Licht- und Tontechniker

Der Mann im Schatten

02.06.2016

Zwölf Stunden Schichten, schlaflose Wochenenden, schwere körperliche Arbeit, extrovertierte Künstler – und den Applaus bekommen am Ende nur die Leute auf der Bühne: Das Leben als Veranstaltungstechniker ist ein Leben im Schatten. Es hat aber auch seine hellen Seiten.

„Die im Dunkeln sieht man nicht." (B.Brecht) Spotlight auf die Menschen hinter der Bühne. | Bild: Rebekka Hüsgen-Lieb„Die im Dunkeln sieht man nicht." (B.Brecht) Spotlight auf die Menschen hinter der Bühne. |Bild: Rebekka Hüsgen-Lieb

Der Applaus verebbt, das Licht auf der Bühne geht aus. Das Publikum kramt Taschen und Mäntel zusammen. Im Foyer vor dem Konzertsaal steht eine Sängerin und nimmt ein letztes Bad in der Menge. „Das haben Sie fabelhaft gemacht", schwärmt eine ältere Dame. „Ich habe zum ersten Mal die Liedtexte verstanden!" Lächelnd unterschreibt die Künstlerin eine Autogrammkarte: „Danke! Dieses Lob werde ich an unsere Techniker weitergeben."

„Unsere" Techniker – das sind Matthias Weis (21) und Lukas Aldinger (22). Für sie ist nach dem Auftritt noch lange nicht Schluss: Alles, was sie vor der Show aufgebaut haben, muss nun wieder abgebaut werden. Lampen, Boxen, Mikrofone, kilometerweise Kabel. Wenn sie ihren Zeitplan einhalten, werden sie heute vergleichsweise früh fertig: 23 Uhr ist anvisiert. Viele Jobs dauern aber deutlich länger. „Es ist schon vorgekommen, dass wir erst um 6 Uhr früh zuhause waren", erinnert sich Lukas. Und Matthias erzählt von Jobs, bei denen erst um 3 Uhr nachts mit dem Aufbau begonnen werden konnte, weil die Halle zuvor nicht frei war.

„Es ist ein Knochenjob", sagt Lukas mit Blick auf die Kisten, die sich nach und nach füllen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich so wenige Frauen für den Beruf entscheiden: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung schlossen im Jahr 2015 gerade mal 90 Mädchen einen Ausbildungsvertrag ab – und 879 Jungs. „Viele hören kurz nach Beginn der Ausbildung wieder auf", sagt Lukas.

Für ihn selbst und seinen Kollegen war das keine Option: Die beiden wussten schon vor der Lehre sehr genau, was auf sie zukommen würde. Bereits während der Schulzeit sammelten sie bei Veranstaltungen in der Gemeinde Erfahrungen hinter dem Mischpult. Nach dem Abschluss entschieden sie sich ganz bewusst für die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Matthias lernte beim Congress Centrum Pforzheim, Lukas an der Europäischen Medien- und Event-Akademie. Inzwischen haben die beiden ihre Lehre abgeschlossen und sich mit der FullRange Events GbR selbstständig gemacht.

Licht und Ton im Aufbau

FullRange Events in Action: Aufbau für ein Live-Konzert mit Lasershow.

Kein Essen für die Techniker?

Was die Techniker im Hintergrund tun, wird oft unterschätzt. Manchmal werden sie bei Planungen sogar schlichtweg übergangen. Matthias erinnert sich an eine Hochzeit, bei der er zusammen mit einer Band gebucht wurde. Das Essen für die fünf Bandmitglieder wurde eingeplant, an die Techniker hatte man jedoch nicht gedacht.

Auch während des Aufbaus für die Shows erleben die beiden oft Kuriositäten. So erklärt Matthias, dass die Techniker ihr Pult am besten mittig – in etwa zehn Metern Entfernung von der Bühne – aufbauen sollten, um den Sound optimal einstellen zu können. Doch immer wieder beschweren sich Veranstalter über diesen „prominenten Platz" mitten im Saal und wollen das Pult in irgendeine Ecke des Raumes verschieben. Matthias: „Die Leute sagen ,Ich will geilen Sound, deswegen hole ich mir einen Techniker.’ Aber das geht nicht, wenn wir in der letzten Ecke hocken."

