Roboter und Apps im Kuhstall

Die Evolution des Bauern

11.12.2014

Franz Sutter blickt konzentriert auf seinen Bildschirm - er hat seine 45 Kühe fest im Blick. Wie in einer Kommandozentrale thront der Landwirt über seiner Herde. Ein komplexes Programm zeigt ihm den aktuellen Status seiner Tiere, vom letzten Tierarztbesuch bis zur momentanen Milchproduktion.

Franz Sutter in seiner Kommandozentrale (Foto: Silvia Rudigier)

Im Mittelpunkt des Stalls steht der Melkroboter. Zischend lässt er Dampf entweichen. Die Maschine ist bereit für die nächste Kuh. Der Chip am Halsband verrät die Identität des Tiers. Es ist Berta, die Nummer 23. Zwei rotierende Bürsten reinigen die Zitzen. Rote Laserstrahlen tänzeln um das Euter, um es abzutasten. Die Melkbecher saugen sich an die vier Zitzen und pumpen die Milch aus dem Euter.

Zu hören ist nur das monotone Brummen des Melkroboters. Aber kein Muhen der Kühe ist zu vernehmen. „Das ist so, weil die Tiere so zufrieden sind", erklärt der Besitzer des Stalls, Franz Sutter. Gemächlich pendeln die Kühe zwischen Futter- und Schlafplatz. Eine Kuh gönnt sich gerade genüsslich eine Massage an der automatischen Bürste. „Die Freiheit der Kuh steht bei mir im Vordergrund", betont der diplomierte Agraringenieur.

Ungewohnte, neue Freiheit

Dies war im alten Stall noch nicht so. Dort wurden die Kühe, wie es früher üblich war, angebunden. Diese Art der Tierhaltung wollte die Familie allerdings nicht länger weiterführen. Der Arbeitsaufwand war für die wenigen Kühe zu hoch.

„Die Umstellung war ein spannender Prozess", erinnert sich der Landwirt, der sich auch beruflich mit der Milchviehhaltung beschäftigt. „Bei den Kühen ist es wie bei den Menschen, die jüngeren gewöhnen sich schnell an die Technik, während die älteren länger brauchen." Die Tiere wurden langsam mit den neuen Maschinen vertraut gemacht. Auch an die neu gewonnene Freiheit mussten sich die Kühe erst gewöhnen. „Wir mussten ihnen zeigen, wo sie fressen und schlafen können."

Dem allgemeinen Trend, dass die Höfe immer größer werden, kann der 53-Jährige nichts abgewinnen. Seine Devise lautet: Klein aber fein. Der Hof soll gut für seine fünfköpfige Familie zu bewirtschaften sein. Dabei steht die Freude an den Tieren im Vordergrund, denn der leidenschaftliche Landwirt ist überzeugt: „Wenn ich gut für meine Tiere sorge, geben die auch viel Milch." Die hohe Milchleistung seiner Kühe verdankt er auch seinem Melkroboter. Das Besondere daran ist, dass jede Kuh sich bei Bedarf selbstständig melken lassen kann.

Bei jedem Melkvorgang werden unzählige Daten der Kuh erfasst und gespeichert. Sie wird gewogen und ihre Milch wird auf Farbe, Inhaltsstoffe und die elektrische Leitfähigkeit untersucht. Diese enormen Datenmengen lassen Rückschlüsse auf den Zustand der Herde sowie auf die Gesundheit der einzelnen Kühe zu. Das so genannte Herdenmanagementsystem gibt sogar Auskunft über die Paarungsbereitschaft der Tiere. Um seine Kühe immer im Blick zu haben, kann er jederzeit per Smartphone-App auf die gespeicherten Informationen zugreifen.

Schlupfwespen zur Fliegenbekämpfung

Auch der Mist muss nicht mehr von Hand abtransportiert werden. Diese Aufgabe übernimmt jetzt ein Mistschieber, der alle drei Stunden automatisch die Laufwege auf und ab fährt. Neben der enormen Zeitersparnis sieht der Landwirt zwei weitere Vorteile. Die Klauen bleiben Gesund, da die Kühe nicht auf feuchtem Untergrund stehen. Andererseits wird dadurch auch etwas für die Umwelt getan. „Wenn das Urin-Kot-Gemisch liegen bleibt, entsteht umweltschädliches Ammoniak-Gas."

Eine weitere Investition, mit der die Familie der Umwelt etwas Gutes tun will, sind die Solaranlagen auf dem Dach des Stalls. Hier wird nicht nur der Strom für den eigenen Bedarf produziert, sondern auch überschüssige Energie gewonnen, die ins Stromnetz eingespeist wird. Die Solaranlagen halten im Sommer die Sonne ab, damit sich der Stall nicht so sehr aufheizt. Wird es trotzdem einmal heiß, sorgen Ventilatoren für Abkühlung.

Im Sommer tummeln sich zusätzlich unzählige kleine Störenfriede im Stall. Zahllose Fliegen schwirren um die Kühe und machen sie unruhig. Doch auch hierfür hat der innovative Landwirt eine Lösung: „Wir setzen Schlupfwespen zur Fliegenbekämpfung ein." Was kurios klingt, funktioniert denkbar einfach. Die Wespen ernähren sich von den Larven der Fliegen und bekämpfen so die Plage auf natürlichem Wege.

Die Arbeiten im Stall haben sich durch die technischen Neuerungen erheblich gewandelt. Früher war zwar die körperliche Arbeit schwerer, aber heute sind die Tätigkeiten hinsichtlich der Technik und des Managements anspruchsvoller geworden. Dank der Modernisierung ist es heute für die Familie möglich, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Auch der Kontakt mit den Tieren ist intensiver geworden. Nun ist auch Zeit für ausgiebige Streicheleinheiten. Die Landwirts-Familie möchte den Bestand noch auf 60 Tiere erweitern. Dann könnte Sutter seinen Zweitjob an den Nagel hängen und sich ganz seiner wahren Berufung widmen.

Emilias WG - Eine Kuh zeigt ihr Zuhause

Im automatisierten Stall von Franz Sutter steht das Wohl der Tiere im Vordergrund.

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Über den Autor

Silvia Rudigier

Elektronische Medien Master - Unternehmenskommunikation
Eingeschrieben seit: WS 14/15