Open Data

Die Daten sind frei, jeder kann sie erhalten

05.02.2015

Open Data liegt im Trend. Bund, Länder und auch Unternehmen veröffentlichen ihre Daten zum Wohle der Gesellschaft. Nur bei der Visualisierung dieser Rohdaten hapert es. Deshalb übernehmen gemeinnützige Vereine in Netzwerken diese Aufgabe.

Viele kennen die nachfolgende Situation aus eigener Erfahrung: Man will oder muss umziehen und holt Erkundigungen über den neuen Wohnort ein. Es besteht deshalb in vielen Fällen das Interesse an Informationen über Mietpreise, Immobilienpreise, die Zugverbindungen des Nahverkehrs, das Vorhandensein und die Qualität von Kindertagesstätten und Schulen (Grundschule, Gesamtschule oder Gymnasium), vielleicht sogar über die Schadstoffbelastungen und die Trinkwasserqualität rund um den Wohnort. Die den Informationen zugrunde liegenden Daten liegen in vielen Fällen vor und sind auch grundsätzlich öffentlich zugänglich. Als einzelne Quellen stehen beispielsweise die Mietpreisspiegel des statistischen Bundesamtes, Internet-Portale wie Immobilienscout 24, die Internetseiten der Bundesbahn, der EnBW oder der Landesanstalt für Umwelt zur Verfügung. Und selbstverständlich kann man sich vorstellen, dass die Bauordnungsämter und Gesundheitsämter Daten zur Bausubstanz von Kindertagesstätten verfügbar haben und dass die Daten der Pisa-Studien der OECD und der IGLU-Studie in Deutschland irgendwo erfasst sind. Nur wo? Die erforderlichen Informationen können oft nur durch mühsame Datenrecherche aus unterschiedlichen Quellen und äußerst zeitaufwendig generiert werden.

Wäre es da nicht hilfreich, einen für alle Interessierten möglichen, einheitlich, aktuellen und stringent organisierten Zugang zu diesen Daten zu haben? Vielleicht sogar eine oder zwei Apps, die den Weg durch den Datendschungel erleichtern, damit nach Sichtung der Daten eine sachgerechte Entscheidung gefällt werden kann?

Die Open Data Bewegung

Genau das fordert die Bewegung Open Data, oder auch Open Government Data genannt: den automatisierten Zugriff auf Daten. Vor allem auf solche, deren Entstehung und Erhebung durch öffentliche Mittel wie Steuergelder finanziert wurden.

Die Idee dahinter ist nicht neu. Schließlich gibt es schon zahlreiche andere Bewegungen, die das Wort „Open" in ihrer Bezeichnung integriert haben, wie z.B. Open Source (Offenlegung von Software-Quelltexten) oder Open Access (freier Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen). Der Begriff Open Data wurde erstmals im Jahr 1995 in den USA verwendet. Seit dieser Zeit verzeichnet die Welt eine immer größer werdende Transparenz bei bisher verschlossen gehaltenen Datenbeständen Auch die EU konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen und hat mit der Richtlinie über die Wiederverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors (PSI-Studie) eine entsprechende Rechtsgrundlage geschaffen. Beispielsweise werden in der EU nun auch Daten über die Verteilung von Agrarsubventionen öffentlich zugänglich gemacht, die vorher streng vertraulich behandelt wurden.

Vor und Nachteile von Open Data

Was aber spricht für einen allgemeinen Zugang zu diesen öffentlichen Daten? Öffentliche Gelder haben erst die Generierung dieser Daten ermöglicht, folglich müssten sie jedem Bürger frei zugänglich sein. Im Informationsfreiheitsgesetz von 2006 ist ein solcher Grundsatz schon rechtlich verankert. Mit Hinweis auf Wikipedia und dessen Nutzung durch die Öffentlichkeit wird oft auch die Notwendigkeit eines freien Informationszugangs für jedermann begründet. Auch eine Entwicklung der Gesellschaft zu noch mehr und unmittelbarer Demokratie wird von den Befürwortern der Bewegung als Vorteil angeführt. Dabei verweisen sie unter anderem auf die Webseite TheyWorkForYou.com als Vorbild, die das Abstimmungsverhalten britischer Abgeordneter im dortigen Parlament nachverfolgt.

Dagegen spricht, dass durch Steuergelder finanzierte Informationssammlungen in Konkurrenz zu kommerziellen Angeboten stehen, die mit dieser Dienstleitung Gewinne erzielen wollen und Marktordnungspolitisch ja auch sollen. Darüber hinaus besteht die Gefahr das die öffentlichen Daten absichtlich oder unabsichtlich verfälscht werden können. Durch das Offenlegen von Daten wird deren Missbrauch erleichtert. Beispiele sind Listen von Sicherheitslücken in IT-Systemen, Daten aus der Waffenforschung oder Publikationen zu genmanipulierten hochansteckenden Vogelgrippeviren. Ebenfalls bedenklich sind Polizeidaten. Beispielsweise ist es in Amerika auch möglich, auf Polizeidatensätze zu Waffenbesitzern oder von Straftätern zuzugreifen, die mit Wohnungsadressen, Foto und Straftaten gefüllt sind. Dies kann zu Hetzjagden in der Nachbarschaft führen. Aufgrund der deutschen Maßnahmen zur Resozialisierung und ihrer Vorstellung von Datenschutz sind solche „Schutzfunktionen" für die Bürger bisher allerdings nicht vereinbar.

Visualisierung von Datensätzen

Problematisch an der derzeitigen Open Data Bewegung ist, dass Milliarden von Informationen von öffentlichen Verwaltungen, Kulturinstitutionen und auch Privatunternehmen in Form von Datensätzen zur Verfügung gestellt werden, ohne dass bisher ihre Visualisierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt in irgendeiner Weise organisiert wurde. Rohdaten alleine reichen aber nicht aus! Oftmals übernehmen gemeinnützige Vereine, wie die Open Knowledge Foundation diesen Part. Sie arbeiten an nützlichen Anwendungen und Visualisierungen allgemein zugänglicher Daten und digitale Werkzeuge für Bürger und Bürgerinnen in Form von Apps. Ein Beispiel hierfür wäre das Programm „Code for Germany."

Code for Germany zur Förderung der Transparenz von Open Data mittels App-Entwicklungen (Infografik Kerstin Hart)

Code for Germany entwickelt unter anderem auch die gewünschten Apps, die einem beim Umzug mit den entsprechenden Informationen zeitnah und übersichtlich versorgen und insoweit eine erhebliche Erleichterung für den Nutzer darstellen.

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Über den Autor

Kerstin Hart

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