Deutsche Freimaurerlogen

Die Königliche Kunst

06.06.2016

Die Königliche Kunst, besser bekannt als Freimaurerei, muss sich seit ihrer Gründung mit Vorurteilen auseinandersetzen. Ihnen wird vorgeworfen, nach der Weltherrschaft zu streben und Wirtschaft und Politik zu beeinflussen. Doch was steckt hinter der Bruderschaft und bergen die Freimaurer wirklich Geheimnisse, wie ihnen immer nachgesagt wird?

Das allsehende Auge. | Bild: Matthias Leuker

Das Logendomizil von Furchtlos und Treu reiht sich unauffällig neben die Wohnhäuser in der Kornbergstraße im Stuttgarter Westen ein. Passanten haben keinen Grund, auch nur einen Gedanken an das Innenleben hinter den Mauern der Hausnummer 35 zu verschwenden. Doch genau in diesem Gebäude erhoffe ich mir, etwas über den Alltag und die Geheimnisse der Freimaurer zu erfahren. Verstecken sich hier wirklich furchtlose Männer in Roben und vollführen geheime Rituale? Ich steige die mit Kerzen geschmückten Treppen hinab in das Souterrain des Gebäudes, in dem mich zwei Brüder von Furchtlos und Treu empfangen.

Grundideen der Freimaurerei

Die fünf Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sind seit Jahrhunderten Grundideale der Freimaurer, die durch Handeln im Alltag gelebt werden sollen. Religiöse und politische Gesinnungen sind für die Brüder Privatsache und werden deshalb bei Treffen auch nicht behandelt. Der gedankliche Austausch auf einem hohen Niveau und das Pflegen von Traditionen stehen im Mittelpunkt der Treffen.

Die Freimaurer bezeichnen sich als eine „diskrete Gesellschaft", die es sich zum Ziel setzt, anspruchsvolle ethisch-moralische Grundsätze zu verfolgen. In den Gesprächen bei den Clubabenden machen sich die Mitglieder bewusst, dass „das Leben endlich ist und die Lebenszeit sinnvoll und bewusst genutzt werden soll", erzählen die beiden Meister von Furchtlos und Treu. Außerdem betonen sie: „Wir sind keine Glaubens-, sondern eine Wertegemeinschaft."

Besonders wichtig seien der geistige Austausch und ein freundschaftliches Miteinander, erklärt auch Logenmeister Armin Sabol der Stuttgarter Loge Licht am Stein. Die Brüder sollen an sich selbst arbeiten und sich weiterentwickeln. Für ihn ist die Freimaurerei ein ergänzender Lebensbereich, der ihm Kraft und Konzentration für den Alltag gibt.

Armin Sabol, Logenmeister der Freimaurer-Gemeinschaft „Licht am Stein", erzählt über seinen Alltag als Freimaurer und damit verbundene kuriose Ereignisse.

Vorurteile und Verschwörungen in der Geschichte der Freimaurer

Im Internet zahlreich zu findende Verschwörungstheorien über eine angestrebte Weltherrschaft der Freimaurer sorgen für große Abneigung gegenüber der Vereinigung. Ihnen wird vorgeworfen, Regierungen zu unterwandern, Weltkriege zu provozieren und die Medien zu steuern. Außerdem soll es innerhalb der Freimaurerei eine eigene Elite geben, für die die eigentlichen Freimaurer nur ein Deckmantel sind.

