Interview mit Flüchtling

Deutschland – ein Land der Zuflucht?

13.11.2014

Heimat, Freunde und Verwandte in der Zerstörung zurücklassen ohne zu wissen ob oder wann man zurückkommt. Kein einfacher Schritt. Hozayfa Rahmoon ist einer der 73 syrischen Flüchtlinge, die im ehemaligen Kloster Oggelsbeuren im Landkreis Biberach untergebracht sind. Auch er ist Teil vom Opernprojekt: „Cosi fan tutte“. Im Interview erzählt er über sein neues Leben in Deutschland, seine Träume und Wünsche aber auch von den Vorurteilen, denen er sich stellen muss.

Opernprojekt mit syrischen Flüchtlingen

"Cosi fan tutte", ein Appell an eine Zukunft mit Zufluchtskultur. Weitere Termine zur Veranstaltung findet ihr unter diesem Link: http://www.zufluchtkultur.de/

Houzayfa, du bist jetzt schon sechs Monate in Deutschland, erlebst eine fremde Kultur, lernst eine neue Sprache. Hast du dich auch in Situationen unerwünscht gefühlt?

Nun, ich denke man kann nicht alle unter einen Hut stecken. Aber ja, vor allem bei der Wohnungssuche ist es für uns Flüchtlinge schwer. Ich war wütend, als ich erfuhr, dass jemand seine Wohnung nicht an syrische Familien vermieten möchte. Klar kann jeder eigene Entscheidungen treffen, aber es tut weh sich unerwünscht zu fühlen. Natürlich sind nicht alle so. Ich kann auch verstehen, dass viele Deutsche sauer sind. Sie arbeiten viel und mit ihren Abgaben an den Staat finanzieren sie das Leben vieler Flüchtlinge. Für viele scheint das nicht gerecht.

Hier findet ihr weitere Links zur Oper:

http://www.zufluchtkultur.de/

https://www.facebook.com/zufluchtkultur?fref=ts

Würdest du sagen, dass es Flüchtlinge gibt, die sich nicht genug integrieren?

Ich muss den Deutschen hier recht geben. Es stimmt, es gibt Flüchtlinge, die sich nicht integrieren wollen oder die Sprache nicht lernen möchten. Als Jugendlicher kann ich aber sagen, dass es uns jungen Menschen nicht schwerfallen sollte uns zu integrieren, die Sprache zu lernen oder Freundschaften zu knüpfen.

Fällt es dir schwer dich zu integrieren und deutsche Freunde zu finden?

Obwohl meine Deutschkenntnisse noch nicht perfekt sind, versuche ich mein Bestes um mich mit anderen zu unterhalten. Es ist möglich Freundschaften zu schließen, auch wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Ich habe viele deutsche Freunde und sie sind jederzeit für mich da. Ich fühle mich bestens integriert und bin stolz darauf.

Flüchtling Hozayfa Rahmoon

Man merkt, dass du dich schon als Teil der deutschen Gesellschaft fühlst. Was ist dein „Erfolgsgeheimnis" ?

Nun, gute Laune und Motivation. (lacht) Ich bin seit sechs Monaten in Deutschland und nehme seit einigen Monaten an dem Opernprojekt: „Cosi fan tutte" teil. Eine Oper, die zwar dem Westen gehört aber ein Projekt in dem wir unserem Schicksal Gehör verschaffen können. Und das ist großartig! Außerdem durfte ich schon mein erstes Buch hier veröffentlichen.

Kompliment, du hast schon sehr viel erreicht. Was erträumst du dir für deine Zukunft in Deutschland?

Mein erstes Ziel ist es ein sehr bekannter Dichter zu werden, den alle Generationen der Welt in Erinnerung behalten. Ich möchte mein Studium, das ich leider wegen dem Krieg abbrechen musste, in Deutschland beenden. Mein Wunsch ist es den Armen zu helfen und zwar unabhängig von welcher Nationalität.

Was wünscht du dir von Deutschland, wie soll dieses Land mit euch Flüchtlingen umgehen?

Ich wünsche mir, dass die deutsche Regierung den Flüchtlingen besonders bei der Wohnungssuche hilft. Wir Syrer wissen, dass Deutschland eines der mächtigsten Länder ist. Ein Land, in dem es Frieden und Sicherheit gibt. Ich wünsche mir von dieser Regierung, dass sie die neuen 5000 syrischen Flüchtlinge aufnimmt, weil das syrische Volk zurzeit diese Hilfe braucht. Sie brauchen jemanden, der an ihrer Seite steht.

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Über die Autoren

Steffi Bross

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