Sexualisierte Gewalt im Jugendsport

Die Angst, bloßgestellt zu werden

05.06.2017

Eins von fünf Kindern in Deutschland hat es schon erlebt: Anzügliche Bemerkungen, unangenehme Berührungen oder sogar körperliche Übergriffe. Die Betroffenen bleiben aus Angst vor den Konsequenzen aber meistens still. Mit dem Projekt „Sport respects your rights“ möchte die Badische Sportjugend Freiburg junge Ehrenamtliche aufklären, um sexualisierte Gewalt im Jugendsport zu verhindern und Opfern den Mut zum Sprechen zu geben.

Erschreckende Zahlen: Jedes fünfte Kind in Deutschland war im eigenen Sportverein schon Opfer von sexualisierter Gewalt. | Foto: David Groß

Rund 7,3 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 18 Jahren waren laut Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im vergangenen Jahr als Vereinsmitglied in Deutschland gemeldet. Im wöchentlichen Fußball-, Kanu- oder Eiskunstlauftraining wollen die zahlreichen Nachwuchstalente dabei vor allem eins: Spaß haben. Neben Verletzungen oder schlechten Wettkampfergebnissen ruinieren aber auch ganz andere Erlebnisse viel zu oft den Alltag der jungen Sportler.

Jedes fünfte Kind ist betroffen

Anzügliche Bemerkungen und Gesten, sexistische Witze, unangenehme Berührungen oder sogar körperliche Übergriffe: Sexualisierte Gewalt hat viele verschiedene Gesichter und zählt schon lange zu den größten Problemen im Kinder- und Jugendsport. Denn nach Schätzungen der Badischen Sportjugend Freiburg (BSJ) war in Deutschland mindestens jedes fünfte Kind schon einmal selbst Opfer. Trotzdem gilt sexualisierte Gewalt in vielen Sportvereinen noch immer als Tabu-Thema, das lieber totgeschwiegen als öffentlich angegangen wird. Vermutlich auch, weil die Betroffenen die Erlebnisse aus Angst vor den möglichen Konsequenzen häufig in sich hineinfressen anstatt Hilfe zu suchen.

Laura Schneider ist Projektmitarbeiterin bei „Sport respects your rights". Sie erklärt, was unter sexualisierter Gewalt verstanden wird und warum so vielen Betroffenen häufig der Mut zu einer Aussage fehlt. |Quelle: David Groß

EU finanziert Präventionsprojekt

Dass der Kinder- und Jugendschutz in den deutschen Sportstrukturen zu kurz kommt, erkannte auch die Europäische Union (EU), die 2014 das Projekt „Sport respects your rights" ins Leben rief. Damit wollte sie jungen Engagierten die Möglichkeit geben, beim Aufklären von Jugendtrainern mitzuwirken. Zu den beteiligten Verbänden gehörte auch die BSJ, die das Projekt nach erfolgreichem ersten Durchlauf auf eigene Faust weiterführte. Ohne finanzielle Unterstützung der EU. „Für uns war ‚Sport respects your rights’ damit nämlich noch nicht abgeschlossen", meint BSJ-Projektmitarbeiterin Laura Schneider. „Seitdem finanziert sich das Projekt hauptsächlich durch Spenden."

Sensibilisierung durch Workshops

Um möglichst viele Sportvereine für sexualisierte Gewalt sensibilisieren zu können, begann die BSJ vor mehr als zwei Jahren kostenlose Workshops anzubieten. Darin haben Jugendtrainer die Möglichkeit, über das Tabu-Thema zu diskutieren, sich Wissen anzueignen und Präventionsmaßnahmen kennenzulernen. Auch ein Einblick in die rechtlichen Grundlagen zum Sexualstrafrecht, das nur in den schlimmsten Fällen zum Tragen kommt, steht mit auf dem Programm. „Die Teilnehmer erwartet in den Workshops eine Menge an Informationen. Denn nur wer die Täterstrategien und Risikofaktoren kennt und weiß, was sexualisierte Gewalt eigentlich ist, kann auch wirklich dagegen vorgehen", erklärt Laura Schneider.

Die Badische Sportjugend Freiburg konnte mit ihren Präventionsworkshops schon viele sportlich Engagierte sensibilisieren. Dabei kommen die Teilnehmer oft zu überraschenden Erkenntnissen. |Quelle: David Groß

„Es ist wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen"

Vor allem die Angst vor möglichem Gelächter oder Verständnislosigkeit der anderen Sportler nehme vielen Betroffenen den Mut zu sprechen. „Deshalb ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Die Kinder müssen wissen, dass in ihrem Verein jemand ist, mit dem sie reden können und der ihnen weiterhilft. Zum Beispiel durch Gespräche mit den Beteiligten oder die Vermittlung an Fachstellen." Von den teilnehmenden Vereinen werden nach den Schulungen eine oder mehrere solcher Vertrauenspersonen festgelegt. Das Ganze wird dann an die Jugendsportler kommuniziert. „Es muss einfach ein geschützter Rahmen geschaffen werden, in dem sich die Kinder wohlfühlen", fasst Laura Schneider zusammen. Denn nur ohne Ängste und Sorgen können junge Sportler in ihren Vereinen genau das machen, was sie eigentlich wollen: Einfach nur Spaß haben.

Das Projektteam von „Sport respects your rights" klärt sportlich Engagierte über sexualisierte Gewalt auf. |Foto: Badische Sportjugend Freiburg

Du möchtest mehr über das Projekt erfahren?
Seit seiner Gründung im Jahr 2013 konnte „Sport respects your rights" bereits durch viele verschiedene Aktionen auf sich aufmerksam machen. Mit Speerwurf-Olympiasiegerin Christina Obergföll als Botschafterin kann sich das Projekt außerdem seit einiger Zeit über prominente Unterstützung freuen. Genaue Informationen über bisherige Errungenschaften und noch anstehende Veranstaltungen findest Du hier.

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Über den Autor

David Groß

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017