Ernährung

Die Licht- und Schattenseiten von Trinkschokolade

18.12.2014

Heiße Schokolade während der kalten Jahreszeit - eine beliebte Alternative zu Kaffee und Tee. Doch wissen wir überhaupt, was wir da in der warmen Milch auflösen? Eines steht fest: Reiner Kakao ist es zumeist nicht. Häufig wird das Pulver durch unnötige Zusatzstoffe ergänzt. Genauso läuft beim Anbau der Zutaten nicht immer alles einwandfrei. Der Organisation „Fairtrade“ und Kerstin Dorner aus Deizisau gab dies zu denken.

„Man kann nicht pauschal Produkte von Großkonzernen als schlecht oder unethisch bezeichnen", sagt Schokoladen-Experte Georg Bernardini zu den Behauptungen, dass in Trinkschokolade oftmals zu viele Zusatzstoffe enthalten seien. Nichtsdestotrotz glaubt er, dass es wohl viele Global Player gibt, die ihre Machtstellung ausnutzen, um dem Verbraucher das anzubieten, womit sich das meiste Geld verdienen lässt. Damit ist gemeint: Aus Kostengründen werden Zusatzstoffe hinzugegeben, die es für eine klassische Trinkschokolade eigentlich nicht braucht. Und der Experte scheint Recht zu haben, wie sich bei genauerer Betrachtung zeigt: Johannisbrotkernmehl, Traubenzucker, Emulgatoren wie Sojalecithin, der Aromastoff Vanillin, Kalzium und Butterreinfett sind nur ein paar der künstlichen Ergänzungsmittel, die immer wieder in der Zutatenliste diverser Kakaogetränke auftauchen. So manche davon könnte man als unnötig bezeichnen, denn sind wir einmal ehrlich: Wozu braucht es Kalzium in einem Schokopulver, welches später sowieso in Milch aufgelöst wird? Und ließe sich das Vanillearoma nicht ganz einfach mit Hilfe einer Schote auf natürlichem Weg erzeugen? Ganz zu schweigen vom Traubenzucker, der den oftmals mit über 70 Prozent ohnehin schon sehr hohen Zuckergehalt lediglich noch höher werden lässt.

Statt eines hohen Zuckergehalts sollte für Bernardini eine Trinkschokolade vor allem einen hohen Kakaoanteil haben und nicht zu dünnflüssig sein. „Auf eine Tasse oder einen großen Becher muss man schon 30–35 Gramm Schokolade rechnen", sagt der Experte, der statt zum Pulver lieber zur richtigen Schokolade greift. Anstatt die Produkte der großen Anbieter zu kaufen und diese damit zu unterstützen, rät er dem Verbraucher, pures Kakaopulver zu erwerben und den Zucker nach eigenem Geschmack hinzuzufügen.

Kleinbauern werden von Zwischenhändlern ausgenutzt

Eine weitere Schattenseite lässt sich direkt beim Erzeuger der Zutaten ausfindig machen. Dabei ranken sich speziell um den Anbau von Kakao – mit dessen Produktion rund 14 Millionen Menschen weltweit ihren Lebensunterhalt verdienen – üble Gerüchte. Auf den Plantagen in Westafrika (Zum Beispiel: Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria), wohin sich inzwischen die Hauptanbaugebiete verlagert haben, herrschen teilweise unmenschliche Bedingungen. Immer wieder werden Kleinbauern, die oftmals nicht wissen, was ihre Produkte wert sind, ausgebeutet. Zwischenhändler nutzen die Unwissenheit der kleinen Familienbetriebe aus und bezahlen diesen viel zu geringe Preise.

Fast noch schlimmer ist dabei die Tatsache, dass als Folge der sehr geringen Entlohnung, der Anteil an Kinder- und Sklavenarbeit in Afrika gestiegen ist. So mussten laut UNICEF im Jahr 2008 rund 60 Millionen Kinder in afrikanischen Ländern arbeiten. Unter den Einsatzorten befanden sich auch die Kakaoplantagen. „Kinderarbeit ist noch immer ein großes Problem in Westafrika", sagt Johanna Schmidt von der Organisation „Fairtrade". Die Hauptursache hierfür sei vor allem die Armut, die speziell in den ländlichen und abgelegenen Regionen herrsche.

„Fairtrade" setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe

Laut Schmidt setzt „Fairtrade" genau hier an: „Es geht nicht um die Unterstützung durch Spenden, sondern um eine Hilfe zur Selbsthilfe durch gerechte beziehungsweise faire Handelsbedingungen." Die Organisation sieht sich selbst als Brücke zwischen Produzenten und dem Konsumenten. Neben der Förderung von biologischem Anbau wird dabei hauptsächlich auf faire Bezahlung sowie auf die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen Wert gelegt. „’Fairtrade’ strebt dadurch eine langfristige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen an", begründet Schmidt den Einsatz. Erfüllt ein Produkt schließlich alle geforderten Qualitätskriterien, so erhält es das bekannte Fairtrade-Siegel. Damit ist laut Schmidt gewährleistet, dass bei allen verwendeten Inhaltsstoffen die festgeschriebenen Standards eingehalten wurden.

Eine Trinkschokolade, die man ohne schlechtes Gewissen trinken kann – das war auch das Ziel von Kerstin Dorner aus Deizisau. Neben der Zusammensetzung der allseits bekannten Produkte missfielen der ehemaligen Mitarbeiterin eines schwäbischen Automobilkonzerns auch die Produktionsbedingungen im Westen Afrikas. „Ich wollte ein nachhaltiges Produkt, von welchem nicht nur der Endkunde profitiert, sondern auch der, der für die Produktion verantwortlich ist", beschreibt Dorner ihre Beweggründe, eine Alternative zu den gewöhnlichen Schokotrunks auf den Markt zu bringen. Und dennoch ist die Idee eher ungewöhnlich. Die Story hinter „Trinkschoggi" – so nennt sie ihr Produkt – ist dafür aber umso interessanter.

Selbst ist die Frau - Trinkschokolade als Eigenkreation

Kerstin Dorner war frustriert. Einerseits, weil ihr die Produkte der Global Player in der Schokoladenindustrie zu viele Zusatzstoffe enthielten, andererseits waren ihr die teilweise in Westafrika vorherrschenden Arbeitsbedingungen ein Dorn im Auge. Aber sie wusste sich zu helfen.

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Über den Autor

Jan Geißler

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014