Flucht nach Deutschland

Die Reise mit unbekanntem Ziel

04.05.2015

Er kam mit gerade mal 17 Jahren als politischer Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland: Amon Mohammadi hat einen steinigen Weg mit vielen Rückschlägen und Herausforderungen auf sich genommen. Mit welchen Vorurteilen hatte er zu kämpfen? Und bekam er die nötige Unterstützung, die er gebraucht hat?

Allein im letzten Jahr haben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 173.072 Menschen in Deutschland Asyl beantragt und die Antragszahlen steigen weiter. Bereits in den ersten drei Monaten des aktuellen Kalenderjahres kann man mehr als eine Verdoppelung der Zugänge im Vergleich zum Vorjahr feststellen. So unterschiedlich die Herkunftsländer und die Gründe dieser Menschen sind, das eigene Land zu verlassen, so unterschiedlich sind auch ihre Schicksale. Bei Amon Mohammadi* waren es politische Gründe, die ihn 1984 dazu zwangen, sein Heimatland Iran mit jungen 17 Jahren zu verlassen und über die Türkei nach Deutschland zu fliehen.

Amon Mohammadi - Meine Reise in ein unbekanntes Ziel

In diesem Audiointerview kann man sich die Geschichte von Amon Mohammadi über seine Flucht aus dem Iran nach Deutschland anhören.

So eine Flucht bringt natürlich viele Probleme und Schwierigkeiten mit sich, wie Amon erzählt. Selbst wenn man in seinem Zielland angekommen ist, muss man sich vielen weiteren Herausforderungen stellen: Angefangen bei der fremden Sprache die man erlernen muss, über die finanziellen Sorgen bis hin zur Nichtakzeptanz vieler Menschen. Bei Amon ging die Verzweiflung sogar so weit, dass er fünf Monate nach seiner Einreise in Deutschland einen Selbstmordversuch unternahm. Dieser missglückte und er wurde daraufhin in eine Psychiatrie eingewiesen und dort vier Wochen lang behandelt. Nach der Entlassung musste er nicht wieder zurück in das Asylantenheim, sondern durfte sich eine eigene Wohnung suchen. Dies gestaltete sich allerdings ebenso als schwierig, da die meisten Vermieter keinen Ausländer als Mieter haben wollten und schon gar nicht einen Flüchtling. Obwohl der deutsche Staat damals die Kosten für die Wohnungsmiete übernahm.

Der steinige Weg nach vorn

Nach seiner Anhörung in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf (ZAE) bekam er dann endlich die Zusage für seinen Asylantrag und damit auch die Arbeitsgenehmigung in Deutschland. Zuvor wurde er vom Staat mit monatlich 300 DM unterstützt. Weitere Unterstützung erhielt er aber auch von einigen Menschen, die sich auf freiwilliger Basis um hilflose und heimatlose Asylbewerber kümmerten und sie begleiteten. Diese luden ihn zum Beispiel zu Unternehmungen ein, kauften ihm sein erstes Geschirr und griffen ihm unter die Arme, damit er es leichter hatte. Die Arbeitssuche gestaltete sich jedoch sehr schwierig, da Amon hier in Deutschland nur ein Hauptschulabschluss anerkannt bekam, obwohl er im Iran auf dem Gymnasium war. So musste er sich mit vielen Gelegenheitsjobs durchschlagen und wurde oft ausgebeutet, bis er irgendwann realisierte, dass er mehr kann und auch mehr erreichen will. Er erzählt, dass seine Wünsche und die eigenen Erwartungen mit der Zeit immer weiter gestiegen sind und, dass er es sich selbst ermöglichen wollte, es weit nach oben zu schaffen – ohne fremde Hilfe.

Und das hat er auch durch harte, kontinuierliche Arbeit geschafft. Heute ist er 48 Jahre alt, verheiratet mit einer Deutsch-Italienerin, hat zwei Kinder und hat eine leitenden Position in einem der größten Möbelhäuser Baden-Württembergs. In sein Heimatland konnte Amon bisher aus Sicherheitsgründen nicht wieder zurückkehren, dies ist allerdings ein Wunsch, der für ihn hoffentlich bald in Erfüllung gehen kann.

*Name wurde von der Redaktion geändert

Total votes: 542
 

Über den Autor

Patricia Griotto

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2012