Green Publishing

Die grüne Revolution im Bücherregal

29.01.2015

Der Ansatz die Welt grüner zu machen ist schon alt, aber kennst du auch Green Publishing? Deine Antwort ist mit großer Wahrscheinlichkeit „nein“. Dabei kommen wir jeden Tag mit dem Ergebnis eines Green Publishing Vorgangs in Berührung: Bei Flyern, Zeitschriften oder Büchern. Die Verlagsbranche diskutiert seit einiger Zeit über umweltschonende Produktion. Oder wollen Verlage mit dem Zertifikat nur werben?

Wer sich auf die Suche nach einer einheitlichen Definition des Begriffes „Green Publishing" begibt, scheitert gnadenlos. Es gibt nämlich keine dafür. Prinzipiell ist damit umweltfreundliches Publizieren oder Drucken gemeint. Dabei umfasst Green Publishing nicht nur die Produktion eines Werkes. Der Vertrieb und der generelle Arbeitsalltag spielen ebenfalls eine Rolle. Für Bürotätigkeiten können beispielsweise lösungsmittelfreie Stifte verwendet und Papier eingespart werden. In diesem Bereich gibt es zahlreiche Leitfäden und Checklisten die Unternehmen bei der Umstellung unterstützen. Diese Veränderungen sind im Hinblick auf den zukünftigen und bestehenden Umweltschutz unumgänglich. Auch das Verlagswesen hat dies erkannt. Daten der Papierherstellung zeigen, dass bei der Ökobilanz noch Luft nach oben ist. Allein 40 Prozent des weltweit gerodeten Waldes werden ausschließlich für die Papierproduktion genutzt. Auch durch den Druckprozess entstehen Emissionen von Lösemittel in Luft, Wasser und Boden. Der hohe Energieverbrauch von Druckereien hilft auch nicht den grünen Fußabdruck zu verbessern. Als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, kommt noch der Transport zum Endkunden hinzu. Die daraus resultierenden hohen CO2-Emissionen und die Plastikverpackungen schaden der Umwelt. Die Verlagsbranche diskutiert deshalb darüber, wie sie ihren Teil zur Verbesserung der Ökobilanz beitragen kann. Ob die Kunden dies wissen? Dazu wurden Passanten in der Fußgängerzone befragt.

Umfrage zum Thema Green Publishing

Auf der Stuttgarter Königsstraße wurden Kunden zum Thema Green Publishing und nachhaltiger Produktion im Bezug auf ihre Kaufentscheidung befragt. (Bild: Martin Fellmann)

Umsetzungsvorschläge für die Branche

Hilfestellung zur Umsetzung gibt das Projekt „Nachhaltig Publizieren – Neue Umweltstandards für die Verlagsbranche". Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit haben der „oekom verlag", das Institut für Energie- und Umweltforschung und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung von August 2011 bis November 2013 Empfehlungen im Bereich Papier und Druck aufgestellt. Eine von diesen, nämlich das Drucken auf Recycling-Papier oder auf FSC-Papier, wird mittlerweile von immer mehr Verlagen umgesetzt. Daneben sollen umweltschädliche Stoffe ersetzt, die Energie effizient genutzt und die Abfallmengen reduziert werden. Eine gute Möglichkeit bietet zudem die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region. Nahtlos als Nachfolgeprojekt wurde das Umweltzeichen der „Blaue Engel für Druckerzeugnisse" entwickelt. Wenn Unternehmen freiwillig die festgelegten Kriterien erfüllen, können umweltfreundliche Produkte ab dem 1. März 2015 mit diesem Siegel gekennzeichnet werden. Sie können den „Blauen Engel", das älteste und bekannteste Umweltzeichen, auf ihre Produkte abdrucken. Damit wird dem Benutzer die Umweltfreundlichkeit direkt auf dem Produkt angezeigt. Aber was außer dem guten Gewissen treibt Verlage dazu, diese Veränderungen umzusetzen?

