Kosmetik

Die Qual der Wahl: Chemie oder lieber Natur pur?

26.01.2017

In der Kosmetikbranche geht der Trend immer mehr zu chemiefreier, natürlicher Kosmetik. Die Unterschiede zur konventionellen Kosmetik sind groß, aber was genau macht die Naturkosmetik anders?

Lieber konventionelle oder natürliche Kosmetik? Beide Kosmetika haben Vor- und Nachteile. | Bild: Savannah Blank

Unsere Badezimmerschränkchen werden stets natürlicher, zumindest mit Blick in die Cremedosen und Shampooflaschen. Immer mehr Kosmetikprodukte gibt es jetzt ohne synthetische, dafür aber mit allerlei natürlichen Stoffen. Aus Chemie wird also Natur, doch was unterscheidet die beiden Kosmetika?

Wichtig sei es zu wissen, dass nicht zwischen natürlicher und chemischer Kosmetik unterschieden werden sollte, sondern lieber zwischen zertifizierter Naturkosmetik, naturnaher und konventioneller Kosmetik, so Dr. Jürgen Blaak, Forschung und Entwicklung, von der Firma Kneipp.
Der Begriff Naturkosmetik ist gesetzlich nicht geschützt und oft tritt daher das Greenwashing auf. Das bedeutet, dass Produkte verkauft werden, die nur wenige Tropfen Natur enthalten und sonst aus synthetischen Stoffen bestehen. Diese Produkte vermitteln aber trotzdem den Eindruck eines vollen Naturprodukts, weil mit den Aufschriften „bio" oder „natural" geworben wird.

Arten von Kosmetik
Konventionelle Kosmetik:
Das sind alle Kosmetikprodukte, die gesetzlich erlaubt und frei käuflich sind. Ein Großteil der Inhaltsstoffe sind synthetische Stoffe wie Sulfate oder Parabene. Die Produkte vieler bekannter Marken wie Nivea, L’Oréal oder Dove zählen zu konventioneller Kosmetik.
Naturnahe Kosmetik:
Naturnahe Kosmetik sind Produkte, die sowohl pflanzliche als auch synthetische Stoffe enthalten. Diese Marken werben mit den Aufschriften „natural" oder „Pflanzenkosmetik".
Zertifizierte Naturkosmetik:
Hierbei handelt es sich um echt natürliche Naturkosmetik, die mit Naturkosmetiksiegeln gekennzeichnet ist.

Echte Naturkosmetik hat Richtlinien

Eines der strengsten und bekanntesten Siegel für zertifizierte Naturkosmetik ist das Siegel des Bundesverbands der Industrie- und Handelsunternehmen für kosmetische Mittel. Um dieses Siegel zu erhalten, müssen einige Kriterien erfüllt sein.

Verschiedene Kriterien um das BDIH Siegel zu erhalten. | Grafik: Savannah Blank via Piktochart

Inhaltsstoffe unter der Lupe

Naturkosmetik und konventionelle Kosmetik unterscheiden sich im Wesentlichen in zwei Punkten. Zum einen in der Herstellung und zum anderen in der Wirkung.

Bei natürlicher Kosmetik werden ausschließlich naturgetreue Stoffe wie natürliche Öle, Kräuterextrakte oder pflanzliche Fette wie Kokosfett eingesetzt. Ebenso gibt es Unterschiede in der Konservierung der beiden Kosmetika. Eine Konservierung ist erforderlich, weil Kosmetik aus Wasser besteht und sich darin gerne Keime bilden. Herkömmliche Kosmetik wird durch Parabene konserviert. Diese chemischen Helferchen stehen aber immer häufiger in der Kritik, weil befürchtet wird, dass sie unseren Hormonhaushalt durcheinander bringen, da ihre Struktur der des weiblichen Sexualhormons Östrogen sehr ähnlich ist.
Um solche Probleme zu vermeiden, setzt die Naturkosmetik hier ebenfalls auf den Verzicht von chemischen Stoffen. „Auch Naturkosmetik wird haltbar gemacht, zum Beispiel mit unverändertem Bioalkohol oder durch natürliche, pflanzliche Extrakte", erklärt Carolin Schliephake, PR Sprecherin von Santaverde. Ein weiterer Unterschied liegt in der Wirkung auf der Haut.

Ein gutes Beispiel dafür sei die Wirkung im Anti-Aging Bereich, meint Schliephake. Sowohl die konventionelle als auch die natürliche Kosmetik wirken, aber auf unterschiedliche Weise. Herkömmliche Kosmetik wirke schneller als Naturkosmetik. „Das liegt daran, dass Produkte wie Hyaluron Filler oder Express Masken schnell viel Feuchtigkeit und Silikon in die Haut pumpen", erläutert Frau Schliephake. Jedoch sei dieser Effekt nur von kurzer Dauer. Sie erzählt, dass in der Naturkosmetik dagegen nicht auf eine kurzfristige Wirkung gesetzt werde. Vielmehr stehe der langfristige, präventive und gesunde Einfluss auf die Haut im Fokus.

Konventionell und Natur in der Praxis

„Im Schnitt schneidet zertifizierte Naturkosmetik besser ab." (Susanne Düsterhöft, ÖKO-Test)

„Zertifizierte Naturkosmetik schneidet häufig mit einem „gut" oder „sehr gut" ab, während bei der konventionellen Kosmetik das Testurteil auch mal „mangelhaft" oder „ungenügend" lauten kann", erzählt sie.
Allerdings hat auch die Naturkosmetik ein paar Schönheitsfehler. Es gibt Produkte, die die Naturkosmetik nicht anbietet oder der Verbraucher muss Abstriche machen, etwa bei den Effekten. Es kann zum Beispiel länger dauern, bis die Bodylotion eingezogen ist oder das Shampoo schäumt nicht so stark. Grund dafür sei, dass die Naturkosmetik auf stark schaumbildende Chemikalien verzichte, erklärt Düsterhöft.

Welche Kosmetik nun besser ist, ist also weniger eine Frage der Wirkung oder der Herstellung, vielmehr kommt es auf die persönliche Ausrichtung und die Wünsche der Verbraucher an.

Unser Kaufverhalten bei Kosmetik

„Um Kosmetik bewerten zu können, ist es wichtig die Inhaltsstoffliste zu lesen. Jeder sollte es sich zum Ziel setzten, nur Kosmetik zu verwenden, deren Inhaltsstoffe er nachvollziehen kann", findet Schliephake von Santaverde.
100 Befragte im Alter von 17 bis 31 Jahren haben sich in einer von mir erstellten Online Umfrage mit ihrem Kaufverhalten auseinandergesetzt.

Nicht-repräsentative Umfrage mit 100 Befragten. | Bilder: Savannah Blank via Piktochart

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Über den Autor

Savannah Blank

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016