Die Wegemacher des Deutschen Alpenvereins

Der Weg ist das Ziel

06.07.2017

Sie lassen der Verwitterung keine Chance. Die Wegemacher packen dort an, wo andere gar nicht erst hinsehen. Die rüstigen Rentner reparieren Brücken, Bänke und Treppenstufen. Sie bewahren die Allgäuer Wanderwege. Herbert Lederle ist einer der Wegemacher.

                               Wegewart Herbert Lederle ist seit 37 Jahren aktiv. Er ist dafür zuständig, dass die Restaurierungseinsätze reibungslos ablaufen können. Motiviert wird er dabei durch seine Leidenschaft am Wandern und die gute Gemeinschaft unter den Wegemachern. | Foto: Sonja Lingg

Der Wanderweg schlängelt sich unaufhörlich den Berg hinauf. Bei jedem Anstieg merkt Herbert Lederle, der Wegewart der Sektion, das Gewicht des Materials und der Werkzeuge, die er bei sich trägt. Wieder einmal sind er und sein Begleiter, der unter der Last von zwei Eimer voll Kies leidet, auf dem Weg zu einem Einsatz. Sie müssen einige Treppenstufen ausbessern. Auf seiner letzten Kontrolltour hat der Wegewart gesehen, dass die Witterung diese hat vermodern lassen. Für eine kurze Verschnaufpause halten beide an einer Aussichtsbank. Dabei sieht er zwei Pflöcke, die ausgetauscht werden müssen. Der nächste Einsatz für die Wegemacher.

Rund 27 Kilometer Weg betreut die Gruppe der insgesamt sechs Rentner. Die meisten davon führen zu den drei Hütten der Sektion oder sind Teil der Wege, die der Deutsche Alpenverein (DAV) Sektion Allgäu-Kempten als Pate betreut. Das heißt er übernimmt finanzielle Verantwortung und repariert sie im Bedarfsfall. So auch den Weg am Mariaberg, der diesmal ihren Einsatz benötigt. Das Material und die Werkzeuge müssen die Ehrenamtlichen den Berg hinauf tragen. Nur selten gibt es eine Seilbahn für die Geräte. „Da braucht man schon eine gute Kondition. Wenn die Leute den Berg nicht hochkommen sind Sie als Wegemacher nicht geeignet", betont Lederle.

Die Arbeit beginnt abhängig von der Schneelage Anfang Mai und dauert ungefähr ein halbes Jahr. In dieser Zeit macht die Gruppe unter anderem Schneefelder begehbar oder legt Wasserrinnen. So kommen sie im Schnitt auf 15 Einsätze pro Jahr, die jeweils an die zehn Stunden dauern. „Als Wegewart der Sektion entscheide ich, welcher Weg wann inspiziert und repariert wird. Abhängig mache ich das hauptsächlich von der Wetterlage, aber auch von der Dringlichkeit der Einsätze", berichtet Lederle im Interview. Trotz der vielen Arbeit will er aktiv bleiben. „Die gute Gesellschaft und die Gaudee, die wir nach der Arbeit beim Zusammensitzen immer haben, motiviert mich einfach", erzählt Lederle ausgelassen.

                               Die Begeisterung für die Arbeit steht den Wegemachern ins Gesicht geschrieben. Selbst bei anstrengenden Etappen bleibt ein kleines Lächeln erhalten. | Foto: Sonja Lingg

Finanzierung der Arbeitseinsätze

Dankbar für die Arbeit der Gruppe ist vor allem der DAV. In den letzten neun Jahren hat die Sektion 234.000 Euro für die Instandhaltung der Wege ausgegeben. Ein Bruchteil dessen, was die gleiche Arbeit bei einem dafür beauftragten Unternehmen gekostet hätte. Bei den Ehrenamtlichen muss der DAV lediglich die Materialkosten und ab und an eine kleine Brotzeit als Entschädigung übernehmen. Für Fahrtzeit und Dauer der Wanderung kommt die Sektion nicht auf. Das würde gerade bei kurzen Einsätzen, die aber eine mehrstündige Wanderung erfordern, enorme Unterschiede im Kostenfaktor machen, so ein Vertreter des DAV Allgäu-Kempten im Interview. Finanziert werden die Einsätze über Spenden und die Beiträge der 16.000 Mitglieder der Sektion.

Zur Arbeit als Wegemacher ist Herbert Lederle zufällig gekommen. „Ein Bekannter hat mich reingeritten", erinnert sich der Wegewart. „Anfangs habe ich dank ihm beim Hüttenwirt Schnee geschaufelt und das ging dann einfach weiter. Bis zu den Wegen." Doch Lederle hat Spaß an der Arbeit gefunden und ist seit 37 Jahren aktiv.

Der Einsatz der Gruppe wird nicht immer gewürdigt. „Das können wir auch nicht erwarten. Schließlich ist es ein Ehrenamt. Nur denken immer wieder einige Wanderer, dass wir für die Arbeit einen Haufen Geld bekommen. So ist das halt. Aber wir freuen uns über jeden positiven Satz", erklärt der Rentner.

Die Gruppe ist im besten Alter

Vier Wegemacher sind im Durchschnitt pro Einsatz dabei. Bei kleineren Ausbesserungsarbeiten reichen aber zwei Männer. Dass es sich bei den Wegemachern ausschließlich um Rentner handelt, hängt vor allem mit den Einsatzzeiten zusammen. Die Einsätze lassen sich auf Grund der Wetterabhängigkeit nur schwer im Voraus planen. Zusätzlich arbeitet die Gruppe nur werktags. „Am Wochenende behindern uns nur die ganzen Wanderer bei den Reparaturen. Und die Wirte können uns da auch nicht brauchen" , lacht Lederle.

Generell kann jedes Mitglied des DAV Wegemacher werden. Vorausgesetzt wird aber eine gute Grundkondition. „Und trinkfest muss er natürlich auch sein", scherzt Lederle.

                               „Kraft und Kondition braucht man für die Arbeit auf jeden Fall", erklärt Peter Weiß im Interview. Diese Aussage stellt er beim Einschlagen der Pflöcke unter Beweis. | Foto: Sonja Lingg

Haftung im Schadensfall

„Die Schäden an Wegen und Brücken entdecken wir auf unseren Kontrollgängen oder auf dem Weg zu einem Einsatz. Gemeldet wird selten etwas. Da muss es schon sehr auffällig sein, dass ein Wanderer etwas sagt", erklärt der Wegewart.

Die routinierten Gänge bringen noch einen Pluspunkt mit sich. Sie bewahren den DAV auch vor Haftungsansprüchen nicht versicherter Wanderer. Die Sektion müsste lediglich eintreten, wenn ihr grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden könnte. Die Wegemacher selbst hatten zum Glück noch keine größeren Unfälle. Abgesichert sind sie aber durch den Versicherungsschutz des DAV.

Weiterdenken bei der Arbeit

Kleinere Wegschäden, die die Wegemacher auf einem der Arbeitseinsätze bemerken, beheben sie direkt. Und so tauschen die beiden Ehrenamtlichen auf dieser Tour auch die maroden Pflöcke der Aussichtsbank aus. Bevor sie sich dann mit leeren Eimern und leichten Rucksäcken auf den Rückweg machen.

Die Arbeitsschritte vom Tal bis zur Aussichtsbank

Schaufeln, Schlagen, Schwitzen – so sieht die Arbeit der Wegemacher im Detail aus. Etappenweiße dokumentieren die Bilder den Arbeitseinsatz am Mariaberg im Allgäu.

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Über den Autor

Sonja Lingg

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017