Ernährung

Der Hype um das Essen mit Superkräften

05.12.2016

Superfood ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Es werden immer neue Nahrungsmittel entdeckt, die positiv für unsere Gesundheit sein sollen. Woher dieser Trend kommt, hat unterschiedliche Gründe. Jedoch ist nicht alles was glänzt auch Gold, und so stellt sich die Frage: ist Superfood tatsächlich so super?

Superfood gibt es in allen Farben. | Quelle: Savannah Blank

Chia Samen, Goji Beeren, Weizengras oder Matcha. Superfoods sind zurzeit in aller Munde und begegnen uns fast in jedem Lebensmittelgeschäft. Die Nahrungsmittel mit Superkräften sollen uns fitter, gesünder und schlanker machen.
Aber wer und was sind diese scheinbaren Alleskönner überhaupt?
Für Superfood gibt es keine genaue Definition, vielmehr ist es ein Marketingwort. Dieses beschreibt Lebensmittel, die besonders viele gesunde Stoffe enthalten und dadurch eine angeblich positive Wirkung auf unsere Gesundheit haben sollen.

Verschiedene Superfoods

Die bekanntesten Superfoods sind meistens exotisch und bunt. | Quelle: Savannah Blank

Frau Dr. Petra Forster, Ernährungsberaterin aus Stuttgart, hat eine eigene Definition von Superfood: „Das Wort super kommt ja aus dem Lateinischen und heißt überragend. Das bedeutet also Superfood soll besser als andere Nahrungsmittel sein."

Aber woher kommt der Trend?

Dieser Hype um das Essen mit Superkräften hat sich in den letzten Jahren entwickelt und befindet sich momentan auf dem Höhepunkt.
„Der Trend ist vor allem durch Werbung entstanden", erklärt Petra Forster. Sie sagt, dass sich die Werbeindustrie auf Menschen fokussiere, die wenig Zeit für eine Ernährungsumstellung haben. Zwei Esslöffel Chia Samen am Tag für eine ausgewogenen Ernährung seien da bequemer.
Dieser Meinung ist auch Foodbloggerin Natalie Friedrich aus Stuttgart: „Die Marketingmenschen haben einfach den Geist unserer Zeit entdeckt und für sich genutzt." Sie erklärt, dass die Menschen wenig Zeit hätten aber sich trotzdem selbst optimieren möchten. Es werde nicht mehr nur gegessen um satt zu sein, sondern viel mehr um schlank, gesund und fit zu werden.
Außerdem sei Essen zu einem Lifestyle geworden, in den Superfood perfekt hineinpasse, findet die 29-Jährige.
Auch in Stuttgart hat der Superfood-Hype nicht Halt gemacht, wie die Foodbloggerin erzählt. Die Smoothiebar „The Green Stream" sowie die Läden „LALA Healthy Livin" und „Bitteat" bieten Produkte mit Superfood an.
Bei „LALA Healthy Livin" gebe es zum Beispiel so genannte Energy Balls. „Die sind aus Datteln, Nüssen und zum Beispiel mit Chia Samen. Quasi ein Ersatz für Müsliriegel", erklärt Natalie Friedrich.
Auch der Laden „Bitteat" geht mit dem Trend und kocht ausschließlich vegetarisch und vegan und arbeitet dabei mit Superfoods wie Quinoa, Avocado oder Goji Beeren.

Superfood in Stuttgart Mitte | Quelle: Savannah Blank via Google My Maps

Nicht alles, was glänzt, ist Gold

„Superfood ist nicht super gut, sondern eher super toxisch", findet Ernährungsberaterin Petra Forster. Denn viele Superfoods, zum Beispiel Goji Beeren aus China, enthalten Pestizide.
Außerdem seien Chia Samen sehr schlecht für unseren Körper, weil sie aus zu vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen, meint Frau Forster. Sie erklärt das so: „Unser Körper soll ein Drittel gesättigte, ein Drittel einfach ungesättigte und ein Drittel mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufnehmen". Werden dann zu viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufgenommen, werde die Balance in unserem Körper zerstört und unser Stoffwechsel funktioniere nicht mehr richtig.
„Deshalb ist auch die auf der Packung angegebene Menge von zwei Esslöffel Chia Samen am Tag viel zu hoch! In Wirklichkeit würde ein Teelöffel voll und ganz reichen", sagt die Ernährungsberaterin.

Besser regional als global

Ein anderer Grund, wieso auf die bekannten und exotischen Superfoods verzichtet werden sollte, ist die Ökonomie.
„Ich finde, Ernährung muss vor allem auch nachhaltig sein", sagt Frau Forster. Sie findet, hier gebe es auch tolles Superfood – zum Beispiel Rosenkohl oder Wirsing.
Foodbloggerin Natalie Friedrich sieht das genauso: „Ich habe zwar noch Chia Samen und Weizengraspulver daheim im Regal stehen, aber benutze es nicht mehr. Vielmehr versuche ich mich mit lokalem Superfood zu ernähren." So stellt sie auf ihrem Blog Holunderweg18 oft Rezepte mit regionalen Zutaten vor.
Darüber hinaus sind die Superfoods aus unserer Region oft viel günstiger als die exotischen Superfoods aus Übersee. Zum Beispiel kostet ein Kilogramm Chia Samen 9,80 Euro, während ein Kilogramm Leinsamen nur 2,50 Euro kostet.
Und so schonen die regionalen Alternativen nicht nur die Umwelt, sondern nebenbei auch unseren Geldbeutel.

Regionale Alternativen für das exotische Superfood | Quelle: Savannah Blank via Piktochart

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Über den Autor

Savannah Blank

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Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016