Besonders der große Zuwachs und Einfluss der Freimaurer im 18. Jahrhundert missfiel der Kirche und den Herrschaftshäusern Europas. So wurde die Bruderschaft schon in ihren Anfängen von der katholischen Kirche verboten. Die mystischen Rituale der Freimaurer, bei denen der Tod eine große Rolle spielt, waren Grundlage für Ablehnung und Verteufelung durch die Kirche und die Gesellschaft, die bis heute anhalten. Auch zu Zeiten der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus wurden die Freimaurer stark angefeindet und verfolgt. Viele der Verschwörungstheorien gründen auf Hetze und einem negativen Bild der Bruderschaft. In welchen Dimensionen die Freimaurer in der Vergangenheit tatsächlich aktiv waren, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Sogar auf dem Ein-Dollar-Schein ist die Pyramide mit dem allsehenden Auge, ein weltbekanntes Symbol, das der Freimaurer-Bewegung zugeschrieben wird, zu finden. Dies lässt nur ansatzweise den damaligen Einfluss der Gemeinschaft erahnen. Die Mitgliedschaft von amerikanischen Präsidenten wie George Washington oder Theodore Roosevelt belegt zumindest die Reichweite und Präsenz der Freimaurer. Auch bekannte und einflussreiche Männer aus Deutschland wie Friedrich der Große, Lessing und Goethe gehörten der Gemeinschaft an. Insofern lässt sich eine Einflussnahme im Namen der Freimaurer in Politik und Wirtschaft nicht vollkommen ausschließen.

Der Clubsaal von „Furchtlos und Treu": Hier treffen sich die Freimaurer zu Vorträgen und Konzerten; hinten rechts der Vorhang vor dem Tempeleingang. |Bild: Matthias Leuker

Freimaurerei heute

Die Gesprächspartner der Stuttgarter Logen Licht am Stein und Furchtlos und Treu weisen die eben beschriebenen Vorwürfe vehement von sich. Die Freimaurer seien eine verschwiegene, aber transparente Gemeinschaft, die nichts zu verbergen habe. Sie seien offen für alle politischen und religiösen Strömungen ihrer Mitglieder, wodurch ihr Grundgedanke von Toleranz und Humanität stark gefördert werde.

Das Einzige, was Nicht-Mitgliedern nicht frei zugänglich ist, seien feierliche Zeremonien und Rituale, die im sogenannten Tempel abgehalten werden. Ein Meister der Loge Furchtlos und Treu beschreibt diese als „alte Rituale, die erhalten werden sollen, eine Art Theater". Der Tempel ist ein separater Raum, der für die Feierlichkeiten speziell geschmückt wird. Auch die dort gesprochenen Texte sollen nicht an die Öffentlichkeit gegeben werden, um für Einsteiger einen Überraschungsmoment zu wahren. Genau das mache den Reiz aus, sagt er.

Die Kritik bezüglich des Ausschlusses von Frauen finden die Freimaurer unangebracht. Ihnen ist es wichtig, die ungezwungene Atmosphäre unter Männern bei den Treffen beizubehalten. Deshalb lehnen die deutschen Freimaurer gemischte Vereinigungen ab. Es gibt bereits einige Frauen-Freimaurer-Vereinigungen, die zwar von den deutschen Großlogen nicht offiziell anerkannt, aber respektiert werden.

Die Loge „Furchtlos und Treu"

Einblicke in das Freimaurergebäude der Loge „Furchtlos und Treu" in der Kornbergstraße.

Während des Gesprächs wird mir der genaue Ablauf eines Logentreffens geschildert: Alle Brüder halten einen kurzen Vortrag beispielsweise über Philosophie, Physik und Geschichte. So trägt jeder einen Baustein zur Gemeinschaft bei. Danach trinken sie etwas zusammen bei gemütlichen Unterhaltungen. Da der Tempel, der bei Furchtlos und Treu von einem großen Vorhang vom Sitzungsraum getrennt ist, nicht dekoriert ist, erlauben die beiden Meister mir auch hier einen Einblick.

Die Freimaurer präsentieren sich als eine zurückgezogene und häufig missverstandene, jedoch keinesfalls gefährliche oder nach der Weltherrschaft strebende Gemeinschaft. Bei der Verabschiedung laden die Meister mich zu einem Gästeabend ein, um mir einen noch lebendigeren Einblick in die Freimaurerei zu geben. Wie der Alltag eines Freimaurers heute aussieht? Nicht annähernd so mysteriös wie oft behauptet.

Zahlen und Fakten zu den Freimaurern. |Grafik: Matthias Leuker via Piktochart

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Über die Autoren

Julian Reitner

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/16

Matthias Leuker

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/16