend. Doch wer hätte gedacht, dass ein wesentlicher Anteil unserer täglichen CO2– Emissionen der Bauwirtschaft zuzuschreiben ist? Das liegt vor allem an der umweltbelastenden Produktion, sowie dem Recycling von Stahlbeton. Allein für die Herstellung einer Tonne Beton werden 100 kg CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Ein ausgewachsener Baum braucht 10 Jahre, um diese Menge wieder in Sauerstoff umzuwandeln. Wir brauchen neue Baustoffe, deren Produktion keine weiteren Emissionen verursachen. Warum also nicht zurück zum alt bewährten Holz? Holz ist sehr stabil und belastbar, weshalb es inzwischen in einigen Ländern sogar schon Pläne für bis zu 100 Meter hohe „Wolkenkratzer" gibt.

Ein neuer Trend in der Architektur

Dass Holz zu Zeit im Trend liegt und eine spannende Alternative zum konventionellen Stahlbetonbau darstellt, zeigt auch die Arbeit von zwei Architekturstudenten der Universität Stuttgart. Diese haben ein Modell entwickelt, welches sogar sogenannte „Skygärten" vorsieht, also Gärten innerhalb großer verglaster Stockwerke, welche die Funktion erfüllen sollen, das ganze Haus durch den dort entstehenden Glashauseffekt zu beheizen und die Luftfeuchtigkeit anzuheben. Ob sich ihr Modell in Zukunft durchsetzen könnte? Norbert Jundt, Architekturstudent an der Universität Stuttgart glaubt, dass es in unseren Städten in Zukunft Holzgebäude geben wird, welche etwa 30 Stockwerke haben werden und somit die 100 Meter Grenze erreichen könnten. „Dass wir heute noch nicht so bauen, liegt an unseren Gewohnheiten, aus Beton zu bauen und den Normen, die noch nicht komplett auf die Hölzer unserer heutigen Zeit ausgelegt sind. Architekten, Bauherrn und die Holzindustrie müssen sich stärker dafür einsetzen, dass man diese Bauweisen untersucht und Prototypen ermöglicht."

Der „LifeCycle Tower One" in Dornbirn

Ein Beispiel für ein bereits existierendes nachhaltiges Holzhochhaus gibt es seit 2009 im österreichischen Dornbirn. Auch wenn dieses vorerst von außen durch seine Aluminium-Fassade sich nicht zu unterscheiden vermag von üblichen Hochhäusern, so hat es doch einen bedeutenden Holzanteil. Es lässt sich darüber streiten, ob Aluminium ein nachhaltiges Material für eine Außenfassade ist. Einerseits ist Aluminium zu 100 Prozent recyclebar, was für das Material spricht. Andererseits muss für die Wiederverwendung des Stoffes wiederum viel Energie aufgewendet werden. Die insgesamt acht Stockwerke des Turms wurden durch einen Holz- Betonverbund gefertigt, der wesentlich leichter ist als Stahlbeton bei konventionellen Bauten. Dies erleichtert nicht nur die Last auf die stützenden Elemente aus Holz, sondern auch den Transport der Bauteile zur Baustelle und spart so wiederum CO2 ein. Die Bauteile werden in serieller Produktion vorgefertigt, was ein schnelles Errichten des Gebäudes ermöglicht. Für die Fertigstellung des LifeCycle Towers, mit Ausnahme des Treppenhauses, wurden acht Tage benötigt.

Die Holzhochhäuser der Zukunft

Der LifeCycle Tower in Dornbirn und ein Modell von Architekturstudenten der Universität Stuttgart

Moderne Holzbauten – eine sichere Sache?

Sogar sehr sicher sollen die modernen Holzkonstruktionen sein. „Um unseren LCT ONE bauen zu dürfen, mussten wir detailliert nachweisen, dass dem so ist", so der Pressesprecher der Cree GmbH Matthias Moosbrugger. Denn die gesetzlichen Sicherheitsauflagen für Hochhäuser aus Holz sind streng. Daher sollen diese sogar noch sicherer sein als normale Stahlbetonbauten. Doch was passiert, wenn es brennt? Brandschutzverordnungen sind mitunter ein Grund, warum noch kein vergleichbares Holzhochhaus in Deutschland gebaut wurde. Doch genauer betrachtet, brennt Holz sicherer. Da Stahlbeton bei Feuer enorm heiß werden kann, verbiegen sich so die tragenden Elemente eines Gebäudes und bringen dieses unmittelbar zum Einsturz. Holz hingegen brennt lange an der Oberfläche, rund zwei Millimeter pro Stunde. Als Grund dafür erläutert Moosbrugger: „Holz entwickelt bei einem entsprechenden Querschnitt einen sogenannten Selbstschutz im Brandfall. Das heißt, der umseitige Abbrand bildet in Folge eine Schutzschicht und verhindert den Weiterbrand und damit den Einsturz des Gebäudes."

Gebäude für die Ewigkeit?

Ein wichtiger Nachhaltigkeitsfaktor ist mitunter auch die Lebensdauer eines Gebäudes. Durch eine modulare Bauweise, wie sie in Dornbirn existiert, sei es jederzeit möglich, die Bestandteile des Gebäudes individuell zu erneuern oder zurückzubauen. Die einzelnen Bauteile würden so beispielsweise für ein neues Gebäude verwendet werden können, erklärt Moosbrugger. Es gebe keine rechnerische Lebensdauer für die Primärkonstruktion. „Es gibt in unserer Region sehr viele alte Holzgebäude, die bereits über 400 Jahre alt sind”, so Moosbrugger.

Moderne Holzbauwirtschaft- Übermäßige Waldrodung als Konsequenz?

Wenn sich die Holzbauweise auch in der Zukunft durchsetzen sollte und man ganze Städte aus Holz verwirklichen würde, stellt sich die Frage, woher das ganze Holz in Zukunft kommen soll. Verursachen wir damit nicht eher eine Überrodung unserer lebenswichtigen Wälder? Da jedoch Holz eine nachwachsende Ressource ist, halte sich der Holzverbrauch in Grenzen. „Das Holz, das im IZM verbaut wurde – rund 3.000 m– das wächst alleine in Österreich alle 2 1/2 Stunden nach.", wie Moosbrugger zu diesem Thema bemerkt. Doch auch durch Forstwirtschaft kann man künftig auf nachhaltige Weise den Baustoff gewinnen. Nachhaltig bedeutet hier, dass für jeden gefällten Baum auch wieder ein neuer gepflanzt wird.

Architekturstudenten in Stuttgart sind sich einig: Die Bauindustrie, welche bis zu 45 Prozent des Rohstoffverbrauchs verantwortet und somit die größte verbrauchende Industrie ist, trage die Verantwortung, diese Ressourcen zu schützen und sinnvoll zu verwenden. Somit gehöre Holz als nachwachsender Rohstoff auch in Zukunft zu den wichtigsten Baustoffen in der Bauindustrie. „Vielmehr erlebt der Holzbau heute eine Renaissance. Denn durch seine Eigenschaft, CO2 einzulagern, trägt er zu einer umweltfreundlichen Welt und einer nachhaltigeren Bauwirtschaft in der Zukunft bei."

Infografik: Vergleich von Holz und Stahlbeton (Bild: Alice Springfeld; Design: Piktochart)

Total votes: 427
 

Über den Autor

Alice Springfeld

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: SS 14