Kontrollverhalten Smartphone

Der Liebesbrief ist tot - Lang lebe der Liebesbrief

18.11.2015

Binnen Sekunden können wir Nachrichten verschicken und erhalten. Alles muss schneller und besser werden. Dadurch hat sich nicht nur unser Kontrollverhalten innerhalb einer Partnerschaft verändert. Dabei hat sich auch ein neuer Begriff etabliert: Die digitale Eifersucht. Sie kommt vor allem in sozialen Netzwerken und Kommunikationsapps vor.

Wer noch vor 15 Jahren eine Botschaft verschicken wollte, musste, je nach Bestimmungsort, Tage manchmal Wochen auf eine Antwort warten. Heute ist die „Head down generation" dank der digitalen Technik in der Lage, Nachrichten innerhalb weniger Sekunden zu versenden. Und das nicht nur am Laptop. Unterwegs ist dies dank des Smartphones ebenfalls möglich. Apps wie iMessage, Whatsapp oder dem Facebook Messenger verdanken wir eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation. Doch nicht nur die Entwickler dieser Apps arbeiten daran, die Apps effizienter zu gestalten. Wir Nutzer selbst, haben uns an die Schnelligkeit dieser Apps so angepasst, dass wir dazu neigen, immer schneller Antworten von Freunden oder Beziehungspartnern zu fordern und leicht misstrauisch, skeptisch oder sogar aggressiv zu werden.

Kontrollverhalten Smartphone via Whatsapp

Fahre mit dem Mauszeiger auf einen der roten Punkte, um mehr über unser Kontrollverhalten zu erfahren. Quelle: Michael Tulgay via Thinglink.com

Veränderung der persönlichen Eigenschaft

Wenn uns nicht schnell genug geantwortet wird, kommen Fragen auf.

Warum bin ich nicht wichtig? Warum antwortet er oder sie nicht, obwohl die Person schon mehrmals online war? Im Gespräch mit Dr. Gisela von Randow, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, wird schnell klar, dass unser Frustrationsverhalten schon im Babyalter gelernt wird und der individuelle Charakter eine Rolle spielt. „Das hängt vor allem davon ab, wie stabil die eigene Persönlichkeit ist. Wie flexibel sie ist oder ob sie abhängig vom Smartphone ist."

Gerade Menschen mit schwachem Selbstwert und ungleichen Beziehungsinteressen kommen sich weniger „geliked" vor. Der Mensch aktiviert seine Grundeigenschaften, wie Eifersucht oder mentale und körperliche Begierde. Außerdem wird eine hohe Erwartungshaltung aktiviert. Wenn ich der Person schnell zurückschreiben kann, dann kann sie das doch auch oder?

Grundsätzlich reagiert jeder Mensch anders auf Nachrichten. Man darf sich selber einmal die Frage stellen, wie viele Minuten oder Stunden man das Smartphone aus den Augen halten kann, ohne nervös zu werden. Macht man diesen Versuch, wird man schnell feststellen, dass das nicht so einfach zu bewältigen ist. Das Gefühl, ständig up-to-date sein zu müssen, oder zu hinterfragen was die Freunde zu machen, können wir nur bedingt unterdrücken. Wir können also feststellen, dass das Smartphone unser ständiger Begleiter geworden ist.

Beziehungskeeper vs. Beziehungskiller

Smartphones kann man eigentlich positive Eigenschaften zu schreiben. Sie haben die Kommunikation dermaßen vereinfacht und zugänglich gemacht, dass wir uns problemlos global vernetzen können. Freunde, Familie oder Partner sind nur einige Fingerdrücke z. B. durch Apps wie Whatsapp erreichbar. Eine positive Eigenschaft wäre der Beziehungskeeper. Das heißt, die Freundschaften werden durch den ständigen Kontakt intensiver gepflegt „Die blauen Häkchen bei Whatsapp wirken beruhigend auf uns, wenn die Nachricht gelesen wird", so Dr. Gisela von Randow weiter.

Der negative Aspekt aber wäre, „wenn wir dem Smartphone ohnmächtig ausgeliefert sind." Dr. Gisela von Randow spricht hier von Suchtverhalten. „Der Erwartungsdruck kann steigen oder Eifersucht beim Partner kann ausgelöst werden. Es kann in eine Abhängigkeit führen. Die ständige Verfügbarkeit erzeugt Druck auf beiden Seiten." Das Spannungsverhältnis von Druck und Eifersucht, führt zum einen zur Nötigung zu Antworten. Oder aber man fühlt sich kontrolliert.

Entstehung von Aggressionen oder Misstrauen

Selbstverständlich hantiert jeder Mensch anders mit seinem Smartphone. Den einen kümmert es recht wenig, wenn nicht direkt geantwortet wird. Bei anderen reagiert der Mensch aggressiv oder misstrauisch. Woran liegt das?

Unsere Persönlichkeitseigenschaft kann eine frustrierende Situation über längere Zeit aushalten, ohne die Kontrolle über sich zu verlieren. Im Fachjargon spricht man auch von „Frustrationstoleranz". Frustrationstoleranz lernen wir ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr. Zum Beispiel schreit ein Baby wenn es hungrig ist und ein Elternteil nicht schnell genug mit der Flasche oder Brust kommt. Menschen mit geringer Frustrationstoleranz, neigen deshalb eher dazu, schneller aggressiv zu werden. Die Person möchte dann schnell und sofort eine Lösung für das Problem.

Ein echtes Lächeln kann kein Smiley dieser Welt ersetzen

Wie wäre es mit einer Postkarte aus dem Urlaub, anstelle eines schnell versendetes Bild per Whatsapp? Auch wenn uns die Digitale Technik vieles ermöglicht, ein zum Beispiel von Hand geschriebener Liebesbrief, bringt die Nachricht immer noch am persönlichsten rüber. Ein Emoticon ist also doch noch nicht so effektiv wie ein reales Lächeln.

Die kontrollierenden blauen Häkchen kann man in den Einstellungen bei Whatsapp problemlos ausschalten. Beim iPhone ist das unter: Einstellungen – Account – Datenschutz – Lesebestätigung möglich.

Datingverhalten und Whatsapp

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Über den Autor

Michael Tulgay

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015