Typische Tätigkeitsfelder - Fachkräfte für Veranstaltungstechnik finden Beschäftigung...
… bei Messe- oder Kongresshallen.
… bei Event- bzw. Veranstaltungsagenturen.
… in Unternehmen der Rundfunk- und Filmbranche.
… bei kulturellen Einrichtungen (z.B. kommunale Bühnen).
… in großen Ferienhotels oder auf Kreuzfahrtschiffen.
… bei öffentlichen Veranstaltungsträgern.
Quelle: berufenet.arbeitsagentur.de

Dass diese „Unsichtbarkeit" ein generelles Problem der Branche ist, weiß auch Ellen Kirchhof von der Geschäftsstelle des Verbands für Medien und Veranstaltungstechnik e.V. (VPLT). Der Verband vertritt einen Teil der Veranstaltungstechniker in Deutschland – einen Dachverband gibt es in der Branche nicht. Deshalb ist es schwierig, an verwertbare Zahlen zu kommen. Die Folge: Der Zweig bleibt weitgehend unerfasst und unsichtbar – und ihm wird zu wenig wirtschaftliche Bedeutung zugemessen. Für selbstständige Veranstaltungstechniker fehlt außerdem ein Referenzrahmen zur Preisgestaltung. Letztendlich führt dies dazu, dass sie oft unterbezahlt werden. „Man muss sich aber auch des Werts und der Wichtigkeit bewusst werden", sagt Kirchhoff. Immerhin könne der tollste Künstler auf der Bühne stehen – ohne Technik wäre die Show nicht dasselbe.

Grafik: Rebekka Hüsgen-Lieb via Piktochart

Madonna will ein neues Klo

Die tollsten Künstler haben manchmal auch die seltsamsten Spleens. Als Veranstaltungstechniker kann – oder muss – man das hautnah erleben. Bestes Beispiel: Madonna. „Der Veranstalter muss für sie vor jeder Show ein neues Klo einbauen", erzählt Matthias. Wenn sie an zwei Tagen in Folge auf der gleichen Bühne spiele, bedeute das eben zwei neue Toiletten.

Ein anderer Künstler habe bei jedem Auftritt seinen PlayStation Chair dabei. In den Set-Pausen wolle er von allen in Ruhe gelassen werden, um 20 Minuten lang zu spielen.

Solche Starallüren finde man bei kleineren Veranstaltungen eher nicht, erzählen die beiden. Allerdings müsse hier oft der Techniker als Prügelknabe herhalten: „Wenn der Sound scheiße ist, war es eigentlich immer der Tontechniker", lacht Matthias. Dabei liege das im größeren Teil der Fälle an den Leuten auf der Bühne. „Bei mir hat mal einer das Mikrofon als Zeigestock benutzt", erinnert sich Lukas. Das Mikro wurde dann an die Tafel gehalten, während der Redner fröhlich weiter parlierte und kaum zu verstehen war. Später bekam der Techniker die Rüge.

Zwölf Stunden Schichten, schlaflose Wochenenden, schwere körperliche Arbeit, extrovertierte Künstler – das Leben als Veranstaltungstechniker ist nicht immer leicht. Trotzdem haben sich Matthias und Lukas für diesen Weg entschieden. „Ich wusste ja, was auf mich zukommt", sagt Matthias. Und Lukas merkt an, der Job habe auch viele schöne Seiten. „Mit dem Equipment zu spielen. Licht und Ton zu programmieren, zum Beispiel."

Dann steigen die beiden in den Van. Sie sind gut vorangekommen: Es ist 22.30 Uhr. Morgen beginnen die Arbeiten für den nächsten Job – eine Lasershow. Allein der Aufbau wird 14 Tage dauern.

Und die helle Seite des Jobs? Matthias und Lukas geben Antwort:

Einfach auf die Punkte klicken - und hören, was die beiden zu sagen haben. | Grafik: Rebekka Hüsgen-Lieb via thinglink

Total votes: 155
 

Über den Autor

Rebekka Hüsgen-Lieb

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016