Green Publishing vs. Greenwashing

Verlage wollen natürlich ihre Umweltbilanz verbessern. Ausschlaggebend dafür können wohl auch Imagegründe sein. Für diese These spricht unter anderem, dass die Buchwissenschaftlerinnen Dr. Anke Vogel und Dr. Corinna Norrick-Rühl eine verstärkte, nachhaltige Umorientierung auf dem Kinderbuchmarkt feststellen. Dies könnte zurückzuführen sein auf die WWF-Papieranalyse von Kinderbüchern aus dem Jahr 2012. Darin wurde festgestellt, dass hier oft noch Tropenholz zur Herstellung verwendet wird. Die Verlage müssen sich anpassen, da Eltern und Großeltern beim Kauf von Kinderbüchern immer mehr auf die Nachhaltigkeit der Produkte achten. Zudem sollten diese vor allem nicht gesundheitsgefährdend sein. Aber verändern Verlage wirklich etwas, oder nutzen Verlage das Bewusstsein aus und betreiben damit Greenwashing? Dafür würde beispielsweise sprechen, dass zum Teil nur einzelne Reihen nachhaltig produziert werden, was häufig mit dem Inhalt des Buches oder des Magazins zusammenhängt. Denn ist der Inhalt "grün", muss auch das Drumherum „grün" sein.

Gerade in den Jahren 2010 – 2012 durchlebte der Trend des Green Publishings eine Hochphase. Beispielsweise haben Verlagsgrößen wie Bertelsmann und De Gruyter ganze Bereiche, auch im Büro, nachhaltig umgestaltet. Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie viele Verlage Green Publishing betreiben. Daher ist eine Bewertung dieses Handelns schwierig. Derzeit scheint der Trend wieder rückläufig zu sein. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Ein Grund könnte sein, dass mit der Produktionsumstellung zum nachhaltigen Publizieren erhebliche Kosten verbunden sind. Beispielsweise steigen tendenziell die Papierkosten, sodass die Gewinnmagen eher sinken. Ein Verlag muss sich eine nachhaltige Produktionsumstellung somit leisten können. Für eine konsequente Umsetzung ist außerdem unabdingbar, dass die verantwortlichen Menschen im Verlag zu 100 Prozent hinter dem Konzept stehen. Das Interesse des Endkunden an umweltschonender Produktion könnte Verlage zu Greenwashing treiben.

Welche Prospekte wurden wohl nachhaltig produziert? Optisch ist kein Unterschied zu erkennen. (Bild: Stephanie Treitz)

Green Publishing im Alltag

Im Alltag merken wir bisher oftmals gar nicht, ob es sich um einen nachhaltigen Druck handelt. Das Zertifikat des Blauen Engels könnte in Zukunft für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Die Farbunterschiede sind mittlerweile in der Papier- und Druckqualität für uns Verbraucher nicht mehr zu erkennen. Das Vorurteil der schlechteren Optik ist daher nicht mehr tragbar. Ob ein Buch nachhaltig publiziert ist, sieht der Leser erst mit Blick ins Impressum. Dort weisen Verlage in der Regel aus, auf welchem Papier gedruckt wurde. Aber letztendlich entscheidet der Leser. Spielt eine nachhaltige Produktion für ihn eine Rolle, so fordert er diese auch zunehmend ein, weiß ein Insider der Branche zu berichten. Doch legen die Kunden darauf Wert? Die Umfrage in der Stuttgarter Innenstadt zeigt dies eher nicht. Hinzu kommt, dass ein bewusster Verzicht auf nicht nachhaltige Bücher schwierig ist. Ersatz ist nicht so leicht zu finden, wie beispielsweise bei Kleidung oder Lebensmitteln. Den Inhalt eines Buches gibt es nicht in tausend verschiedenen Varianten. Ist es nicht nachhaltig produziert, hat der Leser nur zwei Wahlmöglichkeiten: Nicht lesen oder trotzdem kaufen.

Green Publishing zwischen Trend und Zukunftsverpflichtung

Green Publishing ist im alltäglichen Leben nicht angekommen. Dies soll es auch gar nicht! Es spielt in der Verlagsbranche nur intern eine Rolle. Der Begriff Green Publishing muss, wie die Reaktionen der Interviewten zeigen, dem Käufer nicht bekannt sein. Dementsprechend würde sich der Vorwurf des Greenwashings für Werbezwecke nicht bestätigen lassen. Dennoch lässt sich anhand der Kundenbefragung ein deutliches Interesse an nachhaltig produzierten Druckerzeugnissen erkennen. Vielleicht benötigt es aber eine noch stärkere Sensibilisierung der Leser von Seiten der Verlage. Zurzeit besteht die Gefahr, dass Green Publishing nur als ein kurzfristiger Trend erscheint. Durch den „blauen Engel" sollten sich Unternehmen einer nachhaltigen Produktion verpflichtet fühlen. Am Ende sind wir jedoch selbst gefragt!

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Über den Autor

Stephanie Treitz

Print and Publishing (Master)
Eingeschrieben seit: SoSe